FreundIn des Zentrums fĂŒr Demokratie in Aarau werden

Am Samstag ist es soweit: Das neue Zentrum fĂŒr Demokratie in Aarau, kurz ZDA, wird offiziell eröffnet. Heute war schon mal die GrĂŒndungsversammlung der FreundInnen des ZDA. Ein Kurzbericht aus der neuesten Innovation in der Schweizer Forschungslandschaft.

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Impression von der GrĂŒndungsfeier “Freunde des ZDA”, in der Mitte die beiden Initianten im Aarauer Einwohnerrat Stephan MĂŒller, links, Mark Eberhart, rechts.

Die Stadt Aarau, der Kanton Aargau, die Fachhochschule Nordwestschweiz und die UniversitĂ€t ZĂŒrich tragen das ZDA gemeinsam, das rechtswissenschaftliche, politikwissenschaftliche und pĂ€dagogische Kompetenzen zur Erforschung von Demokratie vereinigt. Andreas Auer, Staatsrechtsprofessor an der UniversitĂ€t ZĂŒrich und erster Direktor in Aarau, umriss in einer brilliant vorgetragenen Rede die Absichten, die mit dem ZDA verbunden sind:

Zentrum stehe fĂŒr Forschungszentrum. Man sei der Wissenschaft verpflichtet. Geleistet werde Grundlagenforschung, die in Politik und Gesellschaft transferiert werden solle. Man fĂŒhle sich nicht verpflichtet, missionarisch fĂŒr Demokratie zu werben, ajedoch ihre Funktionsweise zu analysieren und an ihrer Verbesserung zu arbeiten.

Demokratie, sagte der Jurist, sei zunĂ€chst eine Staats- und Regierungsweise, die auf Wahlen, je nachdem auch auf Abstimmungen basiere. Diese wiederum brauchten Institutionen, die verfassungsmĂ€ssig garantiert sein mĂŒssten. Funktionieren kaönne das Ganze nur in einer lebendigen Zivilgesellschaft, die sich aufgrund ihres kulturellen SelbstverstĂ€ndnisses ihrer Möglichkeiten und Grenzen bewusst sei.

Das Alles fĂŒhrte Andreas Auer im Aargauer GrossratsgebĂ€ude aus. Und das war symbolisch gemeint, ist doch der klassizistische Bau aus dem Jahre 1823 das erster ParlamentsgebĂ€ude in der Schweiz, das nach dem Vorbild der Französischen Revolution mit einem Halbrund und aufsteigenden Sitzreihen angelegt worden war. Besetzt war es heute jedoch nicht durch RevolutionĂ€re, sondern durch 120 Menschen mit verschiedensten HintergrĂŒnden, aus denen mit dem GrĂŒndungsakt FreundInnen des ZDA wurden.

Die FreundInnen wollen sich fĂŒr das Gelingen der neugegrĂŒndeten Demokratiezelle einsetzen, und sie sind ĂŒberzeugt: Es können auch noch mehr Mitglieder sein, die dem Projekt zum Durchbruch verhelfen wollen.

Unter den GrĂŒndungsmitgliedern waren schon auch die beiden Aarauer EinwohnerrĂ€te Stephan MĂŒller und Mark Eberhart, welche die Idee im Aarauer Stadtparlament lanciert hatten. Politisch links resp. rechts stehend, stimmen sie in Sachfragen selten ĂŒberein; wenn es indessen um die Förderung von Demorkatie geht, ziehen beide am gleichen Strick. Ihre politische Seilschaft konnten sie inr Folge durch den Aarauer Stadtrat, insbesondere den Aarauer Stadtammann Marcel Guignard, und den Aargauer Regierungsrat erweitern, sodass man heute in der Kantonshauptstadt ĂŒber ein respektables Uni-Institut verfĂŒgt, dessen Finanzierung fĂŒr 10 Jahre gesichert ist.

Gearbeitet wird ĂŒbrigens in der Villa Blumenstein am Rande der Stadt, wo einst Johnann Heinrich Zschokke, der Einwanderer aus Deutschland und BegrĂŒnder des liberalen Aargaus, wohnte. 38 ForscherInnen und Angestellte des ZDA werden uns aus diesen GebĂ€ulichkeiten heraus hoffentlich schon bald mit neuen, interessanten und verwendbaren Erkenntnissen zur besten aller schlechten Staatsformen ĂŒberraschen.

Claude Longchamp