„Abstimmungen im Trend“ – ein service public zur Beobachtung und Analyse der Meinungsbildung

(zoon politicon) Seit Herbst 1998 realisiert gfs.bern fĂŒr das Schweizer Fernsehen regelmĂ€ssig die Umfragen „Abstimmungen im Trend“. Damit werden bei eidgenössischen Volksabstimmungen die Stimmabsichten der BĂŒrger und BĂŒrgerInnen im Vorfeld der Entscheidung erhoben. Zwischenzeitlich sind 38 Untersuchungen in diesem Projekt realisiert worden, die der Oeffentlichkeit zur VerfĂŒgung stehen. Die Zusammenarbeit zwischen SF und gfs.bern wurde jĂŒngst fĂŒr vier weitere Jahre bestĂ€tigt.

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Szenen aus dem jĂŒngsten Abstimmungskampf zur „KampfjetlĂ€rm-Initiative“, ĂŒber die am 24. 2. 2008 entschieden wurde; der Gegenstand und die Kampagnen bilden den Ausgangspunkt fĂŒr die Analyse „Abstimmungen im Trend“

Trend- nicht Punktprognosen
Die Serien „Abstimmungen im Trend“ sind direkt keine Abstimmungsprognosen. Dazu ist man in der Abstimmungsforschung noch nicht in der Lage. Das gilt allerdings nur, wenn man punktgenaue Prognosen haben möchte. Denn diese setzen voraus, dass man weiss, wie sich die unentschiedenen BĂŒrgerInnen, die sich beteiligen wollen, die in er letzten Umfrage verbleiben, effektiv verhalten. Und da kann man nur antworten: Man weiss es nicht, und sieht besser von Faustregeln, was da passieren solle, ab!

4 Kennziffern
So bleiben am Schluss immer vier Kennzahlen; es sind dies: wie gross ist der Anteil, …

. der sich beteiligen will,
. der inhaltlich unschlĂŒssig bleibt,
. der zustimmen will resp.
. der ablehnen will.

PrimĂ€r ist das die letztmögliche Bestandesaufnahme, die man in der Schweiz in dieser Sache machen kann. SekundĂ€r interessiert, was darauf fĂŒr das Abstimmungsergebnis folgt. DafĂŒr sind einerseits die Trends massgeblich, die sich ĂŒber die Zeit hinweg bei diesen vier Indikatoren beobachten lassen. Anderseits gibt es einige Hypothesen, was nach der letzten Abstimmung geschieht, die wir laufend ĂŒberprĂŒfen und verbessern. Genau diese Hypothesen, die aus dem Dispositionsansatz abgeleitet werden können, sind es, die es uns – mit aller Vorsicht – erlauben, Trendprognosen zu machen, – Erwartungen, was nach der letzten Umfrage bis zur Abstimmung geschieht.

Die Befragungsanlage
Die letzte Umfrage findet immer in der 3. Woche vor den Volksabstimmungen statt. Publiziert wird sie am letztmöglichen Tag, den der Verband der Schweizerischen Markt- und Sozialforschungsinstitute zulÀsst, dem Donnerstag der vorletzten Woche vor der Volksabstimmung. Die erste Umfrage realisieren wir in der Regel in 6. oder 7. Woche vor der Volksabstimmung. Gelegentlich finden auch mehr als zwei Umfragen statt.

Die Befragungen basieren auf einer ReprĂ€sentativ-Befragung von mindestens 1200 Personen in der ganzen Schweiz. Sie wird telefonisch vom gfs-Befragungsdienst durchgefĂŒhrt. Die Personenauswahl geschieht dabei nach einem mehrstufigen at-random Verfahren, das die höchste NeutralitĂ€t bei der Auswahl garantiert. Dokumentiert werden die technischen Angaben zu allen Befragung vor Abstimmungen und Wahlen, die veröffentlicht werden, durch den Branchenverband. Ausgewertet, analysiert und kommentiert werden die Erhebnung vom Forschungsinstut gfs.bern.

Die Befragungen sind mit einem generellen Stichprobenfehler von +/- 2.9 Prozent behaftet. Genau genommen heisst dies, dass ein Wert von 50 % (mit 95prozentiger Wahrscheinlichkeit) um das grösser oder kleiner sein kann, wobei grössere Abweichungen unwahrscheinlicher, kleinere wahrscheinlicher sind. Die Unsicherheit, was mit den Unentschiedenen geschieht (im Schnitt 15 % in der letzten Umfrage) ist aber deutlich grösser als das, sodass der Umgang mit dem Problem „UnschlĂŒssige“ wichtiger ist, als die statistische Ungenauigkeit der Stichprobenerhebung.

Die Publikation
Die Gesamtheit der Ergebnisse stehen den SRG-Medien fĂŒr die Erstpublikation zur freien VerfĂŒgung. Sie werden zeitgleich mit der Veröffentlichung in den elektronischen Medien integral auf der Website von gfs.bern aufgeschaltet und können so von allen Interessierten konsultiert werden. Das hat sich auf die Akzeptanz der Ergebnisse nachweislich vorteilhaft ausgewirkt.

e-Publikationen durch gfs.bern
e-Publikation durch SF

Wir fahren also weiter: auf ein nÀchstes Mal!

Claude Longchamp