40 Jahre Frauenstimmrecht: Wann die Frauen den Ausschlag gaben

Die EinfĂŒhrung des Frauenstimmrechtes vor vierzig Jahren hat zwar die politische Landschaft in der Schweiz nicht umgepflĂŒgt. So stimmen die Frauen bei eidgenössischen Vorlagen meist gleich wie die MĂ€nner. Gewichtige Ausnahmen gibt es jedoch, wie eine aktuelle Zusammenstellung fĂŒr die sda zeigt.

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Frauenmehrheit im Bundesrat: die wohl grösste VerĂ€nderung in der Schweizer Politik seit der EinfĂŒhrung des Frauenstimm- und -wahlrechts.Und was Ă€nderte sich im Stimmverhalten der SchweizerInnen? (Bild: Annabelle)

Die Stimmen der Frauen gaben im Jahr 1985 den Ausschlag zur Annahme des neuen Ehe- und Erbrechts. Mit der Vorlage hielt die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau auch in der Ehe Einzug. Nur dank der Frauenstimmen wurde weiter die Antirassismus-Strafnorm (1995) angenommen.

Generell sprechen sich Frauen stÀrker gegen Diskriminierung aus. Um zu diesem Schluss zu kommen, wurden alle 266 eidgenössischen Volksabstimmungen zwischen 1977 und 2010 hinsichtlich des geschlechtsspezifischen Stimmverhaltens untersucht.

Dabei zeigt sich, dass seit der EinfĂŒhrung des Frauenstimmrechts im Jahr 1971 bei mindestens zehn eidgenössische Vorlagen die Stimmen der Frauen den Unterschied machten. Umgekehrt gaben bei mindestens elf Vorlagen die MĂ€nner den Ausschlag.

Zum Durchbruch verhalfen die Frauen auch der Alpeninitiative (1993) und dem Moratorium fĂŒr den Bau von Atomkraftwerken (1990). Die MĂ€nner lehnten diese Vorlagen ab. Zu Fall brachten die Frauen das neue ElektrizitĂ€tsmarktgesetz (2003). Dieses hĂ€tte in einem Schritt eine komplette Liberalisierung des Strommarktes gebracht.

Abgelehnt wurden wegen einer starken Frauenmehrheit in der Vergangenheit eine Revision der Arbeitslosenversicherung (1997) und eine Lockerung der Lex Friedrich (1995) und der erste Anlauf, das Stimm- und Wahlrechtsalter auf 18 Jahre zu senken (1979).

Neben der SensibilitĂ€t fĂŒr Benachteiligte setzen sich Frauen eher fĂŒr den Service public ein, gewichten sie wirtschaftspolitische Argumente weniger stark, und schĂŒtzen sie die Umwelt mehr. In Fragen zu Abtreibung und Mutterschaft aber zeigten sich vor allem Ă€ltere Frauen konservativ.

So legten die Frauen bei der ersten Abstimmung ĂŒber einen straffreien Schwangerschaftsabbruch im Jahr 1978 mehrheitlich ein Nein in die Urne – das Ja der MĂ€nner konnte die Vorlage nicht retten. Bei der zweiten Abstimmung (2002) sagten dann zwar auch die Frauen Ja (69%), allerdings weniger deutlich als die MĂ€nner (76%). Auch bei der Abstimmung ĂŒber einen bezahlten Mutterschaftsurlaub (2004) zeigten sich die Frauen konservativer als die MĂ€nner.

Mit der EinfĂŒhrung des Frauenstimm- und wahlrechts wurden zudem neue Themen in die öffentliche Debatte aufgenommen wurden. Mit Blick auf die Volksbegehren nennt er die Verwahrungsinitiative (2004) und die UnverjĂ€hrbarkeitsinitiative (2008). Beide Initiativen wurden angenommen – letztere aber gegen den Willen der MĂ€nner.

Claude Longchamp