Archive for the 'Linkbesprechungen' Category

politReport spiegelt die Schweizer e-Medien

“Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der h√§ufigst zitierte Politiker im ganzen Land?” So etwa lautet das Motto des neuen politReport zur Schweizer Politik im Internet.

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Präsenz der BundesratskandidatInnen in den Schweizer e-Medien gemäss politreport.

Seit diesem Jahr gibt es auf dem Web eine neue Dienstleistung zu Politik und Medien. Urspr√ľnglich f√ľr Deutschland konzipiert, existiert auch in der Schweiz ein Ableger der politReports. Seit Fr√ľhling 2009 ist die Kommunikationsagentur Furrer.Hugi&Partner in Bern Partner des Projekts, und j√ľngst verk√ľndete NZZ-Online, mit politReprot zu kooperieren.

Laufend ausgewertet werden rund 800 Schweizer Online-Medien und politische Blogs. Täglich um 6 Uhr kann man den neuen Parteien-Index abrufen, welcher die e-Präsenz der schweizerischen Parteien und ihrer Präsidenten aufzeigt.

Momentan dreht sich alles um die Ersatzwahl in den Bundesrat. Das entsprechende Kandidaten-Rating belegt den Eindruck, dass es an √ľbergeordneten Trends in der Medienpr√§senz noch fehlt. Pascal Broulis, Dominique de Bumann, Fulvio Pelli und Urs Schwaller waren seit den Sommerferien die am meisten diskutierten Kandidaten. Aufgestiegen sind sie in der Zitierung mit der Ank√ľndigung ihrer Kandidatur; doch hat sich danach keiner wirklich ganz oben halten k√∂nnen.

Gerne h√§tte man neben der Pr√§senz von PolitikerInnen auch eine quantitative Analyse der Bewertungen in den e-Medien gehabt. Denn das macht solche Instrumente √ľber die eher zweifelhafte PR-Binsenwahrheit hinaus interessant, es egal sei, wie man dargestellt werde; Hauptsache man komme vor. Wie schnell Pr√§senz ohne eigene Botschaft die Fremdkritik entscheidend wird, musste beispielsweise Fulvio Pelli in den letzten 10 Tagen erfahren.

Claude Longchamp

Erster Wirtschaftsatlas der Schweizer Kantone

BAK Basel veröffentlichte heute ihren neuen Wirtschaftsatlas der Schweiz. Er erlaubt, zentrale volkswirtschaftliche Daten auf kantonaler Basis nachzuschlagen, die es bisher kaum gab.

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Der Kanton Z√ľrich tr√§gt am meisten zum Bruttoinlandprodukt der Schweiz bei. An zweiter Stelle steht der Kanton Bern, gefolgt von der Waadt, von Genf, vom Aargau und von St. Gallen. Am Ende befinden sich Appenzell-Innerrhoden, Obwalden, Uri, Nidwalden und Glarus. Bezogen auf EinwohnerInnen liegen Baselstadt und Zug ganz vorne, und es ist wiederum Appenzell Innerrhoden, diesmal gefolgt von Fribourg ganz hinten.

Der neue Wirtschaftsatlas gibt indessen nicht nur zum Bruttoinlandprodukt der Schweizer Kantone eine Uebersicht. Er enthält auch Angaben zu Erwerbstätigen, zur Verteilung der Wirtschaftsektoren nach Gliedstaaten, und wie sich die alte und neue Oekonomien in ihnen entwickelt.

Aufdatiert ist in der ersten Ausgabe alles bis und mit 2008. Doch sind auch zur√ľckliegende Werte greifbar, sodass Ver√§nderungen vor und w√§hrend der aktuellen Krise abgesch√§tzt werden k√∂nnen.

Das f√ľhrt denn auch zu teilweise √ľberraschenden Schl√ľssen. So ist im Jahresvergleich die Wirtschaft in den Kanton Jura und Neuenburg am meisten gewaschen, weil sie krisenresistente Branchen wie Uhren und Investitionsg√ľter haben. Derweil haben Z√ľrich und Genf – die beiden grossen Finanzpl√§tze – am wenigsten dazu beigetragen.

Wer aktuelle Trends und Strukturdaten zu den Regionen in der Schweiz auf kantonaler Basis braucht, wird hier auf dem Web in Vielem erstmals in n√ľtzlicher Frist f√ľndig.

Claude Longchamp

Wider die Negierung der Ethik des Marktes

Die √∂ffentliche Kontroverse √ľber Wirtschaftsethik, die von Ulrich Thielemann an der Universit√§t St. Gallen entfacht wurde, geht weiter. Es schaltet sich via Weltwoche auch das Liberale Institut aus Z√ľrich ein und verteidigt die Ethik des freien Marktes.

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Pierre Bessard, Direktor des Z√ľrcher Liberalen Instituts, sieht im freien Markt den besten Garanten f√ľr ethisches Handeln.

Mit Verve vertritt Pierre Bessard, neuer Direktor des Liberalen Instituts wortreich die These, der freie Markt sei die umfassendste moralische Institution des Menschen √ľberhaupt. Denn nur der freie Markt respektiere die individuelle Eigentumsrechten, weil hier in jeder nur mit seinem Wissen, seinem Geld, kurz: mit seinen Produktionsfaktoren handeln k√∂nne.

Die unversale Ethik des Marktes setze sich, f√§hrt Bessard fort, immer und √ľberall durch, – selbst wenn sie unterdr√ľckt werde. Deshalb entst√ľnden mit dem freien Markt √ľberall Werte wie Ehrlichkeit, Zuverl√§ssigkeit, Friedfertigkeit, Gerechtigkeit – und Effizienz.

Bessard h√§lt den Markt f√ľr die gr√∂sst m√∂glich denkbare menschliche Gemeinschaft √ľberhaupt, verbunden durch das Netzwerk des Tasuches. Die Wahlfreiheit der Konsumenten sei es, welche den Anbieter diszipliniere. Wer unehrlich oder r√ľcksichtslos tausche, setze sein Verm√∂gen aufs Spiel.

Mit der Ausbreitung des Marktes, folgert der liberale Vordenker, zivilisiere auch die Welt. Der Wettbewerb löse den Kampf ab. Deshalb bringe der freie Handel auch Frieden, im Binnenmarkt, wie auch international.

“G√§be es einen Freidensnobelpreis f√ľr Ordnungen und Institutionen, keine h√§tte ihn so sehr verdient wie der freie Markt”, empfiehlt sich Pierre Bessard als Verk√ľnder der Wahrheit selber. Denn er unterl√§sst es nicht, gegen die Universit√§ten zu polemisieren, denen nicht nur ein fundiertes Verst√§ndnis des freien Marktes abhanden gehe. Man sei an Schweizer Hochschilen auch versucht, sich gerade mit Wirtschaftethik dem gr√∂ssten Produzenten von Ethik, dem Markt an sich, zu entziehen.

Ohne Zweifel, klare Worte, mit klaren Absichten, die nicht nur geh√∂rt, sondern auch kommentiert werden d√ľrften.

Claude Longchamp

Diagnosen f√ľr die Welt nach dem amerikanischen Zeitalter

Wie entwickelt sich die Welt? Ueber die Wirtschaftskrise hinaus, stellt sich die Frage, welche Rolle die USA insk√ľnftig einnehmen werden. Denn allgemein rechnet man mit dem wirtschaftlichen und politischen Aufstieg Asiens. Weniger eindeutig sind die Haltungen dagegen, wenn es um die Frage geht, wie sich die f√ľhrende, aber angeschlagene Weltmacht hierzu stellen wird. Zwei typische Beispiele hierzu.

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“Der Aufstieg der Andern. Das postamerikanische Zeitalter” heisst der Bestseller von Fareed Zakarias, der im Sommer 2008 in den Staaten, anfang 2009 auch in der deutschen Uebersetzung von Thorsten Schmidt erschien, und seither so etwas die Basis der Analyse in einer multipolaren Welt gilt.

¬ĽGoodbye, America¬ę, lautet der etwas bittere Refrain von Fareed Zakaria, dem in indischen Bombay geborenen Politikwissenschafter der Harvad University. Dennoch bleibt der Chefredaktor von Newsweek International und regelm√§ssige Kommentator auf CNN zuversichtlich.

F√ľr ihn ist zwar klar, dass eine epochalen Machtverschiebung stattfindet. Nach dem Siegeszug der westlichen Rationalit√§t zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert und dem kometenhaften Aufstieg Amerikas im 19. und 20. Jahrhundert durchl√§uft die Welt gerade eine dritte Phase. Sie erlebt das Ende der amerikanischen Vorherrschaft und den ¬Ľrise of the rest¬ę, den Aufstieg der √ľbrigen M√§chte.

“The Post-American World” heisst das Buch im Amerikanischen, das bewusst das Wort vom Niedergang vermeidet, denn es will dem offensichtlichen Machtverlust der USA eine Pointe abgewinnen: ¬ĽGlobalisierung der Welt ‚Äď das war die amerikanische Vision¬ę, und davon hhaben andere L√§nder profitiert und den Anschluss geschafft, vor allem China und Indien.

Fareed Zakaria hat offensichtlich Sympathien f√ľr die Demokraten von Barack Obama. Er ist √ľberzeugt, Amerika werde seine Krise meistern, sobald es die Spaltung der Gesellschaft √ľberwunden habe. Aussenpolitisch gibt er Obama den Rat, sich um die ¬ĽEinbeziehung der aufsteigenden L√§nder¬ę k√ľmmern und die neuen Gro√üm√§chte China und Indien so weit integrieren, bis diese aus eigenem Interesse die globale Ordnung tatkr√§ftig unterst√ľtzten.

H√§rter mit den Amerikanern ins Gericht geht Parag Khanna, ebenfalls aus Indien stammend und Politikwissenschafter in den USA und Grossbritannien. In seinem Buch “Der Kampf um die Zweite Welt” tritt Amerika n√§mlich als gerupfter Riese auf, von einem entfesselten Kapitalismus verunsicherte, im Irakkrieg blamierte Supermacht, die ihren Machtverlust noch gar nicht begriffen hat. Selbst wenn das Land unver√§ndert die konkurrenzf√§higste Volkswirtschaft der Welt habe, schreibt Khanna, sei die politische Macht l√§ngst neu verteilt worden: Asien wird ‚Äď mit oder ohne Amerika ‚Äď das 21. Jahrhundert gestalten.

Folgt man Khanna, wird die Welt k√ľnftig von drei Imperien beherrscht werden, von den Vereinigten Staaten, von China und von der Europ√§ischen Union, w√§hrend Russland keine entscheidende Rolle spiele, weil dessen Volkswirtschaft nichts Nennenswertes zustande bringe. Auf Khannas Landkarte geh√∂rt Russland deshalb zur Zweiten Welt, genauso wie der Nahe Osten, Lateinamerika und Afrika. Hier, in der Zweiten Welt, tobt nach Khanna der Kampf um Einflusszonen, und hier entscheide sich, wie viel Macht die geopolitischen Machtsph√§ren in die Waagschale werfen k√∂nnen.

Die beiden Thesen sind hilfreich, das aktuelle Verhalten der Grossm√§chte zu analysieren. N√ľtzlich sind hierf√ľr auch die beiden B√ľcher, welche die generelle Sichtweise ausf√ľhren. Ihre Lekt√ľre sei empfohlen, nicht zuletzt auch, um den Wandel der politikwissenschaftlichen Perspektiven, die unter der Bush-Administration und dem Schlagwort des Kampfes der Kulturen galten, zu realisieren.

Claude Longchamp

Fareed Zakaria: Der Aufstieg der Anderen. Das postamerikanische Zeitalter, M√ľnchen 2009
Parag Khanna: Der Kampf um die zweite Welt. Imperien und Einfluss in der neuen Weltordnung, Berlin 2008

youtube statt Aepfel

Meinungsbildung ist das Eine, Mobilisierung das Andere. Denn nur eine abgegebene Stimme kann eine gute Stimme sein. Diesmal verteilen die Bef√ľrworterInnen der Personenfreiz√ľgigkeit keine Aepfel an Stadtmenschen, um zu gewinnen. Sie setzen dem Zeitgeist folgend auf youtube, um mit Ironie die Bankgesellen von ihrem Bildschirm an die Urne zu bewegen.

Das sagt sich die Schweizerische Bankiervereinigung. Sie liess einen Clip produzieren und ins Netz stellen, der sich wie auch andere Aktiviten von Bankersvote ganz besonders an die Banker richtet. Leider sei ihm beim Ausf√ľllen des Stimmzettels die Tinte ausgegangen, und seine Kollegen h√§tten momentan auch nichts Fl√ľssiges, lamentiert ein Bankangestellter auf der Z√ľricher Bahnhofstrasse. Der Clip kontert die Ausrede: Man m√ľsse schon bessere Gr√ľnde haben, um sich an der Volksabstimmung vom 8. Februar 2009 nicht zu beteiligen.

Das Video auf www.youtube.com nimmt einen in Umfragen gut bekannten Sachverhalt auf. Mehr Menschen, die befragt wurden, habe in der Sache eine Meinung, als effektiv Stimmen gehen. Trotz erleichterter Stimmabgabe via Post. Sie sollen mobilisiert werden!

Produziert wurde das Video von der Agentur von Campaigner Peter Metzinger. Schon 2005 erhielt er von der bef√ľrwortenden Seite der Personenfreiz√ľgigkeit den Auftrag, etwas zur Aussch√∂pfung der Stimmberechtigten zu unternehmen. Damals stimmten wir in dieser Sache im September ab; die Aepfel an den B√§umen standen in voller Bl√ľte und wurden Zentnerweise unter die urbanen Leute verteilt, um sinnlich f√ľr die Personenfreiz√ľgigkeit zu werben. Diesmal ist es deutlich k√§lter in der Schweiz, die am 8. Februar 2009 √ľber das gleiche Thema entscheidet. Das d√ľrfte die Kampagnenaktionisten dazu gef√ľhrt haben, via Internet zu mobilisieren.

Claude Longchamp

B√∂rsianer und Personenfreiz√ľgigkeit

Abstimmungsbörsen auf Internet geben nicht nur die Erwartungen der Händler zum wahrscheinlichsten Abstimmungsausgang wieder. Sie folgen den Ergebnissen veröffentlichter Umfragen, ob diese real oder fiktiv sind. Das mindert den Wert von Wahlbörsen als unabhängige Abstimmungsprognosen erheblich.


Quelle: Wahlfieber zur Personenfreiz√ľgigkeit

Seit l√§ngerem gibt es auf Internet auch zu politischen Themen der Schweiz die Rubrik “Wahlfieber”. Die Chancen von Bundesr√§ten gew√§hlt zu werden oder von Abstimmungsvorlagen durchzukommen, werden dabei wie an Aktienm√§rkten gehandelt. Sie entstehen zwischenzeitlich weltweit Prognosen dazur, was die Erwartungshaltung der anonymen H√§ndler sind.

Gestern abend 17 Uhr erschien die erster der beiden SRG-Umfragen zur Volkabstimmung vom 8. Februar 2009 zur Personenfreiz√ľgigkeit. Das Hauptergebnis lautete: 49 Prozent sind bestimmt oder eher daf√ľr, 40 Prozent bestimmt oder eher dagegen. 11 Prozent der beteiligungswilligen B√ľrgerInnen sind unentschieden.

Die Ver√∂ffentlichung des Ergebnisses brachte Bewegung in die Abstimmungsb√∂rse “Wahlfieber”. Der Marktwert der Ja-Aktien stieg postbewendend von 50 auf 54. Jener verringerte sich leicht, von gut 50 auf knapp 50.

In den Tagen zuvor war fast nichts gegangen in der Abstimmungsb√∂rse zur Personenfreiz√ľgigkeit. Der Wert der Nein-Aktie lag meist leicht √ľber dem des Ja-Papiers. Die letzte wirkliche Bewegung hatte es an Weihnachten gegeben. Damals schnellt der die Nein-Aktie auf √ľber 53, ihrem bisher h√∂chste Wert, w√§hrend die Ja-Aktien vor√ľbergehen einen Wert von 48 notiert. Vorausgegangen war damals die Publikation einer Umfrage durch den “Blick”. Die Werte, die genannt wurden (40 daf√ľr 50 dagegen, 10 unentschieden), erwiesen sich nachtr√§glich als erfunden.

Was lernt man daraus? Abstimmungsb√∂rsen wurden eingef√ľhrt, weil man annimmt, dass eine gen√ľgend grosse Zahl von H√§ndlern, die auf den Ja- resp. Nein-Anteil wetten, den Einfluss individueller Pr√§ferenzen auf den erwarteten Abstimmungsausgang verringern. Das ist m√∂glicherweise auch der Fall. Doch die H√§ndler an der Politb√∂rse lassen sich insgesamt durch die gleichen Ereignisse beeinflussen. In erster Linie durch Umfragen in Massenmedien, und zwar unabh√§ngig davon, ob die Ver√∂ffentlichungen auf realen oder fiktiven Erhebungen basieren.

Das relativiert den Wert von Wahlbörsen als unabhängige Prognose-Instrumente doppelt!

Claude Longchamp

swissvotes – die neue Datenbank zu Schweizer Volksabstimmungen

Gerade rechtzeitig fertig geworden, um am Kongress der Schweizer Politologen präsentiert werden können, ist die neue Abstimmungsdatenbank www.swissvotes.ch.

Entstanden ist die neue Datenquelle am Institut f√ľr Politikwissenschaft der Universit√§t Bern als Frucht mehrerer Forschungsprojekte unter der Leitung von Wolf Linder. Christian Bolliger, ein junger Schweizer Politikwissenschafter, der eine vorz√ľgliche Dissertation zu politischen Parteien und Volksabstimmungen verfasst hat, zeichnet f√ľr den Aufbau der Datenbank verantwortlich; Yvan
Rielle und Dominik Wyss halfen bei der Entstehung der neuen Fundgrube zu Volksabstimmungen. Denn sie enth√§lt erstmals zu allen eigen√∂ssischen Volksabstimmungen seit 1848 in der Schweiz …

… Eckdaten zum Typ der Vorlage und dem Thema, zur Urheberschaft und der Anzahl der gesammelten Unterschriften,
… Meilensteine des politischen Entscheidungsprozess und die dazugeh√∂rigen Quellen,
… Abstimmungsempfehlungen von Bundesrat und Parlament sowie von Parteien und Verb√§nden,
… Abstimmungsergebnisse der Gemeinden, Bezirke und Kantone als Tabellen oder Karten zum Herunterladen,
… Originalquellen und Verweise auf die Protokolle des Parlaments, die Botschaften des Bundesrates und weiterf√ľhrende Literatur,
… Beschriebe aller Abstimmungen seit 1966 des Jahrbuchs Schweizerische Politik (Ann√©e Politique Suisse) und
… Grundlageninformationen zur Geschichte der Volksrechte oder zur Entwicklung der Parteien und der Verb√§nde.

F√ľndig wird hier nicht nur, wenn Informationen sucht, sondern auch Daten beziehen will. Der gesamte Datensatz, welche der Datenbank zugrunde liegt, steht f√ľr die Forschung zur freien Verf√ľgung. Das Ganze ist handlich, und wird sich hoffenlich schnell in der Forschung durchsetzen.

Nur eines vermisse ich auch hier: eine Dokumentation zu Abstimmungsk√§mpfen, die es √§hnlich wie ballotpedia in den USA erlauben w√ľrde, eine Geschichte der politischen Abstimmungskommunikation zu entwerfen.

Schade auch, dass diese Innovastion am Kongress nur auf der Leinwand beim Kaffee pr√§sentiert wurde, und niemand der Wert dieser neuen Quelle f√ľr historische und politologische Forschung in einer Session in Evidenz brachte!

Claude Longchamp

www.ballotpedia.org: beispielhafte Abstimmungsdokumentation 2.0

Knapp 1500 Freiwillige machen in den USA vor, wie Abstimmungsdokumentation 2.0 aussieht. In weniger als zwei Jahren haben sie mit ballotpedia das Referenzprojekt f√ľr die lokale direkte Demokratie geschaffen, dem man ein schweizerisches Pendant w√ľnschen w√ľrde.

Das amerikanische Vorbild
In der Selbstdarstellung ist “ballotpedia” eine freie online Enzyklop√§die, die auf kooperativer Mitarbeit beruht. Sie umfasst im Wesentlichen Volksabstimmungen auf der Ebene von Bundesstaaten, die Ergebnisse, die Akteure, die Kampagnen und das Recht, das die Entscheidungen regelt.

Kooperieren kann jedermann und -frau, der oder die sich registriert. Knapp 1500 Personen haben sich dieser einfachen Prozedur unterzogen. Sie arbeiten, wie man das von wikipedia her kennt, wenn auch nach klareren Vorgaben via Checklisten, was man mitteilen soll und was nicht. Und es gibt eine harte Einschr√§nkung: Wer Vandalismus betreibt, wird f√ľr immer gesperrt.

Begonnen hat das Projekt im Mai 2007. Der innert k√ľrzester Zeit erreichte Stand l√§sst sich sehen: Mehr als 16’000 Artikel sind seither zu Themen wie B√§renjagd in Alaska oder Einwanderungsbestimmungen f√ľr Kubaner in Florida entstanden, sofern dar√ľber abgestimmt worden ist. Berichtet wird, wer f√ľr, wer gegen eine Vorlage ist, was die Argumente der beiden Seiten sind, wie die Kampagnen verliefen, welche Medien wie berichten, wer vielfiel Geld aufgewendet hat und was die Umfragen sagen. Bei zur√ľckliegenden Abstimmungen wird selbstredend das Resultate berichtet, allenfalls auch auf Nachanalysen verwiesen. Erg√§nzt wird das ganze mit Links auf websiten zum Thema, die als Belege und weiterf√ľhrende Informationen dienen.

Und die Schweiz?
Der Schweiz w√ľrde ihr eigenes “ballotpedia” gut anstehen: Die Dokumentationen der Bundeskanzlei beschr√§nkt sich auf eidgen√∂ssische Abstimmungen und umfasst das Kampagnengeschehen nicht. Das gilt auch f√ľr www.ch.ch, der e-government-Plattform von Bund und Kantonen. Die Dokumentation von “c2d” bezieht sich auf Abstimmungen in der ganzen Welt, doch sind die Informationen dazu ausgesprochen knapp gehalten, denn das zentrale Interesse gilt der Institutionenanalyse in der direkten Demokratie.

Gerade f√ľr die Analyse von Prozessen der Meinungsbildung – insbesondere von der Politik- und Kommunikationswissenschaft als zentrale Erkl√§rungsgr√∂ssen f√ľr Volksentscheidungen bezeichnet – fehlt es in der Schweiz eine geeigneten Dokumentation, die aktuell und r√ľckw√§rtig materialgest√ľtzte Untersuchungen zulassen w√ľrde.

Wer macht den Anfang, die L√ľcke im Mutterland der direkten Demokratie zu beheben?

Claude Longchamp

Project syndicate: Quelle der Weltanalyse

2008 hat unter anderem gezeigt, wie interdependent die Welt von heute ist. Genau das stellt die Frage, ob auch unsere Bewusstsein mit dieser Vernetzung mith√§lt. Eine interessante M√∂glichkeit, das zu versuchen, ist die Auseinandersetzung mit dem “project syndicate”.

Die Finanzkrise in den Vereinigten Staaten, aber auch die US-amerikanischen Wahlen haben das Weltbewusstsein bef√∂rdert. Globale Rezession, multipolare Weltordnung sind zu neuen Schlagworten geworden, welche die weltweite Diskussion √ľber Wirtschaft, Politik und Gesellschaft neu lanciert haben.

Wer die Debatten verfolgen will, die in den Zentren der Wissenschaft und der Publizistik rund um den Erdball gef√ľhrt werden, dem sei das “project syndicate” empfohlen. Das Prager Netzwerk, das seit 1995 besteht und sich gegenw√§rtig an 400 Zeitungen in 150 Staaten, die gemeinsame eine Auflage von 50 Millionen Ausgaben haben, wendet, ver√∂ffentlicht seine Analysen und Kommentare seit l√§ngerem auch auf Internet. Zu Wort kommen Fachleute und Nobelpreistr√§ger, Staatsm√§nner und Aktivistinnen, aber auch Philosophen und Gesch√§ftsleute mit internationaler Ausrichtung. Finanziert wird sie von Georges Soros’ “Open Society Foundation” und zahlreichen weitere Stiftungen namentlich aus Europa.

Die Internet-Publikation wird w√∂chentlich (The World in Words) aufdatiert. Rund 20 f√ľhrende DenkerInnen, unter ihnen Chris Patten (vormals EU Kommissar), Joshka Fischer (vormals deutscher Aussenminister), Joseph Stiglitz (Nobelpreistr√§ger f√ľr Oekonomie), Joseph Nye (US-Politologe) oder Naomi Wolf (feministische Aktivistin) kommen mit einer monatlichen Rubrik zu Wort. Uebergeordnete Themen sind der Klimawandel, Wirtschaftswachstum und politische Ordnung, die Menschenrechte und der Islam und die Welt der Islam. Der medinzinische und der technologische Fortschritt werden mit seinen Auswirkungen auf Gesellschaft und Mensch separat thematisiert.

F√ľr mich besonders interessant ist schliesslich die Rubrik “Worldly Philosophers“, die in Kooperation mit dem Wiener Institut f√ľr die Wissenschaften vom Menschen betrieben wird, und sich f√§cher√ľbergreifend, grossen Themen der sozialwissenschaftlichen Analyse widmet.

In der Schweiz sind der L’Agefi, Le Temps und der Tagesanzeiger Mitglieder des Projekts. Dennoch ist es hierzulande zuunrecht unbekannt geblieben. Die Internetausgabe k√∂nnte da Abhilfe schaffen, denn man kann die updates bequem via RSS abonnieren. Zu den grossen Vorteilen dieser Publikation z√§hlt, dass die Beitr√§ge meist gleichzeitig auf Englisch, Arabisch, Chinesisch, Tschechisch, Franz√∂sisch, Deutsch, Spanisch und Russisch erscheinen.

Die Beitr√§ge sind meist pers√∂nlich gehaltene Analyse und Kommentare. Sie verbergen ihre Standpunkte kaum. Als Ganzen l√§sst die Plattform keine eindeutige politische Ausrichtung erkennen, sie ist pluralistisch ausgerichtet. Wer mit seiner Allgemeinbildung zur Welt mit eben deren Entwicklung mithalten will, sei die Lekt√ľre w√§rmstens an Herz gelegt!

Claude Longchamp

Statistik √ľber alles

Statistik ist √ľberall, und doch nirgends. Sie bestimmt und verschwindet. Das soll sich √§ndern. statistia dokumentiert das Denken und Handeln der Deutschen umfassend. Und ist daf√ľr als Innovation des Jahres 2008 auf dem www ausgezeichnet worden.

Schauen Sie Fernsehen? Schlagen Sie ein Zeitung auf? Surfen Sie auf Internet? Ueberall begegnen Sie Grafiken und Prozentwerten, die auf Statistiken basieren. Gehe es um die Belastungen der Haushaltskasse, die beliebtesten Vornamen f√ľr Knaben und M√§dchen oder um die Zeit f√ľr den eigenen Medienkonsum, √ľberall will man Ranglisten haben, Verteilungen kennen, Zielgruppen unterscheiden k√∂nnen. Doch w√§r beh√§lt das die Uebersicht? Wer vergisst nicht gleich alles? Wer hilft einem Bleibendes von Momentanem zu treffen?

Die Antwortet lautet: statista. Tim Kr√∂ger und Friedrich Schwandt haben die Idee 2007 geboren, und sie gingen im Mai 2008 damit ins Netz. Binnen k√ľrzester Zeit haben Sie ihre Website als zuverl√§ssige Auskunftsquelle etablieren k√∂nnen. Ende des vergangenen Jahres erhielten sie daf√ľr den deutschen startup-Preis, den ein Jury aus Fachleute, Medienschaffenden und Investoren f√ľr die besten neue Website des Jahres vergibt.

Aufgeteilt in 18 Rubriken sind mehrere Millionen Statistiken kostenlos f√ľr Jedermann abrufbar. Die Daten stammen allesamt von namhaften und seri√∂sen Instituten wie dem Institut f√ľr Demoskopie Allensbach, dem Deutsches Institut f√ľr Wirtschaftsforschung sowie dem Statistisches Bundesamt und erf√ľllen somit alle wissenschaftlichen Standards. Gleichzeitig schafften es die Gr√ľnder, Kopperationen mit den gr√∂√üten Medienplayern in Deutschland zu schlie√üen – darunter Spiegel Online und bild.de. Die Partner stellen Statista ihre Daten gegen eine kleine Geb√ľhr zu Verf√ľgung. Die angelieferten Datenpakete werden mit neuesten Pr√§sentationmitteln aufbereitet und den Nutzern der Plattform kostenlos zur Verf√ľgung gestellt. Zur Zielgruppe von Statista z√§hlen professionelle Nutzer aus Wirtschaft, Medien und Wissenschaft. Bislang finanziert sich Statista weitgehend √ľber Werbung.

Ich habe mich eine gute Weile umgesehen auf statista. Nachdem ich jahrlang volumin√∂se Statistikb√§nde gew√§lzt habe, um dann doch nicht das zu finden, was ich brauche, spricht mit die Hamburger Website besonders an. Nat√ľrlich gibt es auch hier eine Ueberf√ľlle an Informationen. Doch die Elektronik erleichtert die schnelle Suche, das Grafiktool gibt einen raschen Ueberblick, und die die Filterungsm√∂glichkeiten lassen vertiefende Abkl√§rungen zu. In meinem Fachgebiet weiss ich das Meiste auch, doch schon ein wenig dar√ľber hinaus, habe ich so binnen Kurzem viel Interessantes erfahren, sodass man sich w√ľnschen w√ľrde, dass die Macher die Beschr√§nkung auf deutsche Statistiken zugunsten einer besseren Uebersicht, wenigstens √ľber den ganzen deutschsprachigen Raum aufgegeben w√ľrden.

Claude Longchamp