Archive for Dezember, 2010

Jugendbarometer: Die Spider-Generation in der Schweiz und darĂŒber hinaus

Jugendliche bewegen sich in den Kommunikationsnetzte selbstverstĂ€ndlich und zielsicher wie Spinnen in ihren Netzen. Dennoch sind nicht alle 16-25jĂ€hrigen in der Schweiz gleich. Das erste Jugendbarometer, erstellt vom Forschungsinstitut gfs.bern fĂŒr die Credit Suisse und heute publiziert, erhellt die Werthaltungen, Denk- und Verhaltensweisen der Jugendlichen in der Schweiz, den USA und Brasilien..

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Wichtige Werte der Jugendlichen in der Schweiz sind Freunde, Partnerschaft. DarĂŒber hinaus zeichnen sich starke Trends zum Beruf und Lebensgenuss ab. Eine guter Schweiz, eine gute Schweizerin zu sein, steht gar nicht im Vordergrund. Die Kombination aller Antworten lĂ€sst systematisch Typen von Werthaltungen unter den Schweizer Jugendlichen aufscheinen. Dieheute veröffentlichte Studie von gfs.bern identifiziert 6 davon:

. Fleissige IndividualistInnen (26 % unter den Schweizer Jugendlichen): Aus- und Wertbildung, Beruf sind ihnen besonders wichtig. Sie suchen öffentliche Anerkennung, und setzen hierfĂŒr auch ihr Aussehen ein. Zu Politik haben sie kaum eine Verbindung
. Erlebnisorientierte (19 %): Reisen in alle Welt, sind ihnen ganz wichtig. Sie setzen auch auf Konsum. Sie leben in StÀdte, wechselnden Wohnformen, stammen selber aus bildungsnahen Haushalten. Politisch sind sie sozialliberal ausgerichtet.
. BĂŒrgerliche (19%): Sie sind in hoher Zahl bereits berufstĂ€tig, haben eine feste Partnerschaft und leben in einer eigenen Wohnung. Politisch richten sie sich an einem bĂŒrgerlich-konventionellen Leben aus.
. Aktive Materialisten (15%): Geld und Genuss sind ihnen am wichtigsten. Umweltschutz finden sie ĂŒberholt, spannende Diskussionen sind nicht nötig. Politik interessiert sie kaum
. Ethische PostmaterialistInnen (14%): Umweltschutz und Selbstentfaltung sind ihnen am wichtigsten. Geld ist obsolet, Aussehen unwichtig, politisch stehen sie verstÀrkt links.
. Resignierte (7%): Sie haben in der Erwachsenenwelt nocht kaum Fuss gefasst. Es fehlt an Geld, an Zielen, an Integration. Nichts erscheint wirklich erstrebenswert.

Das 1. Jugendbarometer hat das gfs.bern fĂŒr die Credit-Suisse realisiert. Es ist aus dem Sorgenbarometer hervorgegangen, wird aber anders produziert. ZunĂ€chst wurde ein neuer Fragebogen entwickelt, der Hoffnungen und Aengste Jugendlichen gleichmĂ€ssig aufnimmt. Sodann wird die Erhebung nicht nur in der Schweiz gemacht, sondern auch im Ausland. 2010 fand ein Testlauf in den USA und Brasilien statt, ein weiteres Dutzend LĂ€ndern sollen das nĂ€chste Jahr hinzu kommen. Das hat zur Folge, dass die Erhebung der Daten via Internet erfolgt, gesteuert durch eine spezielle Stichprobenbildung. Den ganzen Bericht zur Schweiz und zum internationalen Vergleich kann man hier einsehen.

Claude Longchamp

Zum Hinschied von Werner Ebersold

Es mag sein, dass Werner Ebersold der jĂŒngeren Generation SozialforscherInnen nichts mehr sagt. Den Mitgliedern der Schweizerischen Gesellschaft fĂŒr praktische Sozialforschung schon, denn er gehört zu den Prionieren der Umfrageforschung in der Schweiz.

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Werner Ebersold ist am Dienstag dieser Woche nach einer lĂ€ngeren Demenzkrankheit fast 86jĂ€hrig verstorben. 1959 grĂŒndete er die Schweizerischen Vereinigung fĂŒr praktische Sozialforschung, die vor Jahresfrist in ZĂŒrich, leider ohne ihn, ihr 50jĂ€hriges Bestehen feierte.

Ziel der Gesellschaft war und ist es, parallel zur Marktforschung in der Schweiz auch die Sozialforschung bekannt zu machen. Deshalb trennten sich die GfS von der GfM, urspĂŒrnglich vereint, schon frĂŒh.

Mehr als 10 Jahre fĂŒhrte man Kurse zu den Methoden der emprischen Sozialforschung durch, wie die Umfrageforschung im gesellschaftlichen Bereich damals noch genannt wurde. Danach ging man 1971 dazu ĂŒber, dem Gesellschftssekretariat kleinere und grössere ForschungsauftrĂ€ge aus dem Kreis der Mitglieder zu ĂŒbergeben. Realisiert wurden sie stets von Werner Ebersold, einem promovierten Oekonomen der UniversitĂ€t Bern.

Zu den ersten Projekten der GfS gehörte die AbklÀrung der Entstehung von Fremdenfeindlichkeit. Ein zentrales Ergebnis war, dass SchweierInnen mit Kontakten zu ItalienerInnen ein besseres Bild der Einwanderer hatten, als solche, die keine Kontakte pflegten. Bis heute ist dieses Ergebnis x-fach bestÀtigt, aber kaum je widerlegt worden.

Eine der wichtigen Auftraggeber der Untersuchungen war die damalige Wirtschaftsförderung, heute Economiesuisse, die an einer liberalen Gesellschaft mit Offenheit fĂŒr auslĂ€ndische ArbeitskrĂ€fte interessiert war. Sie war es denn auch, die als erste mit der Umfrageforschung zur Meinungsbildung bei Volksabstimmung experimentierte. Wieder wurde Werner Ebersold dafĂŒr ausgewĂ€hlt, die Volksentscheidung ĂŒber den IWF-Beitritt der Schweiz zu untersuchen.

Ein Jahr spĂ€ter, 1977, entstanden aus der Zusammenarbeit von Theorie und Praxis die Vox-Analysen eidgenössischer UrnengĂ€nge, die es heute zu den renomiertesten Beispielen der Umfrageforschung in der Schweiz avanciert sind. Realisiert wurden sie anfĂ€nglich von der GfS und dem Forschungszentrum fĂŒr schweizerische Politik an der UniversitĂ€t Bern. SpĂ€ter kamen die Unis in ZĂŒrich und Genf dazu, und der Bund finanzierte eine Teil des Unterfangens.

Neun Jahre danach wurde ich von Dr. Werner Ebersold angestellt, als Projektleiter bei der GfS den Ausbau der Vox-Analysen namentlich gegenĂŒber Medien voranzutreiben. Mit Vorliebe nannte Werner Ebersold die VOX eine Analyse der Taktik in einer konketen Entscheidung, wĂ€hrend sein neues Projekt Uni(versal)Vox die langfristigen VerĂ€nderungen untersuchen sollte, damit sich die politsichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteure strategisch positionieren konnten. Die finanzielle Dimension dieses Unterfangens verlangte es, GfS-Gesellschaft und GfS-Forschungsinstitut zu trennen, das eine als gemeinnĂŒtzigen Verein mit Vertretern der Arbeitgeber, Arbeitnehmer, der Wissenschaft und des Staates, das andere als betriebswirtschaftliches Unternehmen zu fĂŒhren.

Zwischen 1990 und 1993 ĂŒbergab Werner Ebersold angesichts rasanter VerĂ€nderungen die Leitung des Forschungsinstitut Schritt fĂŒr Schritt der nachfolgenden Generation. Peter Spichiger und ich wurden alternierend Vorsitzende der GeschĂ€ftsleitung. Wir stellten uns gemeinsam der Herausforderungen, Umfrageforschung im sozialen politischen und kommunikativen Bereich zu kommerzialisieren, denn die BeitrĂ€ge der UniversitĂ€ten und der Gönner erlaubten es die FĂŒhrung eines funkitionierenden Befragungsinstituts nicht mehr. Weiters war es unser Ziel, die Arbeit zu professionalisieren, weshalb wir zielstrebig ausgebildete SozialwissenschafterInnen zu beschĂ€ftigen begannen. Bis 2004 existierte das GfS-Forschungsinstitut als Einheit, und seither wirken gfs-ZĂŒrich und gfs.bern als selbstĂ€ndige Forschungsstellen und fĂŒhren gemeinsam den gfs-befragungsdienst als Tochtergesellschaft.

Ich habe Werner Ebersold als liberal denkenden Menschen mit starker Bindung an die Schweiz kennen und schĂ€tzen gelernt. Er hatte mir frĂŒh beigebracht, was ich an der UniversitĂ€t nicht gelernt habe: dass Umfrageforschung nicht nur eine Methode der Sozialwissenschaften ist, um Daten zur Testung wissenschaftlicher Theorien zu gewinnen, sondern auch ein Instrument ist, um der gesellschaftlichen Praxis Entscheidungsgrundlagen fĂŒr Akteure zu beschaffen. Gelernt habe ich in seinem kleine Laboratorium in ZĂŒrich auch, dass die Visualisierung ein wichtige Form der Kommunikation von Wissenschaft ist, auch wenn sie ihrerseits Gefahren der Vereinfachung in sich birgt.

Der Sozialforscher der ersten Stunde stand meiner Neigung, Sozialforschung mit elektronischer Medienkommunikation zu popularisieren, eher skeptisch gegenĂŒber. Als ich einmal bei ihm zu Hause zum Mittagessen eingeladen war, Ă€nderte er seine Meinung, holte seine drei Kinder und vier Kindeskinder zu sich, um mir mit grosser ErfĂŒllung zu erklĂ€ren, immer wenn ich etwas aus gfs-Forschungen im TV erzĂ€hle, rufe er alle seine anwesenden Nachfahren vor den Bildschirm. Es war das einzige Mal in unserer Begegnung, in der er mich auch duzte.

Ich verdanke Werner Ebersold viel: Den Blick fĂŒrs Praktische. Die Sicht auf die Gesellschaft als Ganzes. Den Hang zur Geschichte, um die Gegenwart zu verstehen. Nur seine Leidenschaft fĂŒr tĂŒrkische Teppiche teilte ich nicht im gleichen Masse. Ich mochte es nie, durch die LĂŒfte zu fliegen, wanderte lieber auf dem festen Boden der StĂ€dte. So freut es mich, das Werner Ebersold noch kurz vor seiner Erkrankung, mit seiner lieben Frau Henriette wenigstens einen Teil einer meiner Stadtwanderungen in Bern mitmachen konnte.

Claude Longchamp

Der neue Bloggerfilm

Eine Trouvaille im medialen Fluss der Informationen und GefĂŒhle ist der neue Bloggerfilm.

Die Adresse tönt ganz normal:

Michael Eugster
Ob. Waldhofstrasse 14
CH-9240 Uzwil
Email: michael.eugster[at]gmail.com

Auch der Blog dazu fĂ€llt nicht wirklich auf, heisst er doch simpel „M_Blog„.

bloggerfilm – Ein Projekt, ein Film, Schweizer Blogger from Michael Eugster on Vimeo.

Doch hat der 17jĂ€hrige mit seiner Matura-Arbeit einen Volltreffer gelandet. Er hat ein PortrĂ€t des Blogs als Video gedreht. Mit anderen Bloggern. Und mit einem Konzept, das den Film auch fĂŒr Nicht-Blogger verstĂ€ndlich macht.

Herzliche Gratulation, Michael Eugster, sag ich da zuerst! Denn es ist ein informativer Beitrag entstanden, welcher den Vielseitigkeiten des Mediums gerecht wird, die Höhen und Tiefen beleuchtet der Bloggerszene beleuchtet, Menschen zeigt, die aktiv bloggen oder sich dazu Gedanken machen, – und einem zum Schluss sogar noch zum Lachen bringt.

Vielleicht ist der Vergleich zwischen dem Blog und der Zeitung im Beitrag etwas zu schematisch. Denn nach meiner Meinung ist die Zeitung nicht einfach objektiv, und sind die Blogs nicht einfach subjektiv. Die publizistischen Formen vermischen sich vielmehr in beiden Medien. Treffender wĂ€re da wohl gewesen, auf die Unterschiede in der Nutzung zu insistieren. Denn Blogs sind keine Massenmedien, eher Trouvaillen im Meer des Informations- und GefĂŒhlsflusses, das uns tĂ€glich umbrandet, und in dem die Blogs wie LeuchttĂŒrme der Orientierung wirken.

Und genau deshalb findet man den ersten Bloggerfilm auf einem Blog, nicht auf der online-Plattform eines Massenmediums. Denn Blogger interessieren sich fĂŒr das Neue in ihrem Umfeld, entdecken und beschreiben es authentisch. Anders als JournalistInnen, die immer mehr Anschlusskommunikation an das schaffen mĂŒssen, was andere zum Laufen gebracht haben. Das nennen die Blogger simpel: Kommentieren!

Claude Longchamp

AuslandschweizerInnen: Votum gegen die Ausschaffungsinitiative

Die AuslandschweizerInnen dĂŒrften genau umgekehrt gestimmt haben als die InlandschweizerInnen: fĂŒr den Gegenentwurf und gegen die Ausschaffunsinitiative. Das vermeldet die heutige NZZ am Sonntag.

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So ganz genau weiss man es nie, wenn es um die AuslandschweizerInnen geht. Rund 700’000 davon soll es geben. Zirka 130’000 haben sich registrieren lassen, um abstimmen und wĂ€hlen zu können.

Was sie entscheiden, erfÀhrt man nicht. Individuell ist das sinnvoll, kollektiv indessen nicht. Die Ursache ist so simpel wie Àrgerlich: Das AuszÀhlen der AuslandschweizerInnen ist föderalistischen Regeln unterworfen.

Nur 8 Kantone (AI – AG – TG – BS – LU – SG – GE – VD) weisen das StimmverhĂ€ltnis unter den SchweizerInnen im Ausland separat aus. Die anderen subsummieren die Ergebnisse in den Gemeinden, in denen sie zuletzt wohnten.

Am klarsten gegen die Ausschaffungsinitiativen stimmten die AuslandbaslerInnen. Zu 37 Prozent Ja reichte es da. Doch auch die AuslandthurgauerInnen votierten mehrheitlich dagegen. Mit 47 Prozent Ja war die Mehrheit anders als bei den ThurgauerInnen im Thurgau. Immerhin war der ausgewiesene Ja-Anteil unter den AuslandschweizerInnen nirgends so hoch wie im Ostschweizer Kanton.

Die grösste Diskrepanz ergab sich im Kanton Appenzell Innerrhoden. Die InlandschweizerInnen des Kantons waren zu zwei Dritteln fĂŒr die Initiaitive. Die KantonsbewohnerIn mit Sitz im Ausland votierten nur zu 39 Prozent dafĂŒr.

Besser erging es dem Gegenvorschlag. Er wÀre in 5 der 8 Kanton angenommen worden, hÀtten nur die AuslandschweizerInnen entscheiden können.

Die Ergebnisse passen gut zur einzigen Politprofil-Analyse der AuslandschweizerInnen. Sie wurde im Jahre 2003 gemacht und kam zum Schluss, dass die stimmenden AuslandschweizerInnen viel weltoffener und deutlich wirtschaftsliberaler stimmen als die InlandschweizerInnen. So waren sie 2002 in ihrer Mehrheit gegen die SVP-Asylinitiative, die schliesslich nur hauchdĂŒnn scheiterte.

Zwei GrĂŒnde können fĂŒr das unterschiedliche Stimmverhalten genannt werden: ZunĂ€chst ist das soziologische Profil der politisch aktiven AuslandschweizerInnen different. Unter ihnen sind die oberen Bildungsschichten massiv mehr vertreten. Sodann unterscheidet sich ihre Sozialisation, was sich beispielsweise im Informationsverhalten ĂŒber Medien und Bekannte unterscheidet.

Leider gibt es keine aktuelleren Analysen hierzu. Die AuslandschweizerInnen-Organisationen wĂ€ren sehr dafĂŒr gewesen, eine solche mit Blick auf die Wahlen 2011 zu erstellen. Doch das EDA sperrte, anders als 2003, den Zugang zu den Adressen der AuslandschweizerInnen selbst fĂŒr die Forschung, womit jede Stichprobenbildung obsolet wurde.

Claude Longchamp

In Wort und Bild

Mitte 2009 beschloss der Verwaltungsrat meines Forschungsinstituts, dass gfs.bern einen Neuauftritt bei Kunden, Interessierten und in der Oeffentlichkeit braucht. Wir sind gewachsen, und wir haben uns verĂ€ndert. Das soll auch kommuniziert werden. Seither ist das gfs.bern an der Arbeit, von Berichtslayout ĂŒber Visitenkarten und Webauftritt Schritt fĂŒr Schritt alles umzustellen.

Die neue Website von gfs.bern kommuniziert die neuen Schwerpunkte: Politik und Kommunikation. Blau und Rot sind unsere neuen Farben. In der Gesellschaftsforschung sind wir zwar weiterhin aktiv, aber nicht mehr strategisch. Das gilt auch fĂŒr reine Befragungsprojekte, ohne Eigenforschung, die wir noch fĂŒr UniversitĂ€ten erbringen.

Im Politikbereich sind wir gut bekannt: Doch auch da, machen wir klar mehr, als man gemeinhin wahrnimmt. Wahlen und Parteien, Abstimmungen und Kampagnen bilden das RĂŒckgrat unserer TĂ€tigkeiten. DarĂŒber hinaus machen wir zahlreiche Monitore, etwa zur Gesundheit, zum Mobilfunk, zu den Sorgen der BĂŒrgerschaft. In wenigen Tage erscheint erstmals ein internationaler Jugendmonitor. Wir sind im Bereich Politik nicht nur auf der nationalen, sondern auch auf der kantonalen und stĂ€dtischen Ebene aktiv. Gemeindefusionen interessieren und genauso wie Reorganisationen der politischen Gemeinsweisen, die Effizienz steigern, die BĂŒrgerInnen-Mitsprache aber nicht mindern wollen.

Im Kommunikationsbereich sind integrierte Kommunikationsanalyse das KernstĂŒck unserer Arbeit. Wir leisten diese fĂŒr Firmen, VerbĂ€nde, auch staatliche Stellen, die in einem hohen Masse in der Oeffentlichkeit stehen und sowohl nach aussen wie auch nach innen intensiv kommunizieren mĂŒssen. Zu diesem Bereich gehört Imagestudie, Kampagnenevaluierungen genauso wie die Messung von Effekten von grösseren Ereignissen. Lobbyinganalyse, aber auch Studien zum Campaigning von Akteuren bieten wir hier genauso an, wie die Evluierung der elektronischen Behördenkommunikation.

Das Team von gfs.bern ist umgestaltet worden. Insgesamt arbeiten gegenwÀrtig 8 ausgebildete Politikwissenschaften am unserem Institut, die alle ein Zusatzausbildung haben in Medienwissenschaft, Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Mathematik oder Geschichte. Damit teilen wir eine gemeinsamen Kern an wissenschaftlichen Erkenntnissen, und bringen unsere MitarbeiterInnen weiteres Wissen in die Projekte ein. HInzu kommen noch zwei Mitarbeiterinnen in der Administration. Pro Jahr realisieren wir zusammen rund 60 Projekte, mit einem Auftragvolumen von rund 3 Millionen Schweizer Franken. Unsere zentralen Auftraggeber sind VerbÀnde, Medien, Firmen und UniversitÀten.

Mit dem Neuauftritt wollen wir ein Gleichgewicht schaffen zwischen Wort und Bild. Dem Visuellen in der Kommunikation von Forschungsergebnissen werden wir inskĂŒnft mehr Gewicht schenken. Ein erster Schritt dazu ist das Video ĂŒber uns selber, dass die drei Mitglieder der GeschĂ€ftsleitung von gfs.bern vorstellt. Ueber alle unsere MitarbeiterInnen finden sie hier mehr, als Text und Foto!

Claude Longchamp

Sechs Umfragen zur Ausschaffungsinitiative im Vergleich

Die Ausschaffungsinitiative interessierte im Vorfeld der Entscheidung wie schon lange kein anderes Thema mehr. Entsprechend zahlreich waren die im Voraus publizierten Umfragen. Eine gute Gelegenheit, sie auf ihre Brauchbarkeit hin zu testen.

Uebersicht ĂŒber Ergebnisse und Kennwerte der 6 Vorbefragungen zur Volksabstimmung ĂŒber die Ausschaffungsinitiative
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grafik anclicken, um sie zu vergrössern

Die SVP veröffentlichte im Abstimmungskampf ihre eigene „Volksbefragung„. Demnach sind 67 Prozent fĂŒr die Ausschaffung krimineller AuslĂ€nderInnen. Auf einen Ă€hnlichen Wert kam „20 Minuten„, nĂ€mlich auf 66 Prozent BefĂŒrworterInnen (und 34 Prozent GegnerInnen) der Initiative. Die Sonntagszeitung veröffentliche eine Befragung von Isopublic mit 62 Prozent Zustimmung (und 30 Prozent Ablehnung). Die Medien der SRG publizierten zwei vergleichbare Erhebungen von gfs.bern mit zuerst 58 (und 37 % Nein), dann 54 Prozent im Ja-Anteil (und 43 im Nein-Anteilo). Die Weltwoche wiederum machte eine Untersuchung von Swiss Opinion mit 44 Prozent Ja (und 45 Prozent Nein) publik, wĂ€hrend der Tages-Anzeiger-Online auf 38 Prozent Zustimmung (und 62 Prozent Ablehnung) kam (nicht mehr auf dem Web).

Der Streubereich der Abweichungen ist betrĂ€chtlich. Von massiver Zustimmung bis massiver Ablehnung gibt es alles. Die grösste Abweichung zum effektiven Ergebnis hatte die TA-Umfrage. An zweitletzter Stelle folgte die SVP-Volksbefragung, praktisch gleich auf mit der 20 Minuten-Erhebung. Interessant ist, dass die Zahl der Befragten kaum einen Einfluss hatte. Bei der SVP-Erhebung machten rund 70’000 Personen mit, bei 20 Minuten zirka 15’000 mit Stimmrechte. Ganz anders verhĂ€lt es sich bei der TA-Umfrage, die sich auf weniger als 1000 AuskunftgeberInnen stĂŒtzte.

Das Gemeinsame an allen Befragungen mit grosser Abweichung ist ihre Nicht-ReprÀsentativitÀt, die durch das freie, und damit unkontrollierbare Mitmachen auf Internet entsteht. Bei SVP-Initiative kam ein Postkartenversand hinzu, aber nur bei Parteimitgliedern, was die Sache verschlechterte, nicht verbesserte.

Die formalen Kriterien der ReprĂ€sentativitĂ€t erfĂŒllen nur die drei anderen Umfragen. Sie lagen alle besser. Zwei davon, die von Isopublic resp. gfs.bern wurden nach der klassischen Methode der computer-unterstĂŒtzten Telefoninterivews mit BefragerInnen gemacht, derweil die Erhebung von Swiss Opinion auf reinen Computer-Interviews basiert. In allen drei FĂ€llen wurde eine eigentliche Stichprobenbildung nach dem at random Verfahren gewĂ€hlt, was das einzige Kriterium ist, das ReprĂ€sentativitĂ€t sichert.

Wenn die drei Erhebungen dennoch Unterschiede zeigen, hat dies zunÀchst mit dem Zeitpunkt der Erhebung zu tun. Isopublic war zuerst, dann kamen die beiden Wellen von gfs.bern. Man kann sie fast in eine Reihe stellen und sieht, wie der Ja-Anteil von Woche zu Woche leicht abnahm (und dies auch bis zum Abstimmungstag tat), wÀhrend sich das Nein sukzessive aufbaute.

Es bleibt die Differenz zwischen der 2. Erhebung von gfs.bern und der von SwissOpinion, die gleichzeitig gemacht wurden. Sie haben einen vergleichbaren Nein-Anteil, aber einen klar unterschiedlichen Ja-Wert. Was auch immer fĂŒr GrĂŒnde man hierfĂŒr herausfinden wird, eines ist klar: Die Behauptung der Vertreter der Interactive-Voice-Response Methode, dank reinen ComputerInterviews keine Beeinflussung aufgrund von InterviewerInnen in heiklen Themen zu kennen, ist grĂŒndlich widerlegt. Zuerst die die Zahl der UnschlĂŒssigen bei der IVR Erhebung höher, sodann ist ausgerechnet der Ja-Anteil tiefer.

Unter dem Strich bleibt: CATI-Erhebung mittels reprĂ€sentativer Stichprobenbildung sind und bleiben die zuverlĂ€ssigsten Umfragen bei Abstimmungen. Die so ermittelten Ergebnisse sind aber nicht zeitpunktunabhĂ€ngig, weil die Meinungsbildung selber dynamisch ist. Deshalb können nur Trenduntersuchungen abschĂ€tzen, was am Abstimmungstag geschieht. Interessant ist auch, dass die zuverlĂ€ssigsten Umfragen von Instituten des Branchenverbandes gemacht wurden, fĂŒr die QualitĂ€tsauflagen gelten. Am krassesten dagegen verstiess die Online Umfrage des Tagesanzeiger, 3 Tage vor der Abstimmung gemacht, am Abstimmungssamstag publiziert und am Tag darauf widerlegt. Eigentlich hĂ€tte sie gar nie erscheinen dĂŒrfen!

Claude Longchamp

Die Arena der Zukunft – die Zukunft der Arena

Die „Arena“ steht vor einer Weichenstellung: Was ist ihre PrĂ€ferenz fĂŒr die wichtigste Politdiskussionsendung des Schweizer Fernsehens?

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Grafik aus der Zeitung „Sonntag“: Visuell manipuliert, da die y-Achse nicht bei „0“ beginnt, womit die Unterschiede zwischen den Jahren ĂŒberhöht werden.

Die Reaktionen, die ich in jĂŒngster Zeit zur Fernsehsendung „Arena“ hatte, waren durchzogen: wenig Substanz, immer die gleichen Protagonisten und unfaires Verhalten von TeilnehmerInnen lautete die Kritik. Gelobt wurden der AktualitĂ€tsbezug, das Tempo und der Einbezug von Meinungen aus der zweiten Reihe. Die Marktanteile der Sendung gingen 2009 zurĂŒck, waren aber nicht so tief wie 2006, indessen auch bei Weitem nicht so hoch wie in den 90er Jahren.

Nun ist Reto Brennwald, der Moderator der Sendung gegangen, und die Konzeptfrage wird gestellt: Wie sieht die Arena der Zukunft aus? GemÀssigter, gemitteter, gemÀchlicher, oder unverÀndert provozierend, polarisierend und personalisierend?

Gerade mit Blick auf der Wahljahr ist die Weichenstellung nicht unwichtig. Denn je nachdem, wie die Arena mit der Tages- und Wochenpresse interagiert, können sich die verschiedenen Kultur unterschiedlich stark ausbreiten.

Und so frage ich: Braucht es eine solche Politsendung am Freitag Abend, oder ist sie ĂŒberflĂŒssig geworden? Ist die Streitkultur, mit der die Sendung namentlich unter Filippo Leutenegger gross geworden ist, noch angesagt? Was sind die Vorteile des harten Schlagabtausches oder confrontainment gegenĂŒber der leichten Analyse oder des infotainment?

Damit nicht genug. Damit verbunden ist die Frage nach der Moderation. Sonja Hasler, studierte Theologin und Rundschau-Moderatorin, in gesetzt. Sie dĂŒrfte inskĂŒnftig etwa die HĂ€lfte der Sendungen mode- oder animieren. Die andere HĂ€lfte dĂŒrfte von einem Neuen gefĂŒhrt werden. Die Entscheidung, hört man, soll schnell gefĂ€llt werden. Namen werden offiziell nicht genannt, inoffiziell kann man aber folgende hören: Franz Fischlin, Tagesschau-Moderator, Hanspeter Forster, Bundeshauskorrespondent, Matthias Aebischer, Reporter und frĂŒherer Club-Moderator, sowie Peter Bertschi, stellvertretender Chefredaktor von Radio DRS.

So, das sollte reichen, um das Thema zu lancieren: Welcher Moderator passt zu welchem Konzept der Arena, das auch zur Zukunft der Schweiz passt?

Claude Longchamp