Politbarometer gleicht sich Wahlbarometer an

Mit dem heutigen Politbarometer der Sonntagszeitung werden die StĂ€rken der Parteien demoskopisch neu bestimmt. AuffĂ€lligstes Ergebnis: Die Resultate sind fast identisch mit denen im herbstlichen Wahlbarometer der SRG. Neue Parteien haben Chancen zu gewinnen, wĂ€hrend SVP und GrĂŒne wenigstens gegenwĂ€rtig nicht mehr so mobilisiert sind wie 2007.

isop
Entwicklung der ParteienstÀrke gemÀss Umfragen der SOZ 2007-2010

Das letzte Wahlbarometer von SRG/gfs.bern fand unmittelbar nach den Bundesratswahlen statt; das Politbarometer berĂŒcksichtigt zudem die Auswirkungen der Volksabstimmungen vom 28. November 2010. Darin liegen – politisch gesprochen – Welten. Denn im ersten Moment waren FDP und SP in Fahrt; jetzt ist es die SVP.

Dennoch sind die Unterschiede in den ParteistĂ€rken der beiden Befragungen gering – besser gesagt gering geworden. Bei der SP betrĂ€gt die Differenz zwischen beiden Messungen 1 Prozentpunkt, bei der BDP 0.9 ZĂ€hler. Je 0.6 Prozentpunkte sind es bei den GrĂŒnen und den GrĂŒnliberalen. Halb so viel resultiert bei der CVP, und bei FDP und SVP weichen die Resultate gerade um 0,1 Einheiten ab.

Die Uebereinstimmung war in den letzten 2 Jahren nicht immer so. Noch im September 2009 sah die Sonntagszeitung SVP und SP fast gleich auf. Der SVP wurden massive Verluste nachgesagt, der SP einige Gewinne. Nun hat sich das im neuesten Politbarometer ins Gegenteil verkehrt.

Das hat vor allem mit dem Score der SVP bei Isopublic zu tun, die von einer Umfrage zur anderen 3,3 Prozentpunkte zulegte. Aber auch die SP wird neu eingeschÀtzt, hat sie doch 1,9 Prozentpunkte weniger als noch vor drei Monaten.

Die Analyse fĂŒr diese SprĂŒnge bleibt allerdings weitgehend aus. Bei der SVP wird man den Abstimmungssieg in Sachen Ausschaffung vorbringen können. Bei der SP kann man an das Parteiprogramm erinnern. Fakten, ob das stimmt, gibt es leider nicht. Denn die Parteienprofile in Gesellschaftsgruppen werden nicht analysiert. Anders als das Wahlbarometer verzichtet das Politbarometer auch auf eine WĂ€hlerstromanalyse, genauso wie man in der Sonntagszeitung nichts ĂŒber die Höhe der Teilnahmeabsichten am unterstellten Wahlgang erfĂ€hrt.

Damit bleibt die Frage offen, ob man hier von Trends ĂŒber Messinstrumente hinweg sprechen kann.

Formulieren wir es deshalb positiv: Die schweizerischen Wahlumfragen sehen (knapp ein Jahr vor den Wahlen) BDP und GLP als aussichtsreiche Wahlsiegerinnen. SP, FDP und CVP sind weitgehend stabil, wĂ€hrend GrĂŒne und SVP nicht mehr von der Mobilisierung wie 2007 profitieren können.

Was nicht ist, kann noch werden. Denn die einzig brauchbare Prognose ist die, die nicht eintrifft, weil man noch rechtzeitig gehandelt hat!

Claude Longchamp