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Grünliberale: Stand und Aussichten

Am letzten Mittwoch begann ich meine Lehrveranstaltung an der Uni St. Gallen mit der Frage, wo die Grünliberalen politisch stehen, und was für eine Zukunft sie damit vor sich haben. Das war gerade richtig, um fürs Wochenende eingestimmt zu sein.

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Analyse der Zürcher Stadtparteien, wie sie von Smartvote nach den Wahlen vorgenommen wurde: Am besten vertreten wird die glp in der Stadtregierung durch den CVP-Politiker Gerold Lauber (Quelle: smartvote via Tages-Anzeiger

Bei der erste Frage waren die Antworten der Studierenden recht einheitlich: In der politischen Mitte oder unwesentlich davon entfernt, wurden sie eingestuft. Als Kompromiss-Partei zwischen Oekologie und Oekonomie, wurden sie charakterisiert. Und als Folge-Erscheinung der globalen Klimadebatte, wurden sie gedeutet.

Das macht sie gegenwärtig für die Medien attraktiv. Doch es mangelt hinter Verena Diener schnell einmal an bekannten Köpfen, die das Politik-Machen verstehen und umstetzen könne. Es besteht die Gefahr, dass die Erwartungen schneller wachsen als die Möglichkeiten.

Politikwissenschaftlich gesehen haben Parteien dann eine Chance, dauerhaft zu bestehen, wenn es ihnen gelingt, eine eigentliche Konfliktlinie zu bewirtschaften, warf ich ein: Dazu gehört eine mehr als momentane gesellschaftliche Spaltung. Dazu zählt, dass daraus ein neues soziales Bewusstsein erwächst und dass dieses durch eine Organisation im politischen System möglichst exklusiv repräsentiert wird.

Von diesen drei Voraussetzungen ist die erste sicher gegeben. Die Oekologiefrage ist seit einer Generation ein politisches Thema, und es ist kein Ende in Sicht. Das eröffnet Möglichkeiten. Doch wird sie nicht nur von einer Partei bewirtschaftet. Die Chance der Grünliberalen ist tatsächlich die Wertesysnthese, das heisst die Versöhnung von ökologischen und ökonomischen Forderungen auf einer neuen Stufe.

Mit Sicherheit gibt es dafür sowohl in der Wirtschaft wie in der Politik eine Potenzial. Wie gross es ist, wissen wir aber nicht. Als vorläufiges WählerInnen-Potenzial dürfte es aber reichen, wohl noch nicht ausgeschöpft sein. Die zentrale Frage Herausforderung ist also die Organisation des neuen Bewusstseins und der vorhandenen Interessen. Hier stehen die Grünliberalen vor einer höheren Hürde. Denn die Erwartungen in der Bevölkerung und den Medien sind hoch, und die Entwicklung als Partei hinkt dem tendenziell hinten nach.

Trotz dieser drei Beurteilungskriterien blieben in unserer Diskussion unter Master-StudentInnen die Aussichten recht offen: der Durchbruch auf nationaler Ebene 2011, die Etablierung als städtisch einflussreiche Partei, die es in Exekutiven schafft, ohne nationale Repräsentation, und das langsame Verschwinden der Partei, wenn andere wie FDP, SP oder Grüne die neuen Positionen bei sich aufnehmen, wurden genannt.
Persönlich neige ich zum zweiten Szenario; es erscheint mir am realistischten.

Angeregt durch diese Auslegeordnung habe ich dem Tages-Anzeiger von heute ein Interview gegeben.

Stadt Zürich: Rotgrün baut Mehrheit im Stadtrat aus, wird im Gemeinderat aber von glp gestoppt

Im Zürcher Stadtrat, der Regierung der grössten Schweizer Stadt, legt Rotgrün zu: Die SP sichert ihre 4 Sitze, und die Grünen gewinnen einen hinzu. Diesen verliert die FDP, neu mit zwei Vertretern im Stadtrat. Die CVP behält ihren Sitz.

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Die neugewählten Stadträte: André Odermatt (SP), Claudia Nielsen (SP) und Daniel Leupi (Grüne)

Auch nach 20 Jahren Opposition scheiterte die SVP mit ihrem erneuten Versuch, wieder in die Stadtregierung einzuziehen. Ihr beiden Vertreter landeten auf den Plätzen 11 und 12, deutlich von der Hürde für den Einzug in die Regierung entfernt. Vor ihnen liegt noch Urs Egger von der FDP, der bestrebt war, den dritten Sitz der FDP nach dem Rücktritt von Kathrin Martelli zu sichern. Er erreichte das absolute Mehr knapp, schied aber als Ueberzähliger aus.

Der SP gelang es, ihre bisherige Sitzzahl zu halten. Neu gewählt wurden André Odermannt und Claudia Nielsen. Sie komplettieren das SP-Quartett mit Stadtpräsidentin Corine Mauch und dem Bisherigen Martin Waser. Bei den Grünen schaffte Ruth Genner die Wiederwahl glatt, und neu wird ihre Partei auch durch Daniel Leupi im Stadtrat vertreten sein. Damit erneuert sich das rotgrüne Regierungsbündnis personell stark. Bei der FDP und CVP werden die drei Bisherigen Martin Vollenwyder und Andreas Türler resp. Gerold Lauber bestätigt.

Ergebnisse und “Prognosen”
Im Vorfeld der Wahl spekulierte der Tages-Anzeiger über die künftige Zusammensetzung. Ein bürgerlichen Wende schloss er angesichts der eher oppositionellen SVP-Kandidaten richtigerweise als wenig wahrscheinlich aus. Darüber hinaus erwog ihr Kommentator drei Szenarien: den Status Quo mit 5 rotgrünen und 4 bürgerlichen VertreterInnen, das Gleiche, aber mit einer Gewichtsverlagerung von der SP zu den Grünen und den Ausbau der rotgrünen Mehrheit.

Jetzt zeigt sich, dass das dritte Szenario richtig gewesen wäre. Widerlegt wird damit die Prognose des Tages-Anzeigers, entwickelt aufgrund einer repräsentativen Stadtbefragung. Diese legte zwar auch einen Sitzgewinnen für die Grünen nahe, doch gingen die Medienleute davon aus, dass er zulasten der SP gehen würde. Nun verliert die FDP verliert einen Sitz an die Grünen. Die Differenz resultiert aus dem Zeitpunkt der Erhebung, einen Monat vor der Wahl gemacht, und der journalistischen Ueberinterpretation als Prognose.

Hauptergebnisse bei Gemeinderatswahlen
Bei den Gemeinderatswahlen sind die Grünliberalen die grossen Gewinnerinnen. Mit einem WählerInnen-Anteil von 9,8 Prozent etablierten sie sich als 5. stärkste Partei. Gëgenüber der letzten Wahl legten sie um satte 7 Prozentpunkte zu. Leicht gewonnen haben auch die Grünen (neu 11,4 %, +0,5 %pkte.) und die Alternative Liste (4,2%; +0,5%pkte.). Verluste gibt es für die SP (30,3%;-3,4%pkte.), die aber grösste Stadtpartei bleiben. Ebenfalls schwächer als vor vier Jahren abgeschnitten haben die CVP (5,7%, -2,4%pkte.), die EVP (3,1%; -1,4%pkte.) in der Mitte, die FDP (14,0; -1%pkt.) im bürgerlichen Lager und die SD (1,9%; -0,6%pkte.). Praktisch gleich stark geblieben ist die SVP (18,6%, +0,2%pkte.).

Damit sind die Grünliberalen die eigentliche Sieger der Parlamentswahl. Sie sind neu mit 12 Sitzen im 125köpfigen Stadtparlament vertreten und für die Mehrheitsbildung entscheidend.

“Die SP ist zu weit nach links gerutscht.”

Andreas Ladner, Politologie-Professor am IDHEAP, ist einer der besten Kenner der Parteien in der Schweiz. Im Tages-Anzeiger von heute diagnostiziert er einen möglichen Stimmverlust der SP in der grössten Schweizer Stadt.

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Andreas Ladner, Parteienspezialist unter den Schweizer Politikwissenschaftern

Ladner sieht die Wählerschaft der SP in Veränderungen. Die Arbeiterschaft hat die linke Partei schon länger an die SVP verloren. Neu verliert sie auch in den Mittelschichten, die ihr 10 Jahre lange Gewinne gebracht haben.

Das Durchschnittseinkommen der SP-Wählerschaft gleicht dem der FDP. Die urbane SP repräsentiert heute die Bildungsschichten, die sich mit der FDP nicht identifizieren können. Es sind Professoren, Gymnasiallehrer, Kader in Staatsstellen und Freiberufler, welche das neue Bild der SP prägen.

Die Wahl erfolgt nicht aus eigenen materiellen Interessen, sondern aus postmateriellen: Man will einen aktiven Staat, eine nachhaltige Wirtschaft, eine international ausgerichtete Schweiz und eine ökologische dazu. Zu tiefst zu wider ist den neuen Genossen das Schweizbild der SVP.

Unter dem Eindruck der parteipolitischen Polarisierung ist die SP allerdings zu weit nach links gerutscht. Für sozialistisches Gedankengut besteht aber kein hinreichendes Potenzial in der Schweiz. Das hat zu einem Umdenken geführt. SP-WählerInnen tendieren zu den Grünen, SP-Wähler eher zu den Grünliberalen.

Ladner rät der SP vertieft an sich zu arbeiten. Er vertritt den dritten Weg, den Anthony Giddens propagiert hatte. „Die SP muss demnach den Wettbewerb im Grundsatz akzeptieren, aber festlegen, welche Leistungen der Staat für Schwächere erbringen sollt. Alte Forderungen nach dem Giesskannenprinzip sind definitiv vorbei.“

Stadtzürcher Wahlen: Wahlbeteiligung ist alters- und geschlechtsabhängig

Bei den Stadtzürich Wahlen liegt die mittlere Beteiligung bei rund 35 Prozent. Das Alter und das Geschlecht entscheiden über die mitlere Beteiligunghöhe mit. Am verbreitetsten ist der Wahlgang bei Frauen mit 68 Jahren resp. bei Männern mit 76 Jahren.

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Quelle: Stadtkanzlei Zürich

Früher hiess es: Bei lokalen Wahlen können die BürgerInnen direkter mitentscheiden und beteiligen sich mehr als bei kantonalen und nationalen Wahlen. Doch das gilt fast flächendeckend nicht mehr. Die Mobilisierung hängt heute von der Bedeutung der Wahl und ihrer Thematisierung im Wahlkampf ab. Und letzteres ergibt sich aus dem nationalen Kontext eher.

So beteiligten sich auch bei der letzten Stadtzürcher Wahlen nur 34.8 Prozent. Bei solche tiefen Beteiligungen ist es üblich, dass die Gegensätze zwischen Merkmalsgruppen, die sich erfahrungsgemäss unterscheidlich beteiligen, verdeutlicht ausfallen.

Bezogen auf Wahlen in die Stadtzrücher Regierung und ins Stadtzürcher Parlament kann man von klaren Einflässen des Alters und des Geschlechts sprechen. Zu erwähnen gilt es, dass die 65-80jährigen die höchsten Beteiligungsquoten kennen. Bei den Frauen liegt der Peak bei rund 68 Jahren, bei den Männern bei rund 76 Jahren. Wer jünger oder älter als das ist, geht weniger häufig wählen.

Die Differenz zwischen den Geschlchtern ist fast durchgängig so, dass Männer häufiger als Frauen wählen gehen. Sie nimmt aber bei den über 65jährigen recht systematisch zu, und sie verringert sich erst bei den über 85jährigen wieder. Warum? Die frühe politische Sozialisation war bei den Jahrgängen von 1945 und älter klar geschlechtsspezifisch, was sich bis heute auswirkt. Denn es sind jene Jahrgänge bei denen die Frauen bei Volljährigkeit noch gar kein Stimmrecht hatten. Bei den jüngeren Jahrgängen änderten sich die politischen Beteiligungsmöglichkeiten im kommunalen und kantonalen, bei jenen, die nach 1951 geboren wurden, gibt es keine Frauen mehr, die national nicht mitentscheiden konnten, als sie 20 wurden.

Wenn die geschlechtsspezifischen Effekte bei den ganz alten BürgerInnen wieder geringer werden, hat das vor allem mit der Mobilität der Personen heute zu tun. Sie nimmt mit jedem Altersjahr ab, egal ob es sich um Männer oder Frauen handelt, was sich bei beiden Geschlechtern negativ auf die Beteiligung an Wahlen auswirkt.

Stadtzürcher Wahlen: Umfrage legt Ausgangslage offen.

Am 7. März 2010 wählt die Zürich, die grösste Schweizer Stadt, ihr Parlament und ihre Regierung neu. Eine Umfrage von Isopublic für den Tages-Anzeiger legt Verluste für die SP und Gewinne für die Grünen resp. Grünliberalen nahe.

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Die Wahlabsichten – 2 Wochen vor der Wahl bei 1002 Personen, die sich an den Behördenwahlen beteiligen wollen, publiziert – weisen die Grünliberalen bei der Gemeinderatswahl als Sieger der Parlamentswahlen aus. Sie können mit rund 6 Prozent der Stimmen rechnen und damit ihren Wähleranteil verdoppeln. Sie wäre damit neu die Nummer 6. und den Stadtzürcher Parteien. Zulegen könnte vielleicht auch die SVP, die sich gemäss Umfrage auf 19 Prozent steigern und so den zweiten Platz sichern würde. Die eigentliche Verliererin der Wahl wäre die SP, die bei 29 Prozent einpendeln könnte. Trotz eines Verlustes von knapp 5 Prozentpunkten bliebe sie klar die stärkste Partei im der Legislativ. Ebenfalls verlieren würde die FDP, die es auf knapp 14 Prozent bringen würde, den dritten Platz aber behielte.

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Bei den Stadtratswahlen ergibt sich ein ähnlicher Trend. Die SP, seit längerem mit 4 Sitzen in dern 9köpfigen Exekutive vertreten, risikiert einen Sitz einzubüssen, der an die Grünen gehen könnte. Das Verhältnis der beiden Lager bleibe so aber gewahrt: 5 Rotgrüne stünden 4 Bürgerlichen gegenüber, und die SVP würde erneut aussen vor bleiben. Die grösste Unbekannte ist hier das absolute Mehr. Denn es ist nicht auszuschliessen, dass nur die ersten sechs die Wahl auf Anhieb schaffen werden, und je ein Vertreter der SP, der FDP und der Grünen in den zweiten Wahlgang müssen. Das könnte für die SVP, aber auch für die SP zur Chancen werden, sie zu verbessern.

Bei der Bestätigungswahl für das Stadtpräsidium liegt die Amtsinhaberin Corine Mauch eindeutig vorne.

Die Umfrage, diese Woche veröffentlicht, ist nicht mehr tauschfrisch. Sie wurde zwischen dem 29. Janaur und dem 17. Februar 2010 erhoben. Im Schnitt ist das einen Monat vor der Wahl oder 14 Tage vor der Veröffentlichung. Damit handelt es sich eher um eine Analyse der Ausgangslage, denn des Ergebnisse am Wahltag.

Einkommen, Vermögen und politische Partizipation

Seit 1980 gibt es in zu Berner Lokalwahlen eine WählerInnen/Nicht-WählerInnen-Statistik. Seit 2008 liegt diese nun verknüpft mit Einkommens- und Vermögenswerten vor. Der Einfluss der Schicht auf die politische Partizipation wird erstmals gut sichtbar.

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Bei den Gemeinderatswahlen 2008 in der Stadt Bern beteiligten sich 51,5 Prozent der Wahlberechtigten. Damit stieg die Wahlteilnahme wie im landesweiten Mittel wieder etwas an.

Die neuste Publikation des Statistischen Amtes der Stadt Bern eindeutig: Je mehr eine Person Steuern zahlt oder Vermögen hat, desto eher beteiligte sie sich an den Gemeindewahlen. Personen, die nichts verdienen, nahmen zu 35 Prozent teil; Personen mit mehr als eine halben Million Franken Einkommen wählten zu 82 Prozent. Beim Vermögen wiederholt sich dasselbe Bild. Millionäre wählten mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent; Menschen ohne Vermögen mit einer halb so hohen. Das bestätigt Stichprobenerhebungen auf Befragungsbasis, liegt nun aber amtlich nachgezählt vollständig vor.

Die Abhängigkeit der politischen Partizipation von sozio-ökonomischen Merkmalen kann als Teil der gesellschaftlichen Integration verstanden werden, welche die Wahlbeteiligung bekanntlich positiv beeinflusst. So gilt, dass die Beteiligung mit der Aufenthaltsdauer in der Stadt zunimmt. Erst nach 20 Jahren in der Stadt verflacht dieser Effekt. Auch Verheiratete nehmen häufiger teil, wenn es um die Bestellung der Stadtbehörden geht. Ein neues Phänomen gibt es aber: Am höchsten ist die Wahlbeteiligungsrate bei den eingetragenen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.

Im Uebrigen bestätigt die Auswertung Bekanntes zur Wahlteilnahme nach Geschlecht und Alter. Am höchsten ist sie bei den 65-69jährigen. Zwischen den Geschlechtern vergrössert sich die Differenz, je älter die Personen sind. Insgesamt. Nehmen Männer um 5 Prozentpunkte mehr teil als Frauen.

Für die Mobilisierung durch Parteien besonders interessant ist die räumliche Verteilung. Im (bürgerlichen) Kirchenfeld liegt die Beteiligung über 65 Prozent. Im Stöckacker und in Bethlehem, gebieten die rasch gewachsen sind, gehen dagegen weniger als 40 Prozent der Wahlberechtigten wählen. Hier liegt das grösste Reservoir an möglichen Stimmen.

An der Grenze der Bi-Polarisierung angelangt

12 Parlamente hat der Kanton Zürich auf Stadtebene. Die Ergebnisse können als Indikator für die Entwicklung der Parteistärken im urbanen Raum gesehen werden. Demnach war 2002 das Jahr der Bi-Polarisierung zwischen SVP und SP, während seither Trends zur Neuformierung der Mitte vorherrschen.

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Konsequente Verliererin der beiden letzten kommunalwahlen war die FDP. Sie verlor 2002 und 2006 Sitzanteile, kam das letzte Mal noch auf knapp 15 Prozent. Regelmässig zulegen konnte die politische Mitte. Die CVP (knapp 10%), die GP und die EVP (je zirka 7 %). Schwankende Ergebnisse kannten SP und SVP.

Die Bi-Polarisierung der Zürcher Parteienlandschaft kannte 2002 ihren Höhepunkt. Die SVP überflügelte die SP, obwohl beide Parteien gewannen. 2006 gehörten sie mehrheitlich zu den Verliererinnen, bleiben aber mit je rund 26 Prozent an der Spitze.

Letzteres hat sich auf dei Erfolge der Parteilosen abgefärbt. 2002 war gar nicht ihr Jahr. 2006 legten sie indessen bereits wieder zu. Jede(r) 11. ParlamentarierInnen gehört aktuell hierzu.

Die Uebersicht, vermittelt vom Statistischen Amt des Kantons Zürich, gibt die Trends der unmittelbaren Vergangenheit in den urbanen Regionen wieder. Zwar werden sie nicht nach Bevölkerungsgrösse der Städte gewichtet, nur nach Parlamentsgrösse. Deshalb sind die Werte selber mit Vorsicht zu verwenden. Die Tendenzen dürften davon nicht direkt betroffen sein.

Politisch gesprochen heisst das, die Grosswetterlage von der Polarisierung aus den 90er Jahren hin zur Formierung der Mitte verändert hat. Das könnte sich mit dem Auftritt insbesondere der Grünliberalen bei den diesjährigen Wahlen noch verdeutlichen. Denn politische sind sie wohl leicht links der Mitte, faktisch aber dem Zentrum zuzuordnen.

Oder sieht jemand noch neuere Trends aufkommen, die in Zürich Marken auf dem Weg bis 2011 setzen könnten?

Wählen mit 16 – eine wissenschaftliche Bilanz der österreichischen Erfahrungen

2007 führte Oesterreich bundesweit das Wahlrechtsalter 16 ein. Die Vorverlegung der Nationalratswahlen 2010 auf 2008 verlieh der Neuerung besondere Dynamik, kamen die jungen BürgerInnen ziemlich unvorbereitet zu ihrem europäischen Privileg. Eine Evaluierung hält nun Stärken und Schwächen der Aktion fest.


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Die Nachwahlanalyse “Wählen mit 16″, von Ulrike Kozeluh im Herbst 2008 realisiert, liegt zwischenzeitlichen in einer handlichen Fassung von Flooh Perlot und Martina Zandonella kommentiert vor. Sie lässt zwei Schlüsse zum grossen Thema “Jugend und Politik” zeichnen sich ab: Das Interesse von Jugend und Politik wird von den ForscherInnen auf der generellen Ebene bejaht, aber doppelt differenziert:

Erstens, Jugendliche ab 16 Jahren sind keine einheitliche Gruppe. Sie müssen in SchülerInnen und Erwerbstätige unterteilt werden. Denn das entscheidet über das politische Interesse, den Informationsstand und die Einstellungen. Insbesondere zeigen Jugendliche, die arbeiten, eine grössere Distanz zur Politik, dafür eine grössere Nähe zu autoritären Denkmustern. In Zuwanderungs- und Islamfragen reagieren sie auffällig geschlossener als Gleichaltrige, die noch zur Schule gehen.

Zweitens, Politik per se gibt es nicht. Sie muss in die Bereiche der Parteienpolitik und Gesellschaftspolitik differenziert werden. Ersteres ist bei Jugendlichen insgesamt schlecht angeschrieben, stösst auf Skepsis und mobilisiert Klischees. Medial vermittelt, verringern sie die Bereitschaft, sich politisch engagieren zu wollen nicht, lassen aber Parteien und Wahlen als Plattform hier als unattraktiv erscheinen.

Ausweichend könnte man sagen, die Ergebnisse seien durch die Umstände der Einführung des Wahlrechtsalters 16 mitbeeinflusst. Die AutorInnen erwähnen das zwar in der Einleitung, in den Schlussfolgerungen sind sie aber deutlicher, werfen sie doch Fragen auf wie Politik ausserhalb der Schule kognitiv und emotional adäquat vermittelt werden kann. Denn die Jugendlichen, die 2008 erstmals politisch mitbestimmen konnten, melden selber gewisse Zweifel zu ihrer politischen Reife an.

Mit Blick auf die Schweiz heisst das, dass Entscheidungen zur Senkung des Stimm- und Wahlrechtsalters wie im Kanton Glarus beschlossen pädagogisch begleitet werden sollten. Abgeschwächt, richtungsmässig aber gleich gilt dies aber für jede Erwartung, dass sich junge Menschen in die Politik einmischen sollten.

Schade, dass die Austria-Studie den Komplex der politischen Sozialisierung via Internet weitgehend ausklammerte. Eine analoge Untersuchung in der Schweiz müsste wohl genau da beginnen!

Quelle: F. Perlot, M. Zandonella: “Wählen mit 16 – Jugendliche und Politik in Oesterreich”, in SWS-Rundschau, 4 / 49 (2009)

Piratenpartei kandidiert bei den Berner Wahlen erstmals für ein Kantonsparlament

“Der Wahlkampf im Kanton Bern ist eröffnet! Wir haben Listen in den Wahlkreisen Bern, Mittelland Nord und Süd, Biel-Seeland, Thun und Berner Jura. Wir suchen Piraten, welche im Kanton Bern wohnen, dort Wahlrecht haben und auf eine Liste möchten. Natürlich sind wir auch allgemein über jede Hilfe dankbar.”

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Kandidierendenrekord bei den Berner Grossratswahlen 2010: erstmals ist auch eine Liste der Piratenpartei dabei (Quelle: Der Bund)

Diesen Aufruf stellten die Berner Piraten jüngst ins Netz. Damit kommt es in der Schweiz in Bern erstmals zu einer kantonalen Parlamentswahl mit Beteiligung der Piratenpartei.

Entstanden ist die Piratenpartei 2006 in Schweden, als die Polizei den Server der Internettauschbörse «Pirate Bay» beschlagnahmte und gegen die Betreiber ein gerichtliches Verfahren einleitete. Die Wirkung war unerwartet: Statt eingeschüchtert zu reagieren, entstand eine Bewegung unter Internet-NutzerInnen. Zwischenzeitlich haben die Piraten Ableger in mindestens 15 meist europäischen Ländern.

Bei den Europawahlen im Sommer 2009 eroberte die Piratenpartei in Schweden 7 Prozent der Stimmen und ein Mandat in Strasbourg. In Deutschland kamen sie auf 2 Prozent, scheiterten aber an der 5 Prozent Hürde. Die Parteigründung in der Schweiz ist eine unmittelbare Auswirkung der deutschen Wahlen im Herbst 2009. Erster Parteipräsident ist der Berner Informatikstudent Denis Simonet.

Erste Analysen in Deutschland zeichneten schon mal ein Profil der denkbaren Wählerschaft: Ansgar Wohlsing, der das Phänomen für die Uni Mannheim untersuchte, sieht die jungen, männlichen Wähler, die sich vor allem und eifrig über das Internet über Politik informieren als Kern. In dieser Zielgruppe erreichten die deutschen Piraten 2 von 5 Personen. Schwer hat es die Partei dagegen bei Frauen und bei über 40-jährigen. Im deutschen Koordinatensystem ergaben sich thematische Nähen vor allem zu den Grünen, beschränkt auch die FDP und SPD, kaum aber zur CDU/CSU.

Nach eigenen Angaben hat die Piratenpartei Schweiz heute gut 600 vereinsrechtlich eingetragene Mitglieder. 6 mal mehr sind es in der entsprechenden Facebook-Gruppe. Das Programm ist erst im Entstehen begriffen. Es zirkelt um das Potenziel von Internet, das Freiheit und Demokratie beleben soll. Hoch im Kurs stehen Transparenz im Staat, Förderung von Open-Access-Software und Bildung ohne Einschränkungen. Im Links/Rechts-Spektrum will man sich nicht so genau verorten, um keine potenziellen AnhängerInnen, Mitglieder oder KandidatInnen zu verscheuchen.

Die NZZ von morgen nimmt das parteipolitisch schwer fassbare, individual-liberale Phänomen jedenfalls erst; unter dem Titel Angriff der Internetgeneration schreibt sie: “Noch fehlt es der politischen Botschaft an Intensität und der Bewegung an Kraft. Dass sich die Piraten bis anhin vor allem monothematisch profilieren, sollte indessen nicht zu voreiligen Schlüssen verführen: Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Einthemenpartei die politische Landschaft ins Rutschen bringt.”

Der Berner Bär wählt – mit Interesse über den Bärenpark hinaus

Mehr und mehr klärt sich die Situation vor den Berner Regierungs- und Grossratswahlen vom 28. März 2010. Aus mehreren Gründen kommen
diesen Wahlen kantonale und nationale Signalwirkungen zu.

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Neue Wahlkreise für die Grossratswahlen machen die Einschätzung der Berner Kantonalwahlen 2010 unsicherer.

Ausgangslage bei den Regierungsratswahlen
Rot-Grün will die Mehrheit in der Kantonsregierung verteidigen. SP und Grüne haben ein Wahlabkommen unterzeichnet und empfehlen die bisherigen 4 RegierungsrätInnen wechselseitig. Bei den Grossratswahlen gehen sie Listenverbindungen ein. Die Grünen erwägen, im Einzelfall auch mit den Grünliberalen Verbindungen zu schliessen.

Im bürgerlichen Lager ist die Blockbildung erschwert, denn es gibt verschiedene Wege zur Wende im Regierungsrat. SVP will auf jeden Fall den Lead auf der rechten Seite und empfiehlt die BDP-Kandidatin nicht. Eine Allianz mit der FDP reiche für den Mehrheitswechsel. Doch der Einzelgang kann zu drei oder vier Sitzen in der Exekutive führen. Bei drei ist es möglich, dass die SVP zwei, die FDP einen und die BDP keinen hat. Denkbar ist auch, dass alle drei Parteien wie bisher je einen bekommen. Bei vier Sitzen dürfte der Gewinn über den speziell berechneten Jura-Sitz erfolgen und an die FDP gehen. Zwei SVP, zwei FDP sind dann wahrscheinlich; 2 FDP und je eine SVP und BDP nicht ganz auszuschliessen.

Letzte Vorbereitungen bei den Grossratswahlen
In der Regel nehmen nur gut 30 Prozent der Wahlberechtigten an den kantonalen Wahlen teil. Schon kleinere Zusatzbeteiligung können die Parteiengewichte nachhaltig durcheinander bringen. Deshalb wird es, wie schon 2006 um die Mobilisierung der Wählerschaft gehen. 2006 verloren die SVP, die SP und die FDP, während die Grünen, die EVP und beschränkt auch die CVP zulegten.

Achten wird man sich vor allem auf die BDP und Grünliberalen. Wo sie bei den jüngsten Gemeindewahlen antrat, machte sie vorwärts. Sie brachte es minimal auf 5 bis 10 Prozent, maximal auf fast 20 aus dem Stand heraus. Kantonal ist ein tiefer, zweistelliger Wert beim Wähleranteil denkbar. Dabei ist unklar ist, auf wessen Kosten das geht. Bei den kommunalen Wahlgängen bekam man den Eindruck, dass sich die SVP trotz BDP meist recht gut hielt, während im bürgerlichen Zentrum verschiedene Gruppierungen, meist aber die FDP, die Zeche bezahlten. Diese ist zwischenzeitlich bürgerlichen Listenverbindungen gegenüber skeptisch, will solche entweder mit allen oder mit niemandem. Letzteres würde der Eigenprofilierung am meisten wünschen.

Mit Veränderungen in den Wahlentscheidungen ist vor allem auch Mitte-Links zu rechnen. Die Grünliberalen haben sich namentlich in den grossen Städten platzieren können. Sie erreichen da schnell einmal 5 und mehr Prozent der Stimmen. Kantonal dürfte der Wert indessen tiefer liegen, weil sie auf dem Land kaum vertreten sind. Dabei machte es auf komunaler Ebene eher den Eindruck, das gehe zu Lasten der SP als der Grünen. Ein Teil der Wählenden stammt aber auch aus dem Zentrum, wo man sich selber am liebsten sieht.

Die Signifikanzen der Wahlen

Das nationale Interesse an den Berner Kantonalwahl ist mehrfach: Zunächst geht es um das Abschneiden der BDP in einem der drei Gründungskantone. Bei den Regierungsratswahlen ist sie in der Defensive, bei den Grossratswahlen dürfte sie Wahlsiegerin werden. Das ist denn auch der Hauptgrund, weshalb die SVP ihre Wahlziele aus der eigenen Optik definiert hat und mit einer frühzeitig lancierten Kampagne bereits zum Jahres die Aufmerksamkeit auf sich ziehen will. Nach der leichten Trendwende bei den Nationalratswahlen 2007 könnte eine Schwächung der Berner SVP ihre Position in der SVP Schweiz mindern, ja das Winner-Bild der SVP Schweiz trüben.

Man wird Ende März auch auf das prekärer gewordene Verhältnis zwischen Rot und Grün schauen. Bei den Regierungsratswahlen sind die Aussichten vorhanden. Die neue SP Schweiz-Führung kündigte an, ab 2010 wieder zur Siegerpartei werden zu wollen. Da sind die Wahlen in der Stadt Zürich und im Kanton Bern der Momente des Tatbeweise. Ohne das dürfte der Konkurrenzkampf zwischen SP und Grünen mit Blick auf 2011 klar zunehmen. Die Grünen, die erstmals seit 1990 wieder als Regierungspartei antreten, sehen sich durch die gemässigteren Grünliberalen herausgefordert – auch das ein Signal für die nationalen Wahlen 2011.

Der Berner Bär wählt also, und man schaut auch ausserhalb des Bärenparks genau hin!