Archive for Dezember, 2011

Blau und rot stehen fĂŒr Politik und Kommunikation als Schwerpunkte meiner Forschung

Meinen Vortrag von heute morgen kĂŒndigte ich als dreifach exklusiv an: denn es war der erste, einzige und damit auch der letzte mit (roter) Krawatte statt (blauer) Fliege. Das kam so.

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Bewusst ungewohnt: Claude Longchamp mit Krawatte

MIKA hiess die Organisation, vor der ich heute sprach. Das sind die Kommunikationsfachleute der Schweizer Armee, die bestrebt sind, Erfahrungen aus der Privatwirtschaft in die Armee zu transferieren, wobei die so Ausgebildeten ihre Erfahrungen wieder in die Zivilgesellschaft tragen.

Mir ging es um die Armee in der Mediengesellschaft: „Krisen, Köpfe und Kommunikation“, lautete der Titel meines Referates. Dabei ging es mir um die Weiterentwicklungen des Sozialen, das gegenwĂ€rtig um das Mediale erweitert wird. Ich sprach ĂŒber Images, GesamteindrĂŒcke, die nahe bei der Emotion sind, und Reputation, welche als Verhaltenserwartung einer Person oder Organisation gerade in der Mediengesellschaft vermehrt vorausgeht.

Das Material schöpfte ich aus systematischen Beobachtungen ĂŒber die Armee aus den Jahren 2006 bis 2009, dem ereignisreichen Fenster, das mit dem Jungfrau-Unfall begann, durch die Tragödie auf der Kander beschleunigt wurde, zwischendurch vom Schiessunfall in ZĂŒrich-Höngg ĂŒberschattet war, und im Fall Nef, dann Schmid endete. Zur Sprache kamen Medienanalysen wie auch Bevölkerungsbefragungen. Meinen Schluss widmete ich den Erkenntnissen fĂŒr die Kommunikationswissenschaft aus dem Projekt einerseits, den Lehren fĂŒr die PraktikerInnen, die Medienkampagnen ausgesetzt sind anderseits.

Zentrale These war, dass die AktualitĂ€t in der Mediengesellschaft volatiler denn je sei, und diese AktualitĂ€t die Reputation stresse. Diese könne so zwar gestĂ€rkt werden, aber auch Schaden nehmen. Ob sich das auf das basale Image mit seinen ziemlich festgefahrenen Stereotypen und bildhaften Vorstellungen auswirke, hĂ€nge vom Alltagsimage ab. Sei dies schwach ausgeprĂ€gt, wirkten sich ReputationsverĂ€nderungen direkt auf das Image aus, im Guten wie im Schlechten. Wenn es stark ausgeprĂ€gt sei, funktioniere es wie ein Trampolin, dass SchlĂ€ge ausgleiche, GegenschwĂŒnge mobilisiere und das Kurzfristige gegenĂŒber dem Langfristigen ausbalanciere.

Die Diskussion dazu, vor allem, was das im Konkreten bedeute, war ganz anregend. Noch anregender war indes die Auseinandersetzung mit meinem verfremdeten Bild. Um nach einem intensiven Wahljahr zu zeigen, dass gfs.bern nebst Politanalysen auch Kommunikationsanalyse leistet, habe ich die Institutssymbole fĂŒr beide Schwerpunktebereiche vertauscht. Statt blau, unserer Farbe fĂŒr Politik, wĂ€hlte ich Rot, das Signal fĂŒr Kommunikation. Und statt der erwarteten Fliege trug ich eine Krawatte, wie das meine Nachfolger in der ĂŒbergeordenten Projektleitung tun.

FĂŒr diese Irritation erhielt ich schon nach den ersten erklĂ€renden Worten tosendem Appplaus.

Claude Lonbgchamp