Wie gut treffen die Tamedia-Umfragen bei Behördenvorlagen das Endergebnis?

Sechs Volksabstimmungen zu Behördenvorlagen haben „LeeWas“ mit Vorbefragungen in dieser Legislaturperiode fĂŒr die Tamedia-Publikationen mittels Umfragen begleitet. Drei weitere Folgen am 13. Juni 2021. Was lĂ€sst sich zur PlausibilitĂ€t der gemachten Aussagen festhalten?

Erhoben werden die Daten fĂŒr die „Tamedia“-Umfragen in drei Wellen. Rund 50, rund 30 und gut 10 Tage vor dem Abstimmungstag ist die Kadenz. Die Erhebung erfolgt mittels online Mitmach-Umfragen, die nachtrĂ€glich durch die Spezialist:innen gewichtet werden. Versucht wird so, nicht beobachtete sondern modellierte VerhĂ€ltnisse aufzuzeigen.



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Die PrognosefÀhigkeit
Die minimale Anforderung an die PrognosefĂ€higkeit von Befragungsreihe wird erfĂŒllt. Denn die mittlere Abweichung zum Endresultat wird von Welle zu Welle kleiner. Am Anfang betrĂ€gt sie im Ja-Lager rund 9 Prozent. Die Abweichung sinkt auf 8 in der zweiten Welle und auf 6.5 Prozent in der dritten Welle.
Der finale Wert fĂŒr die Differenz wĂ€re gar halb so gross und ausgesprochen genau, gĂ€be es nicht zwei deutliche Ausreisser.
Der erste betrifft die Volksabstimmung zu den KinderabzĂŒgen. Da gab die letzte Umfrage eine Zustimmungsmehrheit von 51 Prozent; das Endergebnis betrug aber 63 Prozent Ablehnung. Richtig erfasst wurde der leicht sinkende Trend, nicht aber das Ausmass des Meinungswandels.
Die zweite Abweichung war bei der Kampfjetbeschaffung. Der Endwert der Befragungsreihe lautete 65 Prozent Ja; das Ergebnis der Volksabstimmung lag bei 50.1 Prozent Zustimmung. Das sind satte 15 Prozentpunkte Differenz. Hier muss man von einer eigentlichen FehleinschĂ€tzung sprechen, denn der Trend in den Befragungen war konstant ansteigend. FĂŒr eine Wende in den beiden letzten Wochen gab es keine ErklĂ€rung.
Zu den Vorteilen der „LeeWas“-Umfrage gehört, dass sie, unabhĂ€ngig von modellierten Umfragewerten, Prognosen zu den Endergebnissen veröffentlichen. Diese helfen in der Regel bei der Interpretation. Allerdings war die Vorhersage bei der Kampfjet-Abstimmung weit vom Ergebnis entfernt. Denn auch er nannte 65 Prozent als sichersten Wert.

Zwei Muster der Meinungsbildung
Dreimal entsprach das Muster der Meinungsbildung in den LeeWas-Erhebungen dem des Meinungsaufbaus. Da legt die Ja-Seite mit der Dauer des Abstimmungskampfes zulasten der UnschlĂŒssigen (allenfalls auch der Gegnerschaft) zu. ÜberprĂŒfen kann man das an der kontinuierlich steigenden Zustimmung die sich nach der letzten Befragung noch erhöht.
Korrekterweise wurde das beim Freihandelsabkommen mit Indonesien so angezeigt. Etwas ĂŒberraschender war das bei Tamedia auch beim Jagdgesetz so, denn die Nein-Seite nahm im Verlaufe des Abstimmungskampfes mĂ€chtig Fahrt auf.Zweifelhaft war die Annahme bei der Kampfjetbeschaffung. Der Sprung von 15 Prozentpunkten gegen den Trends nach der letzten Erhebung ist und bleibt ein RĂ€tsel.
Die Trendauswertung zeigt zudem, dass bei drei Behördenvorlagen auch Gegenteiliges vorkam. Denn beim Vaterschaftsurlaub, den KinderabzĂŒgen und den elektronischen Identifikationsdiensten verringerte sich der Zustimmungswert von Mal zu Mal. Unplausibel war das nicht, auch wenn es nicht erklĂ€rt wurde.
Aus den SRG-Umfragen weiss man, dass das Regierungsvertrauen eine entscheidende Rolle spielt. Je tiefer es ist, um so weniger gelingt die Behördenkommunikation bei Behördenvorlagen.

Kleiner Ausblick: Was geschieht beim CO2-Gesetz?
Eine solche Bilanz erschwert es, die neuen Umfrageergebnisse zu den drei Gesetzesvorlagen bereits jetzt zu bewerten. Vorerst gilt: Sie sind so hoch, dass selbst unter BerĂŒcksichtigung der negativsten Entwicklung fĂŒr die Ja-Seite erscheint eine finale Zustimmung möglich. Wackelkandidat ist bei «LeeWas» allerdings die Entscheidung zum CO2-Gesetz.
Zwei Szenarien sind denkbar:
. Erstens, der leicht negative Trend in den mehrheitlich positiven Stimmabsichten hÀlt an und die Vorlage kippt im Abstimmungskampf.
. Zweitens, es kommt Mitte im Abstimmungskampf zu einer Verlagerung der Debatte von der Kosten- auf die Umweltfrage, und die Vorlage geht knapp durch.
Erinnert sei zudem, dass die SRG-Umfrage 6 Prozentpunkte mehr Ja bei diesem Gesetz sieht.