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Supinos Konter gegen Imhof

Pietro Supino, Verleger der Tamedia AG, kontert die Kritiken an der QualitÀt der Medien, wie sie beispielsweise Kurt Imhof diesen Sommer prominent vorgetragen hat.

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Pietro Supino, Verleger der Tamedia AG, antwortet Kurt Imhof, Mediensoziologe an der Uni ZĂŒrich, in einer bisweilen persönlich gehaltenen Entgegnung.

„Medien spielen in unserer Gesellschaft eine wichtige Rolle. Es ist deshalb begrĂŒssenswert, wenn ĂŒber Fragen der QualitĂ€t debattiert wird. Die Vorstellungen darĂŒber, was QualitĂ€t ausmacht, gehen allerdings weit auseinander“, schreibt Pietro Supino im Magazin seiner Zeitungen in ZĂŒrich und Bern. Wahrhaftigkeit, UnabhĂ€ngigkeit, EigenstĂ€ndigkeit und Fairness zĂ€hlen fĂŒr ihn generell dazu. DarĂŒber hinaus liessen sich die verschiedenen Mediengattungen zurecht von anderen QualitĂ€tskriterien leiten. Diese erarbeiteten sie gemeinsam intern mit ihren Redaktionen, und institutionalisierten externen Vertretern der QualitĂ€tssicherung.

Analysen, wie die von Kurt Imhof und seinen MitarbeiterInnen am fög, die diesen Sommer in Buchform erschienen sind, hĂ€lt Supino fĂŒr unnötig. Da wurden namentlich die online-Medien und die Pendlerzeitungen kritisiert. Der Tamedia-Verleger hĂ€lt nun dagegen: sachlich ĂŒberzogen und wissenschaftlich fragwĂŒrdig ist sein Antwort. Grund: Die Mediennutzung, ihre Konstanten und ihre VerĂ€nderungen, seien nicht hinreichend erfasst worden, weshalb man die Neuerungen in der Medienwelt auch nicht richtig verstanden wĂŒrden.

Deshalb schlĂ€gt fĂŒr Supino auch der lautstarke Alarm ins Leere, Demokratie könne nur funktionieren, wenn in den Medien ein rationaler Diskurs ĂŒber die gemeinsam zu lösenden Probleme stattfinde. Hier kontert er unmissverstĂ€ndlich: Das sei Unsinn, und Ă€rgerlich dazu, heisst der Gegenschlag. „FĂŒr die Gesellschaft entscheidend ist etwas anderes – nĂ€mlich die Frage, ob das Angebot insgesamt genĂŒgt, damit die Medien ihre Forums-, Kontroll- und Integrationsfunktion erfĂŒllen können.“ Und genau das sieht Supino, mit Verweis auf politologische Studien (unter anderem auch von mir) nicht in Frage gestellt.

Selber plĂ€diert der Verleger fĂŒr mehr Gelassenheit gegenĂŒber neuen Medien, denen gebildete Oberschichten seit jeher zu skeptisch begegnet seien. Selbstkritisch merkt er an, dem AktualitĂ€tsdruck sollte man nicht immer gleich alles unterordnen. Bei der Auswahl von Themen und Köpfen könnte man mutiger werden. Personalisierung, Skandalisierung und Zuspitzungen Ă€rgerten auch ihn gelegentlich.

Die eigentliche Problematik ortet Supino jedoch weder bei der Gratiskultur der neuen Medien und den Folgen fĂŒr die etablierten Medien. Vielmehr klagt er die PR-Industrie an, die ihre Mittelgeber und wahren Interessen anonym halten, gleichzeitig aber rasch an Definitionsmacht gewinnen und in unverhĂ€ltnismĂ€ssiger Grösse gegen verkleinerte Redaktionen antreten wĂŒrde.

Immerhin, an dieser Stelle kommen sich Supino und Imhof etwas nĂ€her. Der Journalismus brauche wirtschaftlich starke MedienhĂ€user, heisst es im Magazin – um sich gleich auch wieder vom Widersacher abzusetzen: QualitĂ€t sichere man nicht mit mehr Stellen im Journalismus, sondern mit mehr intelligenten Kooperationen, wie sie beispielsweise die Tamedia anstrebe.

Die Auseinandersetzung, die man sich hĂŒben und drĂŒben wĂŒnscht, ist eröffnet: ĂŒber zutreffende Diagnosen, wahrscheinliche Ursachen und geeignete VorschlĂ€ge fĂŒr Verbesserungen – auch via BlogosphĂ€re, die das Magazin einen Ort der Debatte im klassischen Sinne der AufklĂ€rung nennt, auch wenn es nicht immer ganz gelinge. Beweisen sie hier und jetzt das Gegenteil.

Claude Longchamp

Polit-kultureller Wandel in der Mediengesellschaft

ResĂŒmee eines Tages unter Managern, FunktionĂ€rinnen und Kommunikatoren ĂŒber VerĂ€nderungen im Vetrauen der SchweizerInnen zu ihren politisch-medialen Institutionen.

Ich war gestern an der Retraite eines grossen Verbandes der Schweiz. Ein anderer Referent zitierte aus dem Sorgenbarometer, welches ich mit meinem Team jĂ€hrlich fĂŒr die Credit-Suisse erstelle, und bei dem es um kurzfristige Sorgen einerseits geht, um lĂ€ngerfristige Bindungen in Institutionen anderseits.

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Quelle: CS/gfs.bern, Sorgenbaromter 2009

Verschiedene Aspekte des Vertrauens in Institutionen aus der Erhebung von 2009 gaben zu Diskussionen Anlass: So werden Bezahlzeitung durch Gratiszeitungen ĂŒberholt. Printmedien rangieren einiges hinter elektronischen Medien. Oder der Nationalrat rangiert klar vor dem StĂ€nderat. „Ausgerechnet“, beklagten es die Einen; „typisch“ war dies fĂŒr die Anderen.

Was steckt dahinter? Die genannten VerĂ€nderungen begannen sich, eine um die andere, nach 2003 abzeichnen. Die meisten der genannten Entwicklungen sind konstant, das heisst die VerĂ€nderungen dauern mehr als ĂŒber einen Jahresvergleich an.

Die traditionelle politische Kultur der Schweiz, auf konkordante Politik ausgerichtet, an der Zusammenarbeit Aller aufgrund bekannter und berechenbarer Positionen orientiert, ist in vielerlei Hinsicht in Bewegung geraten. Was zunimmt, ist nicht nicht einfach eine Streitkultur, wie man in der Theorie hĂ€ufig annimmt. Wachsend ist die fallweise Repolitisierung der BĂŒrgerschaft ĂŒber Ereignisse, Emotionen schĂŒren und Auseinandersetzung provozieren. Sie allen machen Politik zum medialen Marktgeschehen, was Aufmerksamkeit generiert.

Man kann die Schnellebigkeit von AnkĂŒndigungen beklagen, die zu einer oberflĂ€chlichen Auseinandersetzung des raschen Positionsbezug mit grossen Folgenlosigkeit fĂŒhrt. Man kann auch den Zwang zur Polarisierung und Personalisierung, die damit verbunden sind, schlecht finden. Denn das alles hat zur Entsachlichung der Politik gefĂŒhrt, macht sie spektakulĂ€rer, gleichzeitig aber auch virtueller.

AuffĂ€llig ist dennoch, dass das genau bei jenen Institutionen das Vertrauen zunimmt, welche sich offensiv den neuen Entwicklungen stellen: den Gratiszeitungen im Medienbereich, dem Nationalrat unter den politischen Organen; demgegenĂŒber stagniert der StĂ€nderat in der Vertrauenszuschreibung, und die Bezahlmedien haben mĂŒhe.

Nochmals: nicht wegen ihrer Arbeit als solcher, aber wegen ihrer geringeren NĂ€he zur Masse.

Am Ende des gestrigen Tages spĂŒhrte ich zwei Tendenzen im Publikum:

. die einen sehen darin das Ende der Politik, wie sie bei den griechischen Philosophen begrĂŒndet wurde, in der AufklĂ€rung zugespitzt und in der westlichen Welt als Ausdruck der Vernunft installiert wurde;

. die anderen nimmt alles gelassener, schickt sich in die Trends und ist bestrebt, sich so zu arrangieren, dass sie daraus ihren Mehrwert fĂŒr sich und ihre Organisationen ziehen können.

Der Vulkan, die Politik und die gegenwÀrtigen Stimmungslagen

Der Eyjafjalla-Vulkan war dieser Tage in aller Leute Mund. Wahrscheinlich hat sein ĂŒberraschender Ausbruch mit den unerwarteten Folgen wie kaum ein anderes Ereignis der jĂŒngsten Zeit uns beeindruckt. Zurecht, ja gerade treffend fĂŒr die Eruptionen in der politischen Landschaft, sage ich da!

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Ausbruck des Eyjafjalla-Vulkans im April 2010

Fulvio Pelli, der PrĂ€sident der FDP, brachte es am Samstag auf den Punkt: Die innerparteilichen Spannungen um das Bankgeheimnis und Schwarzgelder seien „explodiert wie ein Vulkan“. Losgetreten wurde die Debatte durch FDP-Unternehmer. Sie fĂŒrchteten, die Partei könnte angesichts des Abzocker-Images untergehen. Die Partei mĂŒsse sich von Bankeninteressen emapnzipieren, und gleichwert an der Werkplatz Schweiz denken. Das rief umgehend die Vertreter der Banken und Versicherungen auf den Plan, die der verlangten Weissgeld-Strategie eine Abfuhr erteilen. wollten. Ganze Kantonalparteien empörten sich, und unter den Parteimitgliedern brodelte es mĂ€chtig, ja kam es bei den Berner Wahlen zu einer eigentichen Explosion. 10 Wochen dauerte die Auseinandersetzung an.

Zurecht verglich Fulvio Pelli die Lage der FDP mit der eine Vulkans. Denn tief unten in der Partei sind unverÀndert starke Ueberzeugungen aktiv. Angesichts der Verkrustung an der OberflÀchte kommen sie aber kaum mehr zum Tragen. Das erhöht den innern Druck seit lÀngerem. Dieser verschaffte sich Raum, als die Parteispitze in der Bankenpolitik eine Kehrtwende vollzog. Das legte allseits die Emotionen offen. Die Medien feuerten die verschiedene Protagnisten an, sodass alles ausser Kontrolle geriet. Der angerichtete Schaden zwang zur inneren Einkehr, wie es der ParteiprÀsident gestern formulierte.

Erstmals das GefĂŒhl einer vulkanartigen Stimmung hatte ich letzten Herbst bei den Genfer Wahlen 2009. Der grosse Ueberraschungssieger war damals das MCG, eine rechte Protestbewegung, die bei den Parlamentswahlen richtiggehend WĂ€hlerstimmen absahnte. Mit der GrenzgĂ€ngerproblematik nahm sie ein Thema auf, das im Lokalen seit lĂ€ngerem fĂŒr erhebliche Spannung sorgte, die von keiner Partei aufgenommen und einer Lösung zugefĂŒhrt wurden. So brauchte es nur einen Strassenwahlkampf des Aussenseiters wĂ€hrend einigen wenigen Wochen, und schon stand Genf Kopf. Die Volksseele kochte,und bei der Neubesetzung des Genfer Grossen Rates entlud sie sich eruptiv. Doch schon bei den nachfolgenden Regierungsratswahlen scheiterte der Spitzenkandidat des MCGs, und die bisherigen Regierungsparteien setzten sich wieder durch. Der Genfer Vulkan war schnell wieder erloschen.

Man könnte hier auch die Minarett-Initiative anfĂŒgen, um ein nationales Beispiel zu haben. Und sicherlich gibt es in vielen StĂ€dten Ă€hnliche Stimmungslagen, die zu vergleichbaren AusbrĂŒchen fĂŒhren. Ihnen allen ist gemeinsam, dass die AusbrĂŒch kaum vorhersehbar sind. Wenn sie erfolgen, beeindrucken sie uns gewaltig, um auch recht schnell wieder an Strahlkraft einzubĂŒssen.

Wer solche Eruptionen auslösen, wer sie steuern und wer sie zu seinem Instrumenten machen kann, der ist sich des politischen Erfolgs gegenwĂ€rtig sicher. Davor scheint fast niemand mehr sicher zu sein. Doch wen es trifft, den rĂŒttelt es grĂŒndlich durcheinander. In seinem Umfeld kommt es zu erheblichen SchĂ€den. Und so fragt sich natĂŒrlich, wer 2011 rechtzeitig vor den Wahlen nicht nur 1. August-Kracher loslassen wird, sondern ganze Vulkane zum bersten bringen kann. Das Ausland? Die Wirtschaft? Oder die SVP?

Mit Leidenschaft gegen den Zerfall der Medienkultur

Zu den Ingredenzien der Forschung zĂ€hlt Kurt Imhof, fĂŒhrender Mediensoziologe der Schweiz, gute ForscherInnen, viele DatensĂ€tze, Theorien, Methoden und … Leidenschaft.

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Kurt Imhof, wie er leidenschaftlich lebt und forscht

Auf seine Leidenschaft angesprochen, spricht der ZĂŒrcher Professor Kurt Imhof am liebsten ĂŒber sein Projekt, ein Medien-Observatorium fĂŒr die Schweiz einzurichten. Dieses soll untersuchen, wie Medien Politik und Wirtschaft beeinflussen. Dabei geht es ihm um den Auf- und Abbau von Zukunftsvertrauen, weil dieses Investitionen lenkt. Es treibt ihn an zu zeigen, wie durch Heroisierung und Skandalisierung die Reputation von Wirtschaftseliten entsteht un vergeht. Und er will bestimmen, wie sich die VerĂ€nderung der QualitĂ€t im ökonomisierten Mediensystem auswirkt.

Bisher wurden die Ergebnisse summarisch auf einer Online-Plattform veröffentlicht. Mitte 2010 soll das erste Jahrbuch „QualitĂ€t der Medien Schweiz“ erscheinen. Denn davon ist Imhof ĂŒberzeugt: Die Medien, die alles und jedes in Frage stellen, sind es sich nicht gewohnt, dasselbe mit sich zu machen.

Kontrollieren will Imhof die Medien nicht – zur Selbstreflexion verfĂŒhren indessen schon. Indem der Medienexperte Medienkritik als Medienevent vermarktet. Zum Pudding seien die Medienberichte geworden, erklĂ€rte Imhof jĂŒngst der NZZ, seit Information und Unterhalten vermischt wĂŒrden, um in der Gratiskultur bestehen zu können. Widerspruch dazu gabs nicht, denn die Pointe gefiel. Doch eigentlich meinte Imhof, dass sich UniversalitĂ€t, Ausgewogenheit, ObjektivitĂ€t und Relevanz der Medienberichterstattung ĂŒber die Zeit verschlechtert haben. Diese Botschaft wĂ€re so schwieriger zu vermitteln gewesen.

Sein Observatorium mĂŒsste eigentlich durch die Medienverlage finanziert werden, meint Imhof. Doch das funktioniere in der Praxis nicht. Schon EinwĂ€nde in der Theorie gibt es, wenn der Staat das machen wĂŒrde, denn der lebt von der demokratischen Willensbildung, die zivilgesellschaftlich begrĂŒndet sei. UnabhĂ€ngigkeit der Medienforschung am Observatorium will er deshalb durch Wissenschaft, Stiftungen und Donatoren sichern. Zwei Millionen Schweizer Franken sind so schon zusammengekommen.

Als man begonnen habe, das Jahrbuch zu entwerfen, habe er noch nichts davon gehabt – und sei doch gestartet, sagt Imhof mit gewohntem Schalk, „weil letztlich die Leidenschaft die Forschung treibt!“

5 Jahre Medienpapst – eine kritische Zwischenbilanz

5 Jahre ist Benedikt XVI. nun Papst. Und seit fĂŒnf Jahren nutzt er Medienauftritte ganz bewusst. Was den Medienpapst ausmacht, analysiert ein neues Buch, das noch vor der laufenden PĂ€dophilen-Debatte geschrieben wurde, ihre Charakteristik letztlich aber genau vorwegnimmt.

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Andreas Hepp und Veronika Krönert sind als MedienwissenschafterInnen an der Uni Bremen tĂ€tig. Im Rahmen eines grösseren Forschungsvorhabens haben sie die Kommunikation von Papst Benedikt XVI. (von Papst „Gutgesagt“ also) aus kritischer Distanz untersucht.

Ausgangspunkt ihrer umfangreichen Abhandlung ist der Weltjugendtag von 2005, gleichsam der Beginn des neuen Pontifikates, das sie religionssoziologisch und medientheoretisch hinterfragen. Ihre These ist: Die katholische Kirche tritt neu systematisch auf dem medial vermittelten Sinnmarkt auf, um das Potenzial zu nutzen, begibt sich dabei aber in AbhĂ€ngigkeiten. Die sehen die AutorInnen vor allem darin, dass sich der Papst als wichtigster Kommunikator der einmal gewollten Medieninszenierung kaum mehr entziehen kann – auch dann nicht, wenn er und seine Kirche es wĂŒnschten.

Dabei muss man nicht einmal an unrĂŒhliche Problemlagen der AktualitĂ€t denken. Denn hinter ihnen liegen Mechanismen verborgen, die sich auch bei anderen Protagonisten mit anderen Eigenschaften zeigen wĂŒrden. Hepp und Krönert sehen das in drei Konsequenzen der Mediatierung von Religion begrĂŒndet:

. in der sozialen Dimension der Individualisierung,
. in der rÀumlichen Dimension der Deterritorialisierung und
. in der zeitlichen Dimension zunehmender Unmittelbarkeit.

Was das heisst, erfĂ€hrt man in den Verallgemeinerungen zur Beschreibung des Weltjugendtages: Denn wo Medien zum Ort des persönlichen Aushandelns von Sinnangeboten werden, wĂ€chst der Zwang, sich stets mediengerecht zu prĂ€sentieren: heterogen, um Teilöffentlichkeiten und Zielgruppen zu gefallen; translokal, um Netzwerker fĂŒr sich zu gewinnen und markenorientiert, um sich von anderen Religionen abzugrenzen.

Unweigerlich kommen einem da die Probleme des gegenwÀrtigen Pontifikates in den Sinn: die umstrittene PolaritÀt von Papst Benedikt zum Islam und Judentum, die durch AnnÀherung und Provokation gekennzeichnet ist, die heiss diskutierte Integration der Pius-Bruderschaft, die aufgrund falscher Informationen erfolgte, und die NÀhe der Kirche zu historischen und politischen Gruppen, denen der Papst einmal nahe stand.

Die AutorInnen sind ĂŒberzeugt: Das alles muss zwangslĂ€ufig in einer Entzauberung des religiösen Zaubers enden. Denn der „Schwarzmarkt der Religion“, wie sie die Medienöffentlichkeit nennen, wird grösstenteils von nicht kirchlichen Akteuren konstituiert, durch ihre Prinzipien bestimmt und durch Zuschauerzahlen legitimiert, die man mit medialen Tricks wie der Eventualisierung erreicht. Religionen werden so zwar populĂ€r, aber auch entsakralisiert.

Oder einfacher gesagt: Die Euphorie der Kirchen zu den Chancen eines Medienpapstes ist rasch einer Desillusionierung der GlÀubigen gewichen, ohne dass Religion dadurch nachhaltig etwas gewonnen hÀtte.

„Rettet sie, die Alte Tante!“

Ich lese die NZZ tĂ€glich aufmerksam. Denn sie berichtet ĂŒber Vieles, das mir wichtig ist, zuverlĂ€ssig. Nur ĂŒber die NZZ, die mir auch wichtig ist, erfĂ€hrt man in der NZZ wenig. Jetzt hilft die „Zeit“ aus, die Danielle Muscionico, wĂ€hrend 18 Jahren bei der „Neuen ZĂŒrcher Zeitung“ angestellt, den Niedergang analysieren lĂ€sst. Hier ihre Thesen des Textes.

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2002 erwischte es das Unternehmen NZZ schwer. 50 Millionen Schweizer Franken Defizit fuhr man ein – und prĂ€sentierte der Redaktion drei Jahre spĂ€ter bei der 225 Jahr Feier des Weltblattes auf dem Bellevue Platz Suppe im Zelt. Nun hat das „Kulturgut der Willensnation Schweiz“ (Eigenzitat im GeschĂ€ftsbericht) einen CEO, was die Redaktion als Bruch mit der statutarisch fixierten Vorrangstellung der Publizistik ĂŒber die Oekonomie interpretiert.

Autorin Muscionico weiss, was der Grund ist: „Im Aktionariat tobt ein Kulturkampf. Denn aus den frĂŒheren altersmilden Idealisten und liberalen Philantropen sind hungrige Investoren geworden“, berichtet sie. Am kommenden Mittwoch treffen sie sich wieder zur ordentlichen Generalversammlung, sodass man sich die bange Frage stellt, was nun geschieht?

Symptom des Niedergangs der NZZ ist fĂŒr Muscionico die Dezimierung des Netzes an AuslandkorrespondentInnen. Und die Vorverlegung des Redaktionsschlusses, um in gĂŒnstigere Vertriebssysteme zu gelangen. Bilanz in eigener Sache: „24 Seiten dĂŒnn und ein Hybrid aus wenig Aktuellem, viel Aufgebackenem vom Vortag und Agenturmeldungen.“ Das hat der NZZ Auslandausgabe wichtige Reputationspunkte gekostet, sodass die Verbesserung der Verschlechterung zwischenzeitlich Chef(redaktoren)sache ist.

Mit Gerhard Schwarz, gerne das ordnungspolitische Gewissen der NZZ genannt, verlĂ€sst auf Ende Jahr einer der profiliertesten Redaktoren das Blatt Richtung „Avenir Suisse“. Er sagt: „Mir fehlen die Perspektiven fĂŒr einen beseelten Journalismus“, sodass Muscionico nachhakt: Wo sitzt die Seele des Journalismus? Im Herzen, im Hirn, oder im Geldbeutel?

Die Frage ist zwar prĂ€zise gestellt, erhĂ€lt eine Antwort aber nur ĂŒber einem historischen Exkurs zum PhĂ€nomen NZZ. Das Blatt sei ein Produkt der ZĂŒcher AufklĂ€rung. Den Ruf als unabĂ€ngiges Weltblatt habe es im deutsch/französischen Krieg sowie im Ersten und Zweiten Weltkrieg erarbeitet. In der Schweiz sei es sie das publizistische Organ des Freisinns gewesen, der einst visionĂ€ren Kraft. Das habe der NZZ den nötigen Hintergrund gegeben – jedenfalls bis zum Swissair-Grounding.

Eric Honegger, damaliger VR-PrĂ€sident der NZZ, gelernter Historiker, gepriesener Bundesratssohn und gescholtener Mitverantwortlicher fĂŒr das Debakel der nationalen Fluggesellschaft musste in der Folge gehen. Und seither positioniert Conrad Meyer, Ordinarius fĂŒr Betriebswirtschaft an der UniversitĂ€t ZĂŒrich, die NZZ-Mediengruppe neu. Die NZZ als stand alone product hat nach ihm keine Zukunft mehr. Ohne breit verankertes Internet-Portal mit gleichem Namen sieht man entsprechend keine Zukunft fĂŒr die alte gewordene Tante.

Nun muss die Zeitung sparen, sieht sich als cash-cow, die man melkt, um ihre KĂ€lber zu fĂŒttern. Doch eigentlich ist der kritische Reporterin klar: Die KĂ€lber werden ĂŒberleben, und sich nicht um den armen Hund, der sie ernĂ€hrt hat, kĂŒmmern.

Die virtuos vorgetragene Analyse in der aktuellen „Zeit“ entbehrt nicht der Ironie, denn die Revolution frisst bekanntlich ihre eigenen Kinder. Und der Kapitalismus, dozierte einst Nationalökonom Joseph Schumpeter, ist nicht da, um Zeitungen, sondern Gewinn zu schaffen. Und wo dies ausbleibe komme es zur schöpferische Zerstörungen mit Neuanfang. Dies hat man gerade in der NZZ und ihrem Umfeld immer fĂŒr richtig gehalten. Entweder gilt es auch hier, oder es war immer ein Irrtum.

Erotisches Kapital in der Politik

Ein neues Thema fĂŒllt die Feuilletons der Magazine erreicht: das erotische Kapital in der Mediengesellschaft. Die politische Kulturforschung tĂ€te gut daran, sich den VerĂ€nderungen der politischen Kommunikation auch in der Schweiz vertieft anzunehmen.

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Mara Carfanga, Gleichstellungsministerin in Italiens Regierung, machte das beste Ergebnis aller KandidatInnen bei den jĂŒngsten Regionalwahlen

55700 Stimmen machte Mara Carfanga bei den jĂŒngten Regionalwahlen in Italien. Damit realisierte die Ministerin aus der Reihen der Berlusconi-Partei „Popolo della LibertĂ “ das beste Resultat aller KandidatInnen.

Weit herum bekannt wurde sie durch einen peinlichen Patzer des Cavaliere: „Wenn ich nicht schon verheiratet wĂ€re, wĂŒrde ich sie sofort heiraten“, soll der Silvio Berlusconi ĂŒber seine Gleichstellungsministerin gesagt haben. Damit versetzte er seine Frau Veronica in öffentliche Rage, und die Scheidung der Ehe der Berlusconis nahm ihr Lauf.

In den Medien geht Carfanga seither der Ruf der „schönsten Ministerin“ voraus. Carfanga ist damit nicht alleine: PrĂ€sidenten, die sich wie Nicolas Sarkozy stark wĂ€hnen, lieben es, sich mit erotischen Frauen zu umgeben, nicht nur des VergnĂŒgens wegen, sondern auch um Aufmerksamkeit zu mehren und WĂ€hlerInnen zu gewinnen.

Erotisches Kapital in der Sozialforschung
„Erotisches Kapital“ nennt der kanadische Soziologe Adam-Isahia Green das PhĂ€nomen. Gemeint ist damit die Energie von Frauen und MĂ€nnern, die von ihren natĂŒrlichen, kĂŒnstlich geschaffenen oder erlernten Eigenschaften ausgehen und auf andere wirken. Das beschrĂ€nkt sich nicht nur auf unser Alltagsleben, sexuelle Beziehungen Heirat oder Kinderkriegen. Es erfasst in hohem Masse die mediale Kommunikation in Werbung und Unterhaltung, Sport und Kunst, Arbeitswelt und Politik.

FĂŒr die TheoretikerInnen eben dieses gibt es keine einheitliche Form des erotischen Kapitals. Vielmehr ist dies eine Folge der Entwicklungen vor allem von Mediengesellschaft, insbesondere ihrer sexualisierten Oeffentlichkeiten. Dabei werden ökonomisches, soziales und kulturelles Kaptial als tauschbare Handlungsressourcen von Individuen durch das erotische erweitert. Immerhin, die Forschungen zum erotischen Kapital macht mindestens sechs Bestandteile sichtbar: die Schönheit, die AttraktivitĂ€ten, die Lebenslust, die PrĂ€sentation, die SexualitĂ€t und die Vermehrung, insbesondere bei Frauen.

Soziologin Catherine Hakim, Forscherin an der London School of Economics, ist ĂŒberzeugt: „Women generally have more erotic capital than men because they work harder at it. Given the large imbalance between men and women in sexual interest over the life course, women are well placed to exploit their erotic capital.“ Fasziniert von Cleopatra, Madonna, Catherine Deneuve und Tina Turner, kritisiert sie die bisherigen politischen Theorien, denn das Patriarchat habe den Frauen verboten, ihr erotisches Kapital zu nutzen, um in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zu Erfolg zu kommen, und die feministische Theorie habe die moralischen Vorschriften, an die sich Frauen halten mĂŒssten, noch verstĂ€rkt. Doch das breche in der gegenwĂ€rtigen Gesellschaft auf und mĂŒsse empirisch untersucht werden, verlangt sie und kĂŒndigt fĂŒr 2011 schon mal ein Buch hierzu an.

Evidenzen auch in der Schweizer Politik?!

Die politische Kulturforschung wĂŒrde gut daran tun, sich den aktuellen VerĂ€nderungen auch in der Schweiz systematisch anzunehmen. Denn Hinweise hierfĂŒr gibt es genug, auch wenn sie meist belĂ€chelt werden.

So meinte Georg Lutz jĂŒngst unter Verweis auf Adrian Amstutz und Nathalie Rickli, Schönheit werde auch in der Schweiz gewĂ€hlt, wenn man das Parlament besetze. Feministin Regula StĂ€mpfli kritisierte ihn, und NationalratsprĂ€sidentin Pascale Bruderer dazu, weil die Genossin der Versuchung, sich nicht ĂŒber das Sein, sondern den Schein zu verkaufen, nicht wiederstehen könne. Klaus Stöhlker wiederum ist sicher, dass Doris Leuthard von ihrer Ă€usserlichen Erscheinung politisch profitiere und Moritz Leuenberger sich nur deshalb im Amt halten könne. Die FDP-Frauen kĂŒmmern solche Unterstellungen wenig: FĂŒr ihre Geburtstagsparty zum 60. luden sie jĂŒngst mit dem Hinweis ein, ihr erotisches Kapital ganz bewusst in die Politik einzubringen. Karin Keller-Sutter dankt es ihnen!

Der Mechanismus hysterischer Treibjagden

Bemerkenswert offen beschreibt Kolumnist Kurt W. Zimmermann in der heutigen Weltwoche wie das Schema des Thesenjournalismuses funktioniert.

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Top-Journalist Zimmermann zum Thesenjournalismus: Umkehr von Recherche und Schlussfolgerung.

Definiert wird der Thesenjournalismus durch die Umkehrung von Recherche und Konklusion, schreibt der ehemalige Chefredaktor der Sonntagszeitung. Im Normalfall sammelt ein Journalist Informationen, um sich eine Meinung zu bilden. Im Thesenjournalismus bildet er sich eine Meinung und sammelt er Informationen, welche die These stĂŒtzen resp. lĂ€sst alles weg, was der Thesen schadet.

Daraus leitet Zimmermann sechs Phasen der medialen Vorgehensweise des Thesenjournalismus bei seinen Treibjagden auf. Sie lauten:

Skandalisierung: Ein bestimmtes Ereignis wird von Beginn weg in einen Kette von Widerholungen gestellt, um die Tonlage vorzugeben.

Personalisierung: Alles Schlechte wird von einem Monster verursacht dargestellt, auf den sich die Aufmerksamkeit in der Folge konzentriert.

Kampagne: Aktiv gesucht werden Informanten. Zitiert wird, wer ins Schema passt. Wer das nicht unterstĂŒtzt, fĂ€llt ausser Betracht.

RĂŒcktritt: Der RĂŒcktritt des Monsters wird gefordert, von wem auch immer. Mögliche Nachfolger, die ins GesprĂ€ch gebracht werden, sollen die Position des Monsters weiter destabilisieren.

Eskalation: Wenn das Monster nicht geht, werden seine Vorgesetzten unter Druck gesetzt. Sie sollen im gewĂŒnschten Sinne handeln, um nicht selber in den Strudel von VorwĂŒrfen gerissen zu werden.

Schmutz: Schlammschlachten sollen die Angegriffen diskredieren, bis sie selber das Handtuch werfen.

Die Grundfragen, um die es geht, werden wÀhrend allen sechs Phasen bewusst nicht gestellt, schreibt der Medienprofi. Damit kommt die eigentliche Diskussion nicht voran, die Scheindiskussion hebt aber umso schöner ab.

NatĂŒrlich legt Kurt W. Zimmermann das offen, um den Angriff auf Post-Verwaltungsrats-PrĂ€sident Claude BĂ©glĂ© zu analysieren. Das sei eine „hysterische Treibjagd“ schreibt die Weltwoche dazu. Doch das ist gar nicht der Punkt, weil das Verfahren auf x andere VorgĂ€nge Ă€hnlicher Art angewendet werden kann. Wo auch immer. Und gegen wen auch immer.

Minarett-Initianten errangen die Medienhoheit.

Die erste Analyse der Medienberichterstattung zur Minarett-Initiative liegt vor. Die Forschungsbereich fĂŒr Oeffentlichkeit und Gesellschaft/UniversitĂ€t ZĂŒrich hat sie aufgrund eines Querschnitts von Medien im Print und elektronischen Bereich erstellt. Ihre generelle These ist: Vor dem Abstimmungssieg errangen die Minarett-Initianten die Medienhoheit.

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Die Islamisierung der Schweiz war das zentrale Thema der Medienberichterstattung, hÀlt die heute publizierte Analyse zur Minarett-Initiative fest.

Erstens, der mediale Abstimmungskampf dauerte aufgrund der Aufmerksamkeit fĂŒr das Thema rund 10 Wochen. Lanciert wurde er durch die Plakatkampagne einerseits, das Minarettspiel auf Internet anderseits. Die damit ausgelöste Provokationen sicherten den BefĂŒrwortern einen auch im Vergleich mit anderen Abstimmungem hohen Startvorteil. Ueberhaupt, kommt die Studie zum Schluss, kamen die BefĂŒrworter in den Medien mehr zum Zug als die Gegner. Drei Viertel aller zitierten Akteue stammen von ihrer Seite. Ihnen gelang es damit, das VerhĂ€ltnis in der MedienprĂ€senz im Vergleich zum AbstimmungsverhĂ€ltnis im Parlament genau umzukehren.

Zweitens, der Vorlageninhalt und die juristisch-ethischen Argumente der Gegner, die in den Behörden ausschlaggebend gewesen waren, dominierten die Mediendebatte nicht. Resonanzvorteile holten sich die BefĂŒrworter mit generellen Themen wie der schleichenden Islamisierung, dem islamistischen Terror und der Etablierung einer Parallelgesellschaft mit eigenem Schariarecht. So leiteten sich die ĂŒberwiegend negativen Stereotypisierung des Islams ab. Die Pauschalisierung habe die Vielfalt muslimischer Strömungen befördert und den Konnex Angehöriger dieser Glaubensgemeinschaft mit radikalen Bewegung im Islam unterstĂŒtzt. Muslime wurden so als fremd und mangelhaft integriert charakterisiert, was bedrohlich wirkte.

Drittens, die Kurzfassung der Studie stellt die Medienberichterstattung zur Initiative auch in einen zeitgeschichtlichen Rahmen. Ausgangspunkt ist der 11. September 2001. Erst damit ist die PrĂ€senz von Muslimen in der Schweiz thematisiert worden. Die InitiativankĂŒndigung erfolgte wĂ€hrend des Karikaturenstreits in DĂ€nemark. In diesem Umfeld etablierte sich der Eindruck, Meinungsfreiheit werde sowohl durch den Islam wie auch durch die politischen Eliten bedroht. WĂ€hrend des Abstimmungskampfes verfestigte sich das Bild, einerseits durch die PrĂ€senz der Talibans in Afghanistan und Pakistan, durch die Krise in den Beziehungen zwischen der Schweiz und Libyen.

Eine erste Bilanz
Stark quantitativ angelegt, erhellt der Bericht, dass im Abstimmungskampf eine fragmentierte Oeffentlichkeit entstand: Die Gegner und BefĂŒrworter kommunizierten jeweils aneinander vorbei. Dass dabei die BefĂŒrworter viel wirkungsvoller waren, war kein Vorteil fĂŒr die Behörden, kann man daraus schliessen.

SekundĂ€rzitierungen von Umfragen sind so eine Sache …

Wer kennt das nicht: 10, 50 oder 100 Menschen stehen in einer Reihe. Der Erste sagt dem Zweiten etwas, sodass es die anderen nicht hören. Dann ist der Zweite gegenĂŒber dem Dritten dran und so fort. Der Letzte berichtet dann dem Ersten, was er ĂŒber ihn gehört habe. Zum Staunen aller verĂ€ndert sich die Botschaft durch ihre Weitergabe bis ins Unkenntliche.

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Kommunikationsprobleme sind auch in der Vermittlung von Studienergebnissen hÀufig, wenn man mehr aus den Resultaten machen will, als möglich ist.

„24 Heures“ publizierte letzte Woche eine Umfrage von MIS zum VerhĂ€ltnis von SchweizerInnen zu Muslimen. Auf einen Nenner gebracht, lautete das Ergebnis: Ein Muslim kann ein guter Schweizer sein. Dem Islam als Ganzes stehen die BewohnerInnen des Landes aber distanziert gegenĂŒber.

„32 – 38 – 24“, so lauten die Zahlen fĂŒr ein positives, neutrales oder negatives VerhĂ€ltnis zu Angehörigen des Islams gemĂ€ss MIS Befragung. Entsprechend sind die BewohnerInnen der Schweiz in vielen Frage, die den Islam betreffen, gespalten. In der Minarett-Frage sind 46 Prozent dagegen.

FachmĂ€nnisch gesprochen sind das alles Einstellungselemente: Bewertungen von Sachfragen, welche den aktuellen Informationsstand und die momentane GefĂŒhlslage reflektieren. Da Entscheidungen auch Informationen und Stimmungen einer Kampagne reflektieren, können PrĂ€dispositionen und Entscheidungen identisch sein, mĂŒssen aber nicht.

Journalistisch ist das der Knackpunkt. Nicht selten wird alles mit allem gleichgesetzt! Denn besteht ein Zwang in den Medien, aus allen Umfragen vor Abstimmungen eine Prognose zu machen. Egal, ob auf gesicherter oder ungesicherter Basis.

Das konnte man Ende letzter Woche wieder einmal schön feststellen. Die Meinung zu Minaretten, wie sie „24 Heures“ richtig wiedergab, wurde in „20 Minuten“ zur unvermittelten Stimmabsicht ĂŒber die anstehende Initiative. Eine Minderheit sei fĂŒr Minarette, eine relative Mehrheit fĂŒr die Initiative. „Rund zwei Wochen vor der Abstimmung seien noch 15 Prozent unentschieden“, lautete die Zusammenfassung der Studie.

In der österreichischen „Kleinen Zeitung“ kams dann noch dreister: „Die Anti-Minarett-Initiative in der Schweiz hat gute Erfolgsaussichten“, wird der Artikel eingeleitet; ĂŒbertitelt ist er mit: „Mehrheit fĂŒr Anti-Minarett-Initiative“!

Quod erat demonstrandum: Mit jeder Weitergabe Ă€ndert sich die ursprĂŒngliche Botschaft!

Claude Longchamp