Die Prognose zu den Berner Grossratswahlen

Hans Hirter, Politologe an der UniversitĂ€t Bern, wagt eine Prognose zu den Berner Grossratswahlen. Die FDP sieht er als grosse Verliererin. RĂŒcklĂ€ufige Tendenzen gegenĂŒber 2006 ortet er auch bei der SVP und der SP. Die BDP und die GrĂŒnliberalen betrachtet er als GewinnerInnen.

hanshirter

Hans Hirter ist ein erfahrener Polit-Fuchs. Seit einem Vierteljahrhundert analysiert und kommentiert er die nationale Politik. Seit 1986 ist auch bei den Berner Grossratswahlen dabei, wenn es gilt, im Voraus oder im Nachhinein die Parteien zu beurteilen.

Von der heutigen “Berner Zeitung” auf die kommenden Grossratswahlen im Kanton Bern angesprochen, sieht der Politologe vor allem fĂŒr die FDP schwarz. 10 bis 12 Prozent sei sie nach den Wahlen vom 28. MĂ€rz 2010 noch wert – ganz im Gegensatz zu den bisherigen 16 Prozent. Die BDP kommt nach seinen SchĂ€tzung sicher auf 7 Prozent, eventuell gar auf 11. Die GrĂŒnliberalen hĂ€lt er kantonal fĂŒr 3 bis 4 Prozent gut.

Paradox dĂŒrfte das Resultate der SVP ausfallen, folgt man Hirters Ueberlegungen. GegenĂŒber dem aktuellen Stand wird sie aller Wahrscheinlichkeit nach Sitze hinzugewinnen. Doch gegenĂŒber 2006 rechnet er mit einem WĂ€hlerInnen-Verlust von 3 bis 4 Prozent. Der vermeintliche Widerspruch rĂŒhrt daher, dass sich die BDP erst nach den letzten Grossratswahlen von der SVP getrennt hat und der SVP 17 Mandate, aber keine WĂ€hlenden gekostet hat. Kommt die BDP auf 7 Prozent, verliert sie wohl Sitze, wĂ€hrend sie bei 11 Prozent Anteil ihre Mandatszahl wohl halten könnte.

Bei der SP rechnet Hirter mit 2 bsi 3 Prozent RĂŒckgang im WĂ€hlerInnen-Anteil. Bis zu 1 Prozent könnte der bei der EVP betragen, wĂ€hrend sich die GrĂŒnen gemĂ€ss Politologen-Urteil halten dĂŒrfte. Keine Aussage macht der Augur ĂŒber die EDU und die CVP.

Die offensichtliche Dynamik geht nach Hirter von den beiden zentrumsnahen Parteien BDP udn GLP aus. Sie werden das gemĂ€ssigt bĂŒrgerliche Lager neu aufmischen und WechselwĂ€hlerInnen anziehen. Das wird der FDP am meisten zu schaffen, machen aber auch der SVP, der SP und vielleicht gar der EVP, sagt der Analytiker. Insgesamt geht er aber nicht von einer grundlegenden Verschiebung der KrĂ€fteverhĂ€ltnisse aus. Mitte-Rechts wird seiner Ansicht nach im neuen Grossen Rat wieder die Mehrheit haben, bei Allianzen der Kleinparteien mit RotGrĂŒn kann aber auch dieses thematisch oben aus schwingen.

Johannes Matyassy, PrĂ€sident der Berner FDP, unterstellt, Hirter ĂŒbertrage da ganz einfach nationalen Trends auf den Kanton. Hirter indessen widerspricht. Er hat die kommunalen WahlgĂ€nge der jĂŒngsten Zeit im Kanton Bern analysiert und so seine Prognose erstellt.

PS:
Die Vorhersage stimmte ĂŒberwiegend, aber nicht ganz. So verloren auch die GrĂŒnen WĂ€hlerInnen, die BDP legte viel mehr zu, und der Anteil der SP verringerte sich stĂ€rker. GrundsĂ€tzlich richtig eingeschĂ€tzt wurden die GLP, die FDP und die SVP. Damit gilt, dass die Verluste von RotgrĂŒn, unter anderen an die BDP in der frĂŒhen Prognose noch unterschĂ€tzt wurden.