Nun beginnt das Rechnen!

Die Fraktionen in der Schweizerischen Bundesversammlungen haben sich festgelegt, wie sie bei der Bundesrtatswahl von morgen stimmen wollen. Wenigstens anfÀnglich, denn danach bleiben gewisse der Szenarien aktuell. Massgeblich ist der dritte Umgang.

bundesratswahl_grafik_2009_text_1_3563296_1253002658
Die Ausgangslage in den Fraktionen
59 Mitglieder der SVP-Fraktion wollen fĂŒr den FDP-Kandidaten Christian LĂŒscher stimmen. 2 sind fĂŒr Didier Burkhalter. Von 4 VertreterInnen weiss man nichts.

Bei der CVP ist die Sache klar. Fraktionschef Urs Schwaller wurde einstimmig nominiert. Gibt es keine AbtrĂŒnnigen unter GLP und EVP, hat er 52 Stimmen auf sicher.

Bei der SP-Fraktion sind 25 Mitglieder fĂŒr den CVP-Kandidaten Urs Schwaller, und 15 fĂŒr den FDPler Didier Burkhalter. Von 10 Personen weiss man nichts, und 1 Sitz ist vakant. Generell hat man sich ausgesprochen, offizielle Kandidaten zu unterstĂŒtzen.

Nicht eindeutig ist das Verhalten der FDP-Fraktion. Didier Burkhalter ist der Favorit der Fraktion. Christian LĂŒscher ist der Aussenseiter. Doch beide sind sie KandidatInnen. Damit können die FDP-Mitglieder von Beginn weg ihre individuellen PrĂ€ferenzen ausdrĂŒcken oder auch taktisch stimmen. Und genau darauf kommt es an!

Die GrĂŒnen haben die StimmenverhĂ€ltnisse in der Fraktion nicht bekannt gegeben. Eine Mehrheit will aber den CVP-Vertreter Urs Schwaller unterstĂŒtzen. Minderheiten sind fĂŒr Didier Burkhalter resp. fĂŒr Dicky Marty. Damit hat Schwaller wohl ein gutes Dutzend grĂŒne Stimmen auf sicher, Burkhalter und Marty wohl ungefĂ€hr 5.

Die BDP gab ebenfalls nicht bekannt, wie sich die Stimmen verteilen. Doch ist eine Mehrheit fĂŒr Burkhalter, eine Minderheit fĂŒ Schwaller. Das tönt nach 4:2.

Die Rechnungen
Damit kann man mit rechnen beginnen. Im ersten Wahlgang dĂŒrfte Urs Schwaller vorne liegen. Er kann auf 90 bis 100 Stimmen zĂ€hlen. Wer an zweiter Stelle ist, hĂ€ngt allein vom Entscheid der FDP-ParlamentarierInnen ab. Setzen alle auf Burkhalter kommt er auf rund 75 Stimmen, und LĂŒscher macht rund 60. Teilen sich die Stimmen auf, kann LĂŒscher mit rund 80 Stimmen rechnen, Burkhalter mit 55. Marty dĂŒrfte deutlich dahinter liegen. 5, maximal 15 Stimmen sind denkbar. In den ersten beiden Runden ist gut möglich, dass LĂŒscher vor Burkhalter liegt, um die Karten nicht ganz aufzudecken.

Unter dieser Voraussetzung ist ein Vorschlag von Jean-François Rime aus den Reihen der SVP wenig wahrscheinlich. Denn damit ist nur zu rechnen, sollte es aus dem rotgrĂŒnen Lager viele Stimmen fĂŒr Marty geben, sodass die FDP gezwungen werden könnte, umzuschwenken.

Der dritte Wahlgang ist entscheidend. Es können keine neuen Namen ins Spiel gebracht werden, und es beginnt ein Ausscheidugnsrennen nach hinten. Das ist der grosse Moment fĂŒr die FDP: Wenn sie geschlossen auf Burkhalter setzt, ist er der Favorit fĂŒr den Schlussgang, wenn nicht, steht LĂŒscher im Finale. Die FDP hat es also in der Hand, mit einer Stallorder den Blinker zu stellen.

Die einzige Möglichkeit, das zu unterlaufen: Einige Schwaller-WĂ€hlende leihen in diesem Moment LĂŒscher vorĂŒbergehend die Stimme, damit er vor Burkhalter liegt. Dann wenden sie sich aber von LĂŒscher weider ab.


Die verbleibenden Szenarien

LĂŒscher dĂŒrfte keine Stimme aus den Reihen von CVP, SP und GrĂŒnen erhalten. Steht er Schwaller gegenĂŒber, dĂŒrfte der gewĂ€hlt sein, denn brĂ€uchte erhebliche Stimmenhaltungen bei GrĂŒnen und SP, dass LĂŒscher mit seinen Stimmen vorne liegen wĂŒrde.

Ist dagegen Burkhalter im Schlussgang, kostet das Schwaller möglicherweise 20 Stimmen. Genau die, die es ausmachen, wer Bundesrat wird. Ausser etwa soviele in Reihen wissen nicht, wie man Burkhalter schreibt und legen leer ein …

Claude Longchamp