Nun wÀhlen Sie aus!

Am 28. MĂ€rz 2010 wĂ€hlt der Kanton Bern seine Regierung und sein Parlament. “smartvote” hilft bei der Auswahl!

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Bei den Nationalratswahlen 2007 macht das Projekt smartvote, von findigen PolitikwissenschafterInnen und InformatikerInnen entwickelt, Furore. Knapp 1 Million Wahlempfehlungen ermittelte das Computerspiel fĂŒr die interessierte BĂŒrgerschaft. Jetzt kommt es auch bei den Wahlen im Kanton Bern flĂ€chendeckend zum Einsatz.

Das Vorgehen ist einfach. Man wĂ€hlt sich auf smartvote ein, und fĂŒllt je nach Zeit, die einem zur VerfĂŒgung steht, einen Fragebogen mit 15 oder 65 Fragen zur politischen AktualitĂ€t aus. Die meisten Fragen sind ohne Weiteres Nachschlagen beantwortbar, und wenn man will, kann man die Themen, die einem besonders wichtig sind, speziell gewichten.

Dann drĂŒckt man auf Wahlempfehlung und erhĂ€lt die Liste der KandidatInnen fĂŒr die Regierungsratswahlen in der Reihenfolge, in der diese mit den eigenen Positionen ĂŒbereinstimmen. Das Ganze kann man sich auch fĂŒr Grossratswahlen durchrechnen lassen, und man erhĂ€lt so die Uebereinstimmung mit Parteien und KandidatInnen im eigenen (oder einem beliebigen) Wahlkreis.

Fast alle Theorien des WĂ€hlens berĂŒcksichtigen die Positionen in Sachfragen, um die Wahlentscheidungen zu erklĂ€ren. Die Medien tendieren dagegen immer mehr zur symbolischen Kommunikation mit Stimmungsmache. Dem setzen die praxisorientierten ForscherInnen von smartvote nun etwas gegenĂŒber: Von den Kandidierenden erwarten sie, dass sie ihre Positionen vor der Wahl bekannt machen, versprechen ihnen dafĂŒr, Wahlempfehlungen bei Ratsuchenden aus der BĂŒrgerschaft. FĂŒr diese wiederum erhöht sich die Transparenz, weniger der Parteien, denn deren Positionen kennt man, mehr aber der Bewerber und Bewerberinnen fĂŒr Regierungs- und Grossrat, die in ihrer Differenziertheit ohne smartvote nicht möglich wĂ€ren.

Noch haben nicht alle, die gewĂ€hlt werden wollen, den Fragebogen ausgefĂŒllt. Bei den Regierungsratswahlen fehlt die HĂ€lfte, bei den KandidatInnen sind es noch etwas mehr. Der Trend ist aber steigend.

Vielleicht hĂ€ngt es auch mit einer Scheu zusammen sich festlegen zu mĂŒssen. Was fĂŒr die WĂ€hlenden ein Vorteil ist, kann sich fĂŒr die GewĂ€hlten als Problem erweisen. Dann etwa, wenn Medien auf die Antworten bei smartvote verweisen, wĂ€hrend die politische Diskussion in zwei, drei Jahren weiter sein kann. Oder wenn die Daten der GewĂ€hlten von InteressenverbĂ€nden genutzt werden, um zu ermitteln, in welcher Partei die ParlamentarierInnen sitzen, die fĂŒr die Mehrheitsbildung massgeblich sind.

Die enorme Ressonanz, die das spannende Projekt bei den Wahlen 2007 erreicht, ergab sich seither nicht mehr. Immerhin, bei den kantonalen Wahlen in St. Gallen wurde mehr als 13000 Wahlempfehlungen ausgestellt, in Basel in Genf waren es knapp 10000. Im Kanton Bern sind es wenige Tage nach dem Start bereits 2800. GewÀhlt wird erst in sieben Wochen.

Ich sage da nur: Greifen Sie zu, und wÀhlen sie aus!