Archive for Mai, 2012

Managed Care – eine Neuerung hat es schwer

33 Prozent dafĂŒr, 44 dagegen. Das ist das vordergrĂŒndige Hauptergebnisse zur Managed Care Vorlage aus der ersten ReprĂ€sentativ-Befragung von gfs.bern fĂŒr die SRG SSR Medien. HintergrĂŒndig zeigt unsere Studie auf, wo das Problem liegt.

Komfortabel ist die Ausgangslage fĂŒr das Ja-Lager zur Krankenversicherungsrevision nicht. Am letzten Samstag beschlossen die Delegierten der SVP und der BDP, anders als die Mehrheit ihrer ParlamentarierInnen, die fĂŒr die Reform gestimmt hatten, ihren Mitgliedern und WĂ€hlern ein Nein zu empfehlen.

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Die davor abgeschlossenen ReprĂ€sentativ-Befragung der Stimmberechtigten fĂŒr die SRG Medien zeigt warum: Die Skepsis gegenĂŒber der Vorlage ist weit verbreitet. Gerade im rechten Lager. Nirgends hat die Managed Care Vorlage so viele Gegner wie bei der SVP. Noch am ehesten dafĂŒr ist das bĂŒrgerliche Zentrum, namentlich die CVP, aber auch die FDP. Doch selbst hier reicht es nur fĂŒr eine relative Mehrheit. RotgrĂŒn ist noch etwas ratlos: Viele UnschlĂŒssige bei der GPS, eher mehr Gegner bei der SP.

Dasselbe bei den Argumenten: Mehr QualitĂ€t, mehr Effizienz sind die Schlagworte aus dem Ja-Lager. Zweiklassenmedizin und EinschrĂ€nkung der freien Arzt- und Spitalwahl jene der Nein-Seite. Durchgedrungen sind sie damit erst bei den Vorentschiedenen, wĂ€hrend die Meinungsbildung in der breiten Masse der StimmbĂŒrgerInnen davon noch weitgehend unberĂŒhrt blieb.

Die gute Botschaft fĂŒr die Behörden, welche die Vorlage ausgearbeitet haben, ist: Es gibt noch viel Spielraum. Die schlechte lautet: Das ist erfahrungsgemĂ€ss eher ein Steilpass fĂŒr die Nein-Sager!
Die Erfahrung mit Meinungsbildungsprozessen zu umstrittenen Behördenvorlagen lehrt uns, dass es mit dem Abstimmungskampf zu einer Polarisierung der Unentschiedenen in beide Richtung kommt. Dabei hat es die Nein-Seite kurzfristig eher einfacher als ihre Widersacher.

Die Aufgabe der BefĂŒrworterInnen ist diesmal nicht einfacher: Denn die parlamentarische Allianz, welche der Neuerung zum Durchbruch verholfen hat, bröckelt. An die Abdresse des SouverĂ€ns ist das nie eine gute Botschaft. Und fĂŒr die Aktivisten ist es ein DĂ€mpfer.

Ich bleibe bei meiner EinschÀtzung, die ich vor knapp zwei Jahren zur Krankenkassenrevision kund getan habe: Behördenvorlagen, die mit der parlamentarischen Beratung bei der Bevölkerung nicht einen positive Grundwelle ausgelöst haben, haben es im Abstimmungskampf schwer. Der hÀtte, angesichts des komplexen Themas mit Fallstricken, seitens des Ja-Lagers nicht eben erst starten sollen, sondern mit der parlamentarischen Beratung, die immerhin seit 2004 dauert.

Le dernier cri

52,8 fĂŒr Hollande, 47,2 fĂŒr Sarkozy. Das ist ergeben die letzten Umfragen in Frankreich fĂŒr die zweite und entscheidende Runde bei den PrĂ€sidentschaftswahlen 2012.

Die Schelte an die Umfrageforschungsinstitute von Karikaturist Plantu auf der Frontseite von Le Monde nach der ersten Runde war hart. LePen (sondages): 14%, LePen (rĂ©el): 18%. 4 Prozent Abweichung – das war viel.
Aber auch bewusst herausgegriffen. Denn es war, die grösste Abweichung bei allen KandidatInnen bei allen finalen Umfragen der Institute.
Das Mittel war deutlicher prÀziser: 1,6 Prozent Abweichung, wobei TNS Sofres, Harris, OpinionWay und Ifop einen Schnitt von 1.1 bis 1.3 aufwiesen.
Besser als der Schnitte getroffen wurden die beiden Spitzenkandidaten: Sarkozys SchĂ€tzfehler ĂŒber alle Institute hinweg betrug 0.8 Prozentpunkte, jener fĂŒr Hollande lag bei 1.2.
Damit lagen die Umfragewerte insgesamt innerhalb des Stichprobenfehlers, und sie waren, von Ausreissern abgesehen, zuverlÀssig.

FĂŒr die zweite Runde liegt das Mittel der 8 Institute, die sich diese Woche noch betĂ€tigten, bei 52.8 Prozent fĂŒr Hollande, derweils Sarkozy auf 47.2 Prozent. Gross sind die Unterschiede zwischen den Institute nicht. TNS Sofres neigt mit 53.5 am stĂ€rksten zu Hollande, Ifop sieht mit 52 Prozent einen etwas geringeren Wert.

Keine Umfrageserie sieht Nicolas Sarkozy vorne, wenn auch der rechte Amtsinhaber seinen (hypothetischen) RĂŒckstand auf den linken Herausforderer seit dem ersten Wahlgang etwas verkĂŒrzten konnte. DafĂŒr spricht auch, dass die letzte finalisierte Umfrage, die von IfoP die knappeste von allen ist.

Bei aller Vorsicht: Francois Hollande hat gemÀss Umfragen die besseren Aussichten, morgen Sonntag zum neuen PrÀsidenten Frankreichs gewÀhlt zu werden.

Bei aller AnnĂ€herung der Vorhersagen fĂŒr die beiden Rivalen: Eine neue Dynamik, wie angekĂŒndigt, zu entfachen, gelang es PrĂ€sident Sarkozy nach der ersten Runde nicht. Die aufschlussreichen Hintergrundsinformationen, beispielsweise in der Serie von Ifop zeigt, dass die BevölkerungseinschĂ€tzung umgekehrt verliefen: Nach der ersten Runde nahm der Anteil der Franzosen zu, der von einem Wahlsieg Hollandes ausging, und auch der Prozentwert, der das fĂŒr wĂŒnschenswert hielt, stieg, zu lasten der UnschlĂŒssigkeit an.

Und so haben sich die Karikaturisten (wohl wie alle auf Umfragen stĂŒtzend) bereits heute verbindlich festgelegt. Gut in der NZZ entschied sich fĂŒr “Le dernier cri”, ein Bild von scheidenden PrĂ€sidentenpaar.