SekundĂ€rzitierungen von Umfragen sind so eine Sache …

Wer kennt das nicht: 10, 50 oder 100 Menschen stehen in einer Reihe. Der Erste sagt dem Zweiten etwas, sodass es die anderen nicht hören. Dann ist der Zweite gegenĂŒber dem Dritten dran und so fort. Der Letzte berichtet dann dem Ersten, was er ĂŒber ihn gehört habe. Zum Staunen aller verĂ€ndert sich die Botschaft durch ihre Weitergabe bis ins Unkenntliche.

kommunikation3
Kommunikationsprobleme sind auch in der Vermittlung von Studienergebnissen hÀufig, wenn man mehr aus den Resultaten machen will, als möglich ist.

„24 Heures“ publizierte letzte Woche eine Umfrage von MIS zum VerhĂ€ltnis von SchweizerInnen zu Muslimen. Auf einen Nenner gebracht, lautete das Ergebnis: Ein Muslim kann ein guter Schweizer sein. Dem Islam als Ganzes stehen die BewohnerInnen des Landes aber distanziert gegenĂŒber.

„32 – 38 – 24“, so lauten die Zahlen fĂŒr ein positives, neutrales oder negatives VerhĂ€ltnis zu Angehörigen des Islams gemĂ€ss MIS Befragung. Entsprechend sind die BewohnerInnen der Schweiz in vielen Frage, die den Islam betreffen, gespalten. In der Minarett-Frage sind 46 Prozent dagegen.

FachmĂ€nnisch gesprochen sind das alles Einstellungselemente: Bewertungen von Sachfragen, welche den aktuellen Informationsstand und die momentane GefĂŒhlslage reflektieren. Da Entscheidungen auch Informationen und Stimmungen einer Kampagne reflektieren, können PrĂ€dispositionen und Entscheidungen identisch sein, mĂŒssen aber nicht.

Journalistisch ist das der Knackpunkt. Nicht selten wird alles mit allem gleichgesetzt! Denn besteht ein Zwang in den Medien, aus allen Umfragen vor Abstimmungen eine Prognose zu machen. Egal, ob auf gesicherter oder ungesicherter Basis.

Das konnte man Ende letzter Woche wieder einmal schön feststellen. Die Meinung zu Minaretten, wie sie „24 Heures“ richtig wiedergab, wurde in „20 Minuten“ zur unvermittelten Stimmabsicht ĂŒber die anstehende Initiative. Eine Minderheit sei fĂŒr Minarette, eine relative Mehrheit fĂŒr die Initiative. „Rund zwei Wochen vor der Abstimmung seien noch 15 Prozent unentschieden“, lautete die Zusammenfassung der Studie.

In der österreichischen „Kleinen Zeitung“ kams dann noch dreister: „Die Anti-Minarett-Initiative in der Schweiz hat gute Erfolgsaussichten“, wird der Artikel eingeleitet; ĂŒbertitelt ist er mit: „Mehrheit fĂŒr Anti-Minarett-Initiative“!

Quod erat demonstrandum: Mit jeder Weitergabe Ă€ndert sich die ursprĂŒngliche Botschaft!

Claude Longchamp