Die Implosion der SPD

Die erste Analyse der WĂ€hlerwanderungen kommt bei der SPD zu einem eindeutigen Befund: Die Partei ist regelrecht implodiert.
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Die SPD schmerzen nicht nur die 11,3 Prozent, die sie am WĂ€hlerInnen-Kuchen seit den Bundestagswahlen 2005 verloren hat. Schlimmer noch ist der Befund der Analyse zur WĂ€hlerInnen-Wanderung, die eine negative Bilanz in alle Richtungen kennt. Bei der Bilanz von Zu- und Abwanderung hat die SPD ein Minus von rund 5 Millionen WĂ€hlenden aus dem Jahre 2005.

Den grössten Verlust kennt die SPD gegenĂŒber den Nicht-WĂ€hlerInnen.
An zweiter Stelle steht die Abwanderung zu anderen Linksparteien.
Als Drittes folgt der Uebergang zur neuen bĂŒrgerlichen Koalition.
Und selbst gegenĂŒber Parteien, die kein Mandat erringen konnten, verliert die SPD Stimmen.

Keine Partei kennt ein so umfassend negatives Profil. Die CDU/CSU hat zwar Ă€hnlich wie die SPD MĂŒhe, bestehende WĂ€hlerInnen zum WĂ€hlen zu motivieren, verliert aber nur im bĂŒrgerlichen Lager. Und die Linke ist fĂŒr die GrĂŒnen beschrĂ€nkt zur Konkurrenz geworden.

Das Mobilisierungsprobleme der ehemaligen Volksparteien ist eklatant. Es ist der sichtbarste Ausdruck der grossen Koalition, des Mangels an thematischer TrennschÀrfe und der fehlenden Wahlkampfstimmung. Bei der SPD kommen wohl auch das Fehlen einer Machtperspektive hinzu, denn ihr blieb letztlich nur die Hoffnung auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit CDU/CSU.

Die Situation der SPD erschwert eine eindeutige Korrektur. Geht die Partei nach links, muss sie mir weiteren AbgĂ€ngen an die Regierungskoalition rechnen. Weicht sie dagegen nach rechts, ist mit einem verstĂ€rkten WĂ€hlerInnen-Anteil insbesondere der Linken, vielleicht auch der GrĂŒnen zu rechnen.

In einer solche Situation gibt es in der Regel nur eins: Die Grundposition nicht radikal verĂ€ndern, das Spitzenpersonal aber grĂŒndlich erneuern, die VerterterInnen der verschienen Strömungen besser einbinden und die parteiinterne Arbeit neu machen, bis der Magnet wieder funktioniert.

Wichtiger ist die generelle Erneuerung der Partei, denn sie ist in der bisherigen Form implodiert.

Claude Longchamp