Archive for the 'US elections 2008' Category

Abraham Lincoln for ever

Fliegentr√§ger Abraham Lincoln ist und bleibt das Vorbild als US-amerikanischer Pr√§sident, urteilen 65 HistorikerInnen im “Presidential Ranking” des Senders C-Span. Viel schlechter als George W. Bush hat man es dagegen in der Geschichte der USA nicht gemacht, lautet das vernichtende ExpertInnen-Urteil.

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Mount Rashmore Memorial: Washington, Jefferson, (T.) Roosevelt und Lincoln in Stein gemeisselt. Zwei von ihnen sind auch im neuesten HistorikerInnen-Urteil ganz oben, wenn es um die besten amerikanischen Präsident geht.

65 JurorInnen gab es. 10 Kriterien hatten sie anzuwenden, und 42 Kandidaten standen ihnen zur Auswahl: Abraham Lincoln vor Georges Washington und Franklin D. Roosevelt, heisst das Ergebnis.

Lincolns Qualit√§ten lagen gem√§ss den HistorikerInnen in seinem F√ľhrungskraft, die er angesichts des B√ľrgerkriegs entwickelte. Ausgezeichnete wurde er auch f√ľr die Umsetzung seiner Visionen im politischen Alltag. Zudem ist der Pr√§sident der Sklavenbefreiung das Vorbild f√ľr Gerechtigkeit. Ueber allen steht er, weil er, mehr als alle anderen Pr√§sidenten, die Herausforderungen seiner Zeit meisterte.

Bestnoten gab es f√ľr George Washinton egen seinen Wirtschaftsleistungen, seiner moralischen Autorit√§t, seinen internationalen Beziehungen und seiner F√§higkeit, die Administration zu f√ľhren. Franklin D. Roosevelt schliesslich gilt als der amerikanische Pr√§sident mit der h√∂chsten Ueberzeugungskraft in der Oeffentlichkeit und den besten Beziehungen, die je eine Pr√§sident zum Kongress gehabt hatte.

Das lebende Gegenbeispiel ist der abgetretenen Pr√§sident George W. Bush. Vernichtend f√§llt das Urteil der Fachleute √ľber ihn aus, wenn sie an seine internationalen Beziehungen denken, an sein Wirtschaftsmanagement und an seine F√§higkeiten, die Administration zu f√ľhren. Ueber alles gesehen reichte es gerade zum 36 Platz unter 42 Kandidaten. Damit ist landet er unter den zeitgen√∂ssischen Pr√§sidenten klar auf dem letzten Platz. Ronald Reagan, insgesamt auf dem 10. Platz, gilt unter ihnen als bester, gefolgt von Bill Clinton, der insgesamt als 15. klassiert wurde.

In den USA sind solche Rankings seit Beginn der Nachkriegszeit beliebt, seit 1982 werden sie ziemlich regelm√§ssig gemacht. Meist basieren sie auf Bev√∂lkerungsumfragen, seltener auf Urteilen von Experten. Dabei hat sich C-Span besonders hervorgetan. Zum Millenium realisierte der Sender erstmals eine solche Bestandesaufnahme, nun zu Beginn der j√ľngsten Pr√§sidentschaft war das zum zweiten Mal der Fall. Geleitet wurde die Studie von Douglas Brinkley, Geschichtsprofessor an der Rice Universit√§t. Die angefragten JurorInnen haben sich alle als WissenschafterInnen mit amerikanischen Pr√§sidenten besch√§ftigt und wurden so zusammengestellt, um die USA geografisch, demografisch und ideologisch zu repr√§sentieren.

Es fragt sich eigentlich, warum es so etwas nicht auch f√ľr die Schweizer Bundesr√§tInnen gibt?

Claude Longchamp

Realignment or not? РDie Debatte zur Analyse der US-Wahlen 2008 ist eröffnet.

Jay Cost, Autor des HorseRaceBlogs, nimmt sich kritisch der These an, die j√ľngste Pr√§sidentschaftswahlen liessen sich als Realignent oder Neueinbindung ins amerikanische Parteiensystem interpretieren. Damit stellt er sich gegen die mediale Dramatisierung der Wahl, – mit Argumenten, die f√ľr einen Historiker der Wahlen gar nicht so schlecht sind.

In einem zeitbezogenen Ueberblick bestimmt er, was realignment f√ľr die USA heisse: “The parties had to manage issues of existential importance that could not be ignored. This is why we remember Lincoln’s “House Divided,” Bryan’s “Cross of Gold,” and Roosevelt’s “New Deal.” Each man took clear stands on issues whose resolution would determine the course of the nation. In these elections, little else mattered.”


Effekt des Realignment von 1932: breiter nationaler Konsens f√ľr eine Wechsel von den Republikanern zu den Demokraten.

Diese Problemstellung habe das normale Funktionieren der Parteien ausser Kraft gesetzt. Die Parteien hätten in der Bestimmung der Wahlkampfthemen und der Antworten darauf gar keine Wahl gehabt. Historisch gesehen ging es bei den Wahlen ohne Alternative um Sklaverei, Industrialisierung und Bewältigung der Depression. Und: Wer hierzu eine Partei gewählt habe, der sie auch bei ihr geblieben.

Dann setzt Cost zur entscheidenden Frage an: “Did the parties behave similarly this year as they did then? Were the issues similar?” Und gibt folgende Antwort: “I think the answers to both questions are negative, which cuts against the hypothesis that this election was a “realignment”.”

Im ersten Moment mag man staunen, denn die Subprime-Krise hat sich erheblich auf den Wahlkampf ausgewirkt. Doch Cost ist anderer Meinung: Beide Kandidaten h√§tten mit verschiedenen Themen zu punkten versucht. Das habe eine klaren Kontrast verhindert. In der entscheidenden Frage, dem Hilfsprogramm f√ľr die amerikanische Wirtschaft, h√§tten beide Senatoren gleich gestimmt. Deshalb habe es auch keine dauerhafte Richtungsentscheidung wie etwa 1932 beim New Deal gegeben.

Cost schliesst: “It might be that 2008 was a kind of realignment – perhaps a “partial” or “soft” or “semi” or “emerging” realignment.” Und das sei nicht viel mehr als schon bei den Wahlen von 1948, 1958, 1968, 1974, 1980, 1992, 1994, 2002 und 2006 geschehen sei.

Schluss: “I’m left wondering if the country has ever been aligned so that it can then realign!”

Claude Longchamp

Das (amerikanische) Fadenkreuz f√ľr die Analyse von Ideologien

Eine interessante Variante zum “Politischen Kompass” stellt der Radar “Moral Politics” dar. Vordergr√ľndig ist alles ganz anders, hintergr√ľndig ergeben sich vergleichbare, aber differenziertere Bewertungen politischer Ideologien.

Moral Politics baut nicht auf Stellungnahme in Streifragen, sondern auf moralischen Urteilen auf. Unterschieden werden auch hier zwei Dimensionen:

Erstens, die moralische Ordnung, zwischen Abhängigkeit und Unabhängigkeit sowie
zweitens, die moralischen Regeln, unterteilt in Konformismus und Non-Konformismus.

Beide Dimensionen werden mit insgesamt 16 Einstellungen gemessen.

Wie beim politischen Kompass kann man das selber ausf√ľllen, und man findet sich dann im Fadenkreuz von “Moral Politics” wieder.

Man kann den Radar aber verwenden, um selber etwas √ľber Ideologien sowie √ľber l√§ndertypische Verteilungen zu lernen. Das Raster der Ideologien ist in der obigen Grafik abgebildet. Es ist baut bei den Regeln auf der amerikanischen Unterscheidung zwischen Republikanismus und Demokratismus auf, w√§hrend bei der Ordnung die g√§ngigen Adjektiv “social” resp. “capital” verwendet werden. Der Vorteil dieser Klassierung ist, dass extremere Formen dieser vier Grundvarianten explizit in das Schema eingearbeitet worden sind.

Die Positionierung der amerikanischen Pr√§sidenten aus der j√ľngsten Zeit macht klar, dass sich die republikanischen und demokratischen Vertreter erwartungsgem√§ss unterscheiden. Ronald Reagan und Georges W. Bush erscheinen demnach als die typischsten Vertreter des konservativen Neo-Liberalismus, w√§hrend Georges H. Bush, Richard Nixon und insbesondere Gerald Ford gem√§ssiger erscheinen und f√ľr den kapitalistischen Republikanismus stehen.
Das Gegenst√ľck ist Jimmy Carter, der als Vertreter des sozialen Demokratismus erscheint, w√§hrend insbesondere Bill Clinton deutlich kapitalistischer positioniert wird. Dazwischen befinden sich John F. Kennedy und sein Nachfolger Lyndon B. Johnson.
Da es sich hier um retrosepktive Beurteilungen der Politiken amerikanischer Präsidenten handelt, fehlt Barack Obama zurecht.
Eines ist klar: Das Fadenkreuz zur Analyse von Ideologien liefert f√ľr den amerikanischen Kontext sinnvolle Ergebnisse. Die Uebertragung in andere politische Kulturen f√§llt aber nicht so einfach, denn die Begrifflichkeiten, die Problemstellungen und ihre Bewertungen sind nicht zwingend gleich konotiert.

Vorsicht ist angebracht, wenn man die prozentualen Verteilungen in den Quadranten nach Länder anschaut. Das das Mitmachen ungeregelt ist, handelt es sich, trotz teilweise beeindruckender Zahlen, um nicht-repräsentative Werte.

Claude Longchamp

Der grosse politische Kompass

Wo stehe ich politisch? – Die Antworten auf diese Frage sind meist durch nationale Selbstverst√§ndnisse verzerrt. Denn was in den USA normal ist, braucht es in Europa nicht zu sein, und was f√ľr S√ľdostasien gilt, l√§sst sich nicht unbedingt auf Afrika √ľbertragen.
Der political compass auf dem www l√§dt ein, sich global zu positionieren. Dazu wurde ein Fragebogen mit 62 Fragen zu Themen entwickelt, die weltweit diskutiert werden. Wer ihn ausf√ľllt, bekommt seine Antwort auf dem politischen Kompass.

Dieser ist nicht nur auf die links/rechts-Achse angelegt, die seit der französischen Revolution gebräuchlich ist, um das generelle Verhältnis von Markt und Staat zu bestimmen. Er enthält auch die Achse, die zwischen autoritäten und libertären Vorstellung einer Gesellschaft aufgespannt wird.
Das ergibt ein Fadenkreuz politischer Positionen, aber auch politischer Kulturen.
Sozialwissenschaftlich von Belang ist, dass auch einige typische Intellektuelle eingeordent werden. So steht Noam Chomsky (“Rogue Stuates”) f√ľr die linkslibert√§re Position, Samir Amin (“The Liberal Virus”) wird als linksautorit√§r eingestuft, rechtsautorit√§r ist Irving Kristol (“Neo-Conservatism”) und Milton Friedman (“Capitalism and Freedom”) steht f√ľr rechtslibert√§res Denken.

So fällt auf, dass die angelsächsischen PolitikerInnen im rechten, autoritären Quadranten erscheinen. Bei John McCain war das evident, während das bei Barack Obama in deutlich gemässigterem Masse der Fall ist.


Auch zwischen den EU-Staaten gibt es einige Unterschiede. Die neuen Migliedstaaten aus dem Osten neigen durchwegs zu autoritäreren Positionen, als dies vor allem in den nordischen Ländern der Fall ist. Ihnen allen entgegen stehen Freiheitskämpfer wie Nelson Mandela oder der Dalai Lama, die deutlich linker, aber auch libertärer positioniert sind.
Und wenn Sie jetzt wissen wollen, wo Sie stehen, dann versuchen Sie es hier selber. In 10 Minuten wissen Sie mehr Vergleichbares dar√ľber!

Claude Longchamp

New Realignment und die Demokratische Partei unter Obama

Harald Meyerson, Washington Post, macht sich als erster Editorialist daran, den Wahlsieg Obama Demokraten im Ueberblick zu analysieren. Er spricht von einem eigentlichen Realignment, einer Neueinbindung von W√§hlerInnen, bei der Demokratischen Partei, die ihresgleichen seit 1932 nicht mehr gesehen hat. Drei Gr√ľnde arbeitet er heraus, die ich hier gerne zur Diskussion wiedergebe.


Quelle: New York Times mit zahlreichen weitere Trendkarten

Vordergr√ľndig spricht der gestiegene W√§hleranteil der Demokraten nicht nur bei den Pr√§sidentschaftswahlen, sondern auch bei den Kongresswahlen f√ľr diese Einsch√§tzung. Hintergr√ľndig erkennt Meyerson zwei typische Ver√§nderungen im Wahlverhalten:

. Die Hispanics haben wieder zu zwei Dritteln f√ľr die Demokraten votiert. Das sind 10 Prozent mehr als noch vor vier Jahren; es sind auch wieder soviel zu den besten Clinton-Zeiten.
. Insbesondere die gut ausgebildeten Frauen, die im urbanen Umfeld leben, neigten 2008 klarer als fr√ľher zu den Demokraten, und sie werden auch immer zahlreicher.

Vor allem die Ver√§nderung bei den Hispanics sieht Meyerson als entscheidend an, sei es hier doch beispielsweise Colorado, Nevada, New Mexico, aber auch Florida gelungen, eine verunsicherte Bev√∂lkerungsgruppe f√ľr sich zu gewinnen. Den sukzessiven Wechsel der Frauen zu den Demokraten deutet er als Folge der verbesserten Ausbildung in den oberen sozialen Schichten. Obama gewann den auch in den 19 Statten mit dem h√∂chsten Bildungsniveau ausnahmslos. Typisch hierf√ľr seien die anhaltenden W√§hlergewinne in Virgina und North Carolina.

Die dritte Komponente der Neduordnung des amerikanischen Parteiensystems ist nicht soziologischer Natur. Sie hat mit einem Paradigmenwechsel in der Politik zu tun. Als Ronald Reagan “Konservative Revolution” in den 80er Jahren des 20. Jahrhundert begann, st√ľtzte sie sich auf das Gef√ľhl, der Staat m√ľsse weniger tun. Das ist angesichts der Rezession verschwunden. Erstmals sei wieder eine Mehrheit der AmerikanerInnen, insbesondere der jungen B√ľrgerInnen, der Auffassung, dass man die staatlichen Aktivit√§ten wieder ausbauen solle. Das hat schliesslich fast fl√§chendeckend das amerikanische Elektorat in Bewegung versetzt.

Sein Schluss: “The future in American politics belongs to the party that can win a more racially diverse, better educated, more metropolitan electorate. It belongs to Barack Obama’s Democrats.”

In der Tat f√ľhlt man sich 2008 an historische Momente in der Wahlgeschichte erinnert, etwa an 1980 mit Ronald Reagan, an 1932 Franklin D. Rooseveld oder an 1860 mit Abraham Lincoln. Vertiefte Analysen des, was in diesen Tagen umgebrochen ist, sind angezeigt.
Claude Longchamp

Mehr interaktive Grafiken zum Wahlve.rhalten findet man hier

Volksabstimmungen am election day: die Ergebnis- und Analyse√ľbersicht

Am Wahltag stimmten die Amerikaner in zahlreichen Gliedstaat √ľber insgesamt 152 Sachvorlagen ab. Dank den Exit Polls zu den Wahlen verf√ľgt man auch √ľber eine Vielzahl von Abstimmungsanalysen.

Die geraffte Uebersicht √ľber die Ergebnisse
In Arizona, Florida und Kalifornien entschied sich das Volk f√ľr Verfassungszus√§tze, die gleichgeschlechtliche Ehen verbieten.

Die Abtreibungsgegner konnten weniger Zustimmung f√ľr ihre Ziele verbuchen: In Colorado wurde eine Vorlage abgelehnt, die den Moment der Befruchtung einer Eizelle zum rechtlich g√ľltigen Entstehungszeitpunkt einer nat√ľrlichen Person erkl√§ren wollte. S√ľddakota lehnte einen Entwurf ab, nach dem Abtreibungen nur mehr in vier Ausnahmef√§llen zul√§ssig sein sollten: Wenn sie das Leben oder die Gesundheit der Mutter gef√§hrden, wenn die Schwangerschaft Folge einer Vergewaltigung ist oder wenn ihr ein Inzest zugrunde liegt.

In Michigan entschieden sich die W√§hler daf√ľr, durch einen Verfassungszusatz, die Forschung an aus menschlichen Embryonen gewonnenen Stammzellen mit Einschr√§nkungen zu erlauben. Ueberraschend war die Versch√§rfung des Sexualstrafrechts in S√ľdcarolina: Dort wird das Alter der Zustimmungsf√§higkeit zu sexuellen Handlungen von 14 auf 16 Jahre heraufgesetzt, darunter gilt auch der einvernehmliche Geschlechtsverkehr juristisch als Vergewaltigung.

Im Bundesstaat Washington entschieden die Mehrheit, dass es vollj√§hrigen Schwerkranken, die noch h√∂chstens sechs Monate Lebenserwartung haben, erlaubt ist, sich von √Ąrzten Medikamente verschreiben zu lassen, deren Einnahme zum vorzeitigen Tod f√ľhrt.

Erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen k√∂nnte ein Tierschutzpassus haben, der nach einem Volksentscheid in die kalifornische Verfassung Eingang gefunden hat: Er setzt der Massentierhaltung f√ľr Muttersauen, K√§lber und Legehennen enge Grenzen. Deren K√§fige m√ľssen nun so gro√ü sein, dass die Tiere sich umdrehen k√∂nnen.

Gute Nachrichten gab es f√ľr die Haushaltspolitiker in Massachusetts: Dort lehnten die W√§hlenden eine Vorlage ab, welche die Einkommensteuer des Bundesstaates f√ľr nat√ľrliche Personen 2009 halbiert und ab 2010 ganz abgeschafft h√§tte. Ein √§hnliches Vorhaben in Norddakota scheiterte ebenfalls.

Der in Missouri zur Wahl gestellte moderate Plan, bis zum Jahr 2021 f√ľnfzehn Prozent der Elektrizit√§t aus erneuerbaren Energiequellen zu gewinnen, wurde angenommen, das weitaus radikalere kalifornische Vorhaben, das eine Quote von 50 Prozent bis zum Jahr 2025 vorsah, dagegen abgelehnt.

In Nebraska stimmten die W√§hler f√ľr ein Gesetz, dass es der Regierung des US-Bundesstaates verbietet, Menschen nach den Kriterien Rassen, Hautfarbe, ethnische Identit√§t, Herkunft oder Geschlecht besonders zu f√∂rdern. Von den Affirmative-Action-Quotenregelungen hatten vor allem die wirtschaftlichen und sozialen Eliten innerhalb von Minderheitengruppen profitiert. Nach dem Volksentscheid hat der Bundesstaat nun die M√∂glichkeit, F√∂rderung nach Kriterien wie der Bildungsferne der Eltern oder deren Einkommen zu betreiben.

Die ersten Analysen
Dank den exit polls, die am election day zu allen Wahlen durchgef√ľhrt worden sind, verf√ľgt man auch zu vielen (nicht allen) Volksabstimmungen erste Analysen, wer was angenommen und was abgelehnt hat.

Die Uebersicht hierzu findet sich im election center 2008 von cnn. Man kann nach Gliedstaaten und Thema suchen und die jeweiligen exit poll Ergebnisse anclicken.

Die ausf√ľhrliche Beschreibung der Vorlagen findet sich auf www.ballotpedia.org.

Claude Longchamp

“damping factor” f√ľr die Umfragen zu den US-Pr√§sidentschaftswahlen

Bei den amerikanischen Pr√§sidentschaftswahlen kann der Prognosewert von Umfragen in zwei Schritten verbessert werden: durch das Mitteln der verf√ľgbaren Umfragewerte und durch “damping”.

Der SuperTracker zu den amerikanischen Pr√§sidentschaftswahlen ist hier bereits vorgestellt worden. Einfach gesagt geht es dabei um das Mitteln von Umfrageergebnisse verschiedener Institute zur gleichen Sache. Das verhindert Ueberinter√ľretationen von Trends aufgrund singul√§rer Befragungsergebnissen.

Will man dar√ľber hinaus auch den Prognosewert von Umfragen erh√∂hen, braucht es noch eine zweite Verfeinerung ver√∂ffentlichter Umfragewerte, damping factor (“D√§mpfer-Faktor”) genannt.

1996 konnte Campbell aufgrund einer Re-Analyse fr√ľherer Wahlprognosen zeigen, dass der f√ľhrende Bewerber zutreffender bewertet wird als der zur√ľckliegende. Dieser wird regelm√§ssig leicht untersch√§tzt, wobei die Differenz mit sich n√§herndem Wahltag abnimmt. Zu diesem Zweck hat Campbell vorgeschlagen, bei Umfragen eine Korrektur f√ľr den Zweitplatziert vorzunehmen, um pr√§zisierte Prognosen machen zu k√∂nnen. Das wird in der Regel bei den publizierten Erhebungen nicht gemacht, in wissenschaftlichen Vorhersagen indessen schon.

Zurecht, denn die vor 12 Jahren vorgestellten Befunde und Korrekturen haben sich auch 2008 gezeigt und bew√§hrt. John McCain wurd in den Umfragen vor der Wahl leicht untersch√§tzt. Das war zwar nicht entscheidend f√ľr die Frage, wer gewinnt oder verliert. F√ľr die Prognose war das aber von Belang.

Ohne die Korrektur von Campbell kam McCain gemäss RealClearPolitics im Mittel der Umfragen auf 46,1 Prozent der Stimmen. Mit der Korrektur (damping factor von 0.17 dazu) lag er bei 46.8 Prozent. Nach dem vorliegenden, vorläufigen Endeergebnisse waren es effektiv 47.0 Prozent.

Die Korrektur ist nicht unwichtig: Ohne sie w√§ren die aktuellen Umfragen wie fr√ľher auch etwas weniger treffsicherr gewesen als die elektronischen Wahlb√∂rsen; mit der Korrektur erwiesen sich die Umfragen um einen Hauch pr√§ziser.

Claude Longchamp

Campbell J. E. (1996), “Polls and Votes: The Trial-Heat Presidential Election Forecasting Model, Certainty, and Political Campaigns,” American Politics Quarterly, 24 (4), pp.408-433.

PollyVote traf bei den Präsidentschaftswahlen genau ins Schwarze

Das beste Prognosesystem bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen war das wohl unbekannteste. Zuunrecht, kann man wenigstens im Nachhinein sagen.

Unter Prognostikern gibt es eine einfache Regel: Verwende wenn immer möglich mehrere qualifizierte Prognoseverfahren gleichzeitig; denn jedes noch so perfektionierte Vorgehen hat seine Schwächen.

Genau das macht sich PollyVote zu eigen, das bei den diesj√§hrigen Pr√§sidentschaftswahlen zum dritten Mal eingesetzt wurde und eine kaum zu √ľbertreffende Pr√§zision aufweist, wurde das Endergebnis doch auf das Prozent genau vorausgesagt.

PollyVote basiert vier verschiedenen Instrumenten, die zu je einem Viertel in die Gesamtprognose einfliessen; aus methodischen Gr√ľnde vereinfacht PollyVote alle Verfahren auf eine reine Zwei-Parteien-Wahl und wird dabei nur der Anteil f√ľr die GOP (Republikaner) gesch√§tzt. Ber√ľcksichtigt werden

. gemittelte Umfrageergebnisse (nach RealClearPolitics); 46,8 %
. elektronischer Markt (Iowa Electronic Market): 46,7 %
. eine Expertenbefragung: 47,5 %
. quantitative Prognosen: 47,0 %

Bei der Expertenbefragung handelte es sich um ein Panel von amerikanischen Wahlexperten, das speziell f√ľr diesen Zweck gebildet wurde und sieben Mal, aber nicht nach der Delphi-Methode befragt wurde. Ber√ľcksichtigt wurde f√ľr die Prognose jedoch nur die letzte Expertenbefragung (die am tiefsten von allen lag). Die quantitativen Prognosen st√ľtzen sich auf die Modellierungen des Wahlausgangs, wie sie in j√ľngster Zeit aus polit√∂konomische Sicht entwickelt worden sind. 16 Varianten sind dabei ber√ľcksichtigt worden, die im Einzelfall sehr unterschiedliche Ergebnisse lieferten, aber nur als Ganzes in die PollyVote Prognose einflossen.

Das Verfahren wurde insgesamt 14 Monate lang betrieben. Dabei gab es Schwankungen, wobei der Range von 46,8 bis 49,2 Prozent reichte. Mit anderen Worten: Die Superexperten rechneten zu jedem Zeitpunkt mit einem Sieg der Demokraten.

Wenn der Ansatz √ľberzeugt, bleibt doch ein gr√∂ssere Problem bestehen. Das Verfahren ist aufwendig und nicht viel schneller als das langsamste Instrument. Entsprechend war das √∂ffentliche Echo trotz des Leistungsausweise auch diesmal gering. Als Hintergrund zur Evaluierung popul√§rer Prognosen d√ľrfte sich PollyVote insk√ľnftig aber Durchsetzen.

Claude Longchamp

Immer mehr gute, aber auch schlechte Umfragen bei den Präsidientschaftswahlen

Nimmt man die provisorischen Resultate der Wählendenanteile beider Spitzenkandidaten bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl von gestern, kommt Barack Obama auf gerundete 53 Prozent, während John McCain ebenfalls gerundete 47 Prozent erreicht. Die vorläufig finale Differenz zwischen den beiden beträgt rund 6 Prozentpunkte. Mit diesen Kennziffern kann man die Präzision der verschiedenen Vorhersagen evaluieren.

In einem Punkt waren sich die f√ľnfzehn Umfrageserien, die vor den amerikanischen Pr√§sidentschaftswahlen 2008 realisiert wurden, einig: Barack Obama werde gewinnen. Ueber das Ausmasses an Unterst√ľtzung f√ľr ihn resp. f√ľr seinen Gegenspieler gab es aber einige Differenzen:

F√ľnf Schlussbefragungen kommen dem Endergebnis sehr nahe; es sind dies:

. Opinion Research (CNN) 53:46 (Differenz=7): 714 voraussichtlich Wählende / 30.10. Р1.11.
. Ipsos (McClatchy) 53:46 (7): 760 / 30.10. – 2.11.
. Battleground-Lake 52:47 (5): 800 / 2.-3. 11.
. PEW Research 52:46 (6): 2587 / 29.10. – 1.11.
. Rasmussen Reports 52:46 (6): 3000 / 1. – 3. 11.

Keine eindeutige Aussage kann man zur Stichprobengrösse machen: 3 verwendeten relativ kleine Stichproben, 2 arbeiteten mit grossen.

Alle anderen 10 Institute, die sich an der Messung von Wählendenpräferenzen zu den Präsidentschaftswahlen beteiligten, schnitten allesamt schlechter ab. Am meisten wichen Zogby und Gallup vom effektiven Endergebnis ab.

Immer deutlicher gute und schlechte Prognosen nebeneinander
Im Vergleich zu fr√ľheren amerikanischen Pr√§sidentschaftwahlen beteiligten sich damit deutlich mehr Institute an diesem Wettbewerb.

Doch m√ľssen zunehmend zwei Gruppen gemacht werden: solche, die gut, und solche, die schlecht abschnitten.

Nimmt man die f√ľnf guten Institute in diesem Jahr, waren sie pr√§ziser als die sechs besten Institute bei den Vorwahlen. NImmt man indessen alle Institute, war der mittlere Fehler diesmal gr√∂sser.

Nicht unproblematisch ist, dass es schwierig ist, im Voraus die guten von den schlechten zu unterscheiden. So geh√∂rten Zogby und TIPP bisher er zu den Befragungsagenturen mit pr√§zisen Wahlvorhersagen, erf√ľllt diesmal das Kriterium aber nicht. Anderseits war Battleground-Lake vor vier Jahren nicht pr√§zise, und Rasmussen beteiligte sich bei den √∂ffentlichen Wahlumfragen gar nicht. Regelm√§ssig in der Spitzengruppeist PEW Research.

Kein sog. Bradley-Effekt in den Wahlumfragen

Nicht bewahrheitet hat sich der in den Medien breit diskutierte Bradley-Effekt, wonach Obama wegen seiner Hautfarbe effektiv weniger Stimmen machen werde als in Umfragen angegeben. Zutreffend war vielmehr die Einsch√§tzung von Dan Hopkins, der alle amerikanischen Umfragen diesbez√ľglich untersucht hatte und f√ľr den Zeitraum nach 1996 ein Verschwinden des Bradley-Effektes nachwies.

Claude Longchamp

Frauen wählten Obama und gaben den Ausschlag

Die ersten Ergebnisse der exitpolls zu den amerikanischen Präsidentschaftswahlen lassen einen Schluss zu: Die Frauen wählten gestern mehrheitlich Barack Obama, und sie gaben bei dieser Wahl den Ausschlag.

Barack Obama und seine Frau Michelle, der neue Präsident und die neue First Lady, bei ihre Stimmabgabe.

Barack Obama und seine Frau Michelle, der neue Präsident und die neue First Lady, bei ihre Stimmabgabe.

Zwar liegen die definitiven Endergebnisse der Pr√§sidentschaftswahl einen halben Tage nach Wahl noch nicht vor. Doch rechnet man mit eine Stimmenverh√§ltnis von 52 oder 53 Prozent f√ľr Obama und 46 oder 47 Prozent f√ľr McCain. Wie sich diese zusammensetzen, l√§sst sich aus den exit polls ableiten. Gut 17000 Interviews, die bei einer repr√§sentativen Auswahl W√§hlender gemacht wurden, geben hierzu Auskunft.

56 Prozent der wählenden US-Frauen gaben demnach ihre Stimme dem demokratischen Duo Obama/Biden. Bloss 43 Prozent von ihnen wählten McCain/Palin. Bei den Männern wäre die Mehrheit unklar geblieben: Die Wahllokal-Befragung ergibt hierein Verhältnis von 49 zu 48 zugunsten der Demokraten.

Da sich auch etwas mehr Frauen als M√§nner an der Wahl beteiligten, gaben sie nicht nur den Ausschlag bei Sieg und Niederlage. Dank ihnen k√∂nnen sich die Demokraten nicht nur in den beiden Parlamentskammern, sondern auch im Pr√§sidentenamt auf eine Mehrheit st√ľtzen.

Ueberw√§ltigend ist die Mehrheit f√ľr Obama bei der schwarzen Bev√∂lkerung. Eine Mehrheit aller nicht-weissen Gruppen unter den W√§hlenden votierte f√ľr ihn. Die Geschlechterunterschiede treten dabei in den Hintergrund. Wenn schliesslich mehr Frauen als M√§nner f√ľr die Demokraten stimmten, ist das ein Effekt, der trotz allem bei der weissen Bev√∂lkerung entstand. H√§tten nur die weissen M√§nner w√§hlen d√ľrfen, h√§tte McCain mit 57 zu 41 die Pr√§sidentschaft gewonnen.

Weiters zeigen die exitpoll Befragungen der grossen Fernsehanstalten und AP, dass das Alter einen Einfluss auf die Stimmabgabe hatte. Vor allem bei den Unter-30j√§hrigen siegte Obama mit zwei Drittel der Stimmen. Beschr√§nkt signifikant sie die Zusammenh√§nge mit der Schichte. Zwar votierten tiefere Bildungs- und Einkommensklassen f√ľr die Demokraten als f√ľr die Republikaner; bei den oberen Schichten gibt es aber keinen einheitlichen Trend.

Der Sieg der Demokraten entstand im Verlaufe der Kampagne, weil es ihnen gelang, die unabh√§ngigen W√§hlerschichten mehrheitlich f√ľr sich zu gewinnen. Die beiden Parteilager waren dagegen weitgehend geschlossen. Die letzte Woche ging √ľbrigens an die Republikaner, die so ihren R√ľckstand in allen Umfrageserien noch leicht verringern konnten.

Claude Longchamp