Wahlbörsen zu Deutschland: eher grosse als bĂŒrgerliche Koalition

Die fĂŒhrende Prognose-Börse bei den deutschen Bundestagswahlen heisst „Wahlstreet“. 9 Tage vor der Wahl haben CDU/CSU einen Marktwert von 33.7, gefolgt von der SPD mit 24.8 und der FDP, die auf 13.2 kommt. An viertes Stelle sind die GrĂŒnen mit 11.5, gefolgt von der Linken mit 10.8. Marktanteile in Wahlbörsen entsprechen dem WĂ€hlerInnen-Anteil bei der effektiven Wahl.

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Wahlbörsen prognistizieren mit den Mitteln des Marktes WahlausgÀnge recht zuverlÀssig, bieten aber keine Möglichkeit, das WÀhlerverhalten zu analysieren.

Betrieben wird die virtuelle Wahlbörse fĂŒr Deutschland vom Institut fĂŒr Soziologie der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen, die damit ein Forschungsprojekts zur politischen Einstellungs- und Meinungsforschung durchfĂŒhrt. Dabei setzt jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin ein Startkapital von maximal 50 Euro ein und kann mit diesem Einsatz Aktien der Parteien ihren Erwartungen zum Ausgang der Wahl handeln. Kommt es zu einem Tausch, stellt sich der Marktwert der Partei ein. Da sich die AusschĂŒttungen am Wahltag nach dem tatsĂ€chlichen Wahlergebnis orientieren, besteht ein Anreiz fĂŒr die HĂ€ndlerInnen, ihr eingesetztes Geld so zu investieren, dass ihr Depot möglichst genau dem Wahlausgang Ă€hnelt.

GemĂ€ss Wahlstreet verlieren bei der Bundestagswahlen 2009 sowohl SDP wie CDU/CSU. Es legen die drei kleineren Parteien ausserhalb der grossen Koalition zu. Am meisten profitieren wĂŒrde die FDP.

BezĂŒglich der Koalitionsaussage vermittelt Wahlstreet das Bild eines offenen Rennens. Der Kurswert fĂŒr eine CDU/CSU-Koalition mit der FDP liegt bei 48.4, jener fĂŒr eine Fortsetzung der bestehnden Koalition bei 49.4.

UnterstĂŒtzt vom Schweizer Fernsehen realisiert auch www.wahlfieber.ch eine vegleichbare Wahlbörse. Deren HĂ€ndlerInnen sind bezĂŒglich der CDU/CSU noch skpetischer, rangieren aber die Linke höher. Koalitionsaussagen werden nicht gehandelt, doch reicht es letztlich nur fĂŒr eine Fortsetzung der Zusammenarbeit zwischen CDU/CSU und SDP.

Claude Longchamp