Zuversichtliche SchweizerInnen

Heute erscheint das Sorgenbarometer 2010. Es informiert uns ĂŒber die Sorgen der SchweizerInnen, von denen sie durch Massnahmen der Politik Abhilfe erhoffen. Normalerweise werde ich dabei von den Medien befragt, welches Ergebnis man nicht einfach erwarten konnte. Gerne nehme ich das auf und sage ich: dass die Zuversicht in die Zukunft der Schweiz nicht nur verbreitet ist sondern auch zunimmt.

trendvertrauen
Alle Unterlagen dazu finden sie hier.

Das Ueberraschende an der 34. Ausgabe des Sorgenbarometer fĂŒr die Credit Suisse ist nicht, dass zum x-ten Mal die Sorge um die Arbeit an der Spitze der Probleme unserer BĂŒrgerschaft steht. Wirklich ĂŒberraschend ist, dass auf die Frage nach dem Vertrauen in Institutionen die politischen erneut zugelegen konnten.

Das widerspricht zunÀchst der medialen Behandlung von Bundesrat, StÀnderat und Nationalrat. Denn fast tÀglich wird da ein Versagen unterstellt, werden da mehr oder minder deutliche AnlÀsse skandalisiert und entsteht so ein generelles Klima des Misstrauens.

Ganz anders sind die Ergebnisse im Sorgenbarometer. Denn seit 2004 Àussern reprÀsentative Querschnitte der Bevölkerung mehr und mehr Vertrauen in unsere Behörden.

Den Hauptgrund hierfĂŒr sehe ich in der wachsenden Orientierung der SchweizerInnen an der Schweiz. Bei aller Kritik, die an den eigenen PolitikerInnen und ihren Leistungen geĂ€ussert wird; bei alle Opposition gegen Entscheidungen die Regierungen und Parlamente fĂ€llen: im Vergleich mit dem Ausland schneiden unsere Behörden gut ab.

Das hat zunÀchst mit der allgemeinen Wirtschaftslage zu tun. Diese wird, was die Schweiz betrifft, weniger negativ beurteilt als die des Auslandes. Von den ganz grossen Auswirkungen der Finanzmarktkrise sind wir in der Schweiz verschont geblieben. Die Zuversicht, die schwierigste Phase hinter sich zu haben, nimmt bereits wieder zu.

Sodann hat auch die Politik in der Krise mehr gewonnen als verloren. Das trifft mit Sicherheit nicht auf jeden Bundesrat oder jede Parlamentarierin zu, insbesondere wenn sie sich profilieren, wenn sie sich streiten, und wenn sie nichts entscheiden. Es gilt aber im Grossen und Ganzen.

Gewonnen hat seit 2008 insbesondere das Schweizerische. Es steht fĂŒr ZuverlĂ€ssigkeit, fĂŒr LeistungsfĂ€higkeit, fĂŒr Dauerhaftigkeit. Von dieser Grundbefindlichkeit profitieren auch die politischen Behörden. Denn ihnen traut man zu, das richtige Mass zu finden zwischen dem verbreiteten Wunsch nach UnabhĂ€ngigkeit und der Einsicht in die Notwendigkeit von Kooperationen.

HĂ€tte man genau diese Grundhaltung in der Schweiz nicht mehr, wĂŒrden die Misstrauenswerte fĂŒr Legislativen, Exekutiven und Judikative schon lĂ€ngst ins den Himmel steigen. Doch ist das nicht der Fall. Nicht ein Mal nicht, sondern nun zum 5. Mal hintereinander nicht.

Klar: Man kann auch ein Fragezeichen hinter dieses Ergebnis setzen, orakeln, ob es nicht nur Vorstellungen sind. AnlĂ€sse fĂŒr MissverstĂ€ndnisse Wunsch und Wirklichkeit findet heute jeder und jede. Man kann auch kritisieren, das Fremd- und Selbstbild der Schweiz immer mehr auseinander fallen. Denn was die SchweizerInnen ĂŒber sich denken, schert manchen im Ausland nicht.

Doch diese Fragen kann das Sorgenbarometer gar nicht beantworten. Es ist aber in der Lage zu zeigen, wie die SchweizerInnen auf die aktuelle Krise reagieren. Probleme nennen sie zuhauf, Unzufriedenheit findet sich in vielen Antworten. Doch steht dem auch ein Urvertrauen in die eigene StĂ€rke gegenĂŒber.

Ich denke, das ist Anlass genug, nicht mit der verbreiteten Alarmismus, der ĂŒblichen Selbstanklage oder der herablassenden Besserwisserei auf die Ergebnisse der BĂŒrgerInnen-Befragung von heute morgen (8 Uhr) zu reagieren. Vielmehr fordere ich alle LeserInnen auf, nĂŒchtern das aufzunehmen, was uns mehr als 1000 ausgewĂ€hlte Personen Jahr fĂŒr Jahr berichten: dass sie die Schweiz kritisieren, dass sie sie mögen, und dass sie ihr zutrauen, die Zukunft zu bewĂ€ltigen.

Claude Longchamp