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Wahlbarometer: Zustimmung zu BundesrätInnen mehrheitlich – Kritik vor allem parteipolitisch motiviert

Im Rahmen des neuesten Wahlbarometers, das heute erschienen ist, haben die Wiederwahlempfehlung (unmittelbar vor dem angekündigten Rücktritt von Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey) untersucht. Die ausführlichen Befragungsergebnisse können hier nachgeschlagen werden. Mein Kommentar dazu lautet.

Eines vorneweg: Wir haben nicht die Frage gestellt, wen man selber wählen würde. Denn das setzte voraus, dass es eine Volkswahl des Bundesrates geben würde. Vielmehr haben wir uns danach erkundigt, über welche der bisherigen Bundesratsmitglieder man die Meinung habe, sie sollten am 14. Dezember 2011 wiedergewählt werden oder nicht.

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Die Wahlberechtigten setzen dabei sehr wohl Akzente. Gegenüber allen sieben Mitgliedern vertritt eine Mehrheit die Meinung, sie sollte nochmals gewählt werden. Am klarsten kommt das bei Doris Leuthard zu Ausdruck. 75 Prozent der Wahlberechtigten empfehlen die CVP-Magistratin zur Wiederwahl. Bei Simonetta Sommaruga (SP) sind das 70 Prozent. Didier Burkhalter (FDP) bringt es auf 69 Prozent. Ihnen ist gemeinsam, dass sich nur rund jede achte Personen eine Nicht-Wiederwahl wünscht. Etwas gespaltener sind die Positionen gegenüber Eveline Widmer-Schlumpf (BDP), Ueli Maurer (SVP) und Johann Schneider-Ammann (FDP). Zwischen 65 und 56 Prozent sähen sie gerne weiterhin im Bundesrat, während gut ein Fünftel das Gegenteil vertritt.

Am polarisiertesten sind die Meinungen, wenn es um Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey (SP) geht. Hier wünschen sich 51 die Wahl für eine weitere Amtsperiode, während 35 Prozent das ausdrücklich ablehnen. Stellt man auf die Unschlüssigen ab, kennt Bundesrat Schneider-Ammann den grössten Anteil, indes nicht, weil man ihn nicht kennen würde, sondern weil man sich in der Entscheidung noch nicht sicher ist.

Hinter der Bewertung verstecken sich vor allem partei- und regionalpolitische Präferenzen. Die Gegnerschaft von Calmy-Rey kommt aus dem entgegengesetzten politischen Lager. Nur ein Drittel der SVP-Wählenden möchte sie im Amt behalten. Polarisierend wirkt sie auch bei den parteipolitischen Ungebundenen. Sie empfehlen die Bundespräsidentin zu 46 Prozent für eine weitere Bundesratszeit. Bei Bundesrat Schneider-Ammann geht die Opposition nicht so tief; dafür ist sie breiter. Nur Minderheiten von SP, GPS und GLP möchten, dass er in seinem Amt bestätigt wird. Bei Ueli Maurer reduziert sich das auf die SP- und GPS-Wählenden. Ein beschränktes Problem hat schliesslich Eveline Widmer-Schlumpf. Das Misstrauen ihr gegenüber kommt aus ihrer ehemaligen Partei. Immerhin genau die Hälfte der heutigen SVP-Wählenden würde sie zur Wiederwahl empfehlen.

Hinsichtlich der Sprachregionen haben die Bundesräte Maurer und Schneider-Ammann ein Problem. In der Romandie findet sich keine Mehrheit, welche die beiden weiter empfehlen würde. Bei Bundespräsidentin Calmy-Rey gilt schliesslich, dass sie in allen Regionen umstritten ist. Mit 55 Prozent wird sie am ehesten noch in der italienischsprachigen Schweiz unterstützt.
So bleibt, dass die BürgerInnen gegenüber Abwahlen von BundesrätInnen skeptisch sind. Klare Hinweise auf dringend erwartete Veränderungen gibt es nicht. Immerhin mischen sich aber mehr oder minder klare Zwischentöne in die Beurteilungen, die in erster Linie parteipolitisch motiviert sind.

Claude Longchamp

BundesrätInnen in repräsentativen Bevölkerungsumfragen

Man weiss es, unsere BundesrätInnen haben es nicht besonders gerne, wenn ihr Zuspruch in der Bevölkerung in Umfragen getestet wird. Trotzdem, es kommt regelmässig vor, und es ist an der Zeit, zu den Ergebnissen einen Ueberblick zu verschaffen.

Zeitschriften wie die “Illustré” (zusammen mit MIS Trend) oder Wochenendblätter wie die “Sonntagszeitung” (gemeinsam mit Isopublic) bringen periodisch Uebersichten über die Akzeptanz der einzelnen BundesrätInnen.

Nebst vielen Gemeinsamkeiten der beiden Serien, gibt es auch Unterschiede in der Sicherung der Repräsentativität: So interessiert sich die Sonntagszeitung dafür, wer im Bundesrat in Zukunft eine wichtige Rolle spielen solle oder eben nicht, während Illustré die Aktion der MagistratInnen in den letzten 6 Monaten bewerten lässt. Die Aussagen der Sonntagszeitungen basieren auf rund 1255 Befragten, während sich Illustre mit 600 begnügt. Beide Auftraggeber lassen Interviews in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz durchführen, nicht aber in der italienischen. Isopublic kontrolliert die so entstehenden Ergebnisse zur zusätzlichen Wahlabsichtsfrage aufgrund der zurückliegenden Wahlen. Schliesslich gibt es Unterschiede in der Auswertung: MIS lässt Unschlüssige in der Darstellung weg, Isopublic weisst sie ausdrücklich aus.

Die jüngste Erhebung von Isopublic war in diesem Sommer, präzise zwischen den 8. und 18. Juni 2011; sie bezieht sich auf die aktuellen Mitglieder des Bundesrates. Demgegenüber befragte MIS Trend vor rund einem Jahr einen BürgerInnenquerschnitt, konkret zwischen dem 31. August und 6. September 2010, also noch vor der Ersatzwahl für die zurückgetretenen Moritz Leuenberger und Hans-Rudolf Merz am 22. September 2010.

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Zunächst fällt auf, dass sich die Reihenfolge der BundesrätInnen, die in beiden Umfragen auftauchen, genau gleich bleibt. Das spricht für eine recht stabile Rangordnung unter den Magistratspersonen. Zuspruch aus der Bevölkerung ist nicht einfach etwas bliebiges; vielmehr hat es klare Konturen. Zu diesen zählen die politische Position, die Amtsdauer und die Hoffnungen und Enttäuschungen, die sich daraus ergeben.

Der Zeitpunkt, und damit verbunden die Fragestellungen, beeinflussen jedoch die Messwerte – und so auch die Abstände der BundesrätInnen untereinander. Am deutlichsten schlägt sich dies bei Widmer-Schlumpf nieder: In der Rückwärtsbetrachtung ihrer Leistungen ist sie top, wenn es um die Aussichten in der Zukunft geht, rangiert sie genau in der Mitte der BundesrätInnen. Vergleichbares findet sich bei Burkhalter und Calmy-Rey, indes einiges weniger ausgeprägt.

Konstant sind die Verhältnisse ganz oben und ganz unten: Doris Leuthard ist, egal wann und egal wie befragt, die populärste Bundesrätin, während für Ueli Mauer genau das Gegenteil gilt.

Oder allgemeiner gesagt: Umfragen zu BundesrätInnen geben sehr wohl Grundströmungen in der stimm- und wahlberechtigten Bevölkerung zuverlässig wieder. Die Details der Befragungen beeinflussen die konkreten Prozentzahlen. Deshalb sollte man die nur innerhalb einer Befragungsserie vergleichen, während das generelle Ranking, und Aenderungen darin, sehr wohl etwas über die Akzeptanz der Regierungsmitglieder in der Schweizer Bevölkerung aussagen.

Ein Mechanismus tritt immer deutlicher zu Tage: Unsere BundesrätInnen haben ihre Sache im BürgerInnen-Urteil nicht einfach schlecht, wenn alles vorbei ist. Die Bilanzen fallen unterschiedlich, mehrheitlich aber (knapp) positiv aus. Wenn es dagegen um die Zukunft geht, hagen wir Zweifel, wegen diesem und jenem. Das tritt vor allem Personen, über deren Rücktritt öffentlichen spekuliert wird.

Claude Longchamp

I had a dream

Vor 20 Jahren träumte ich davon, parallel zu den etablierten Nachanalyse von Wahlen und Abstimmungen in der Schweiz auch Voruntersuchungen machen zu können. An den 3. Demokratietagen in Aarau zog ich vor einigen Tagen Bilanz zu diesem Unterfangen. Hier meine drei wichtigsten Schlüsse.

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“Erstens, Wahlprognosen sind prinzipiell möglich; Parteiwahlen können sicherer vorweggenommen werden als Personenwahlen. Alles hängt aber vom Zeitpunkt der Vorhersage ab.
Das hat mit der deutlicheren Vorbestimmtheit von Entscheidungen zum Nationalrat zu tun, denn unsere Meinungen zu Parteien bilden wir uns fast täglich. Das ist schon bei Ständeräten nicht der Fall und die Unterscheidung kann auch bei Kantons- und Regierungsratswahlen gemacht werden. Deshalb sind kurzfristige Entscheidungen, ja taktische Erwägungen bei Personenwahlen generell höher, was die Vorwegnahme der Ergebnisse erschwert.

Zweitens, Abstimmungsprognosen sind deutlich schwieriger. Generell ist Vorsicht angebracht.
Ermitteln kann man Trends der Meinungsbildung; mittels Szenarien lassen sich diese auch extrapolieren. Im schlechtesten Fall bleibt der Ausgang offen; im Normalfall kann er qualitativ im Sinne eines Nein- oder Ja-Entscheides vorweg benannt werden, während punktgenaue Prognose vorerst nicht möglich sind. Hauptgrund ist, dass die Dynamik der Meinungsbildung bei Behördenvorlagen grösser ist als bei Parteiwahlen und bei Entscheidungen über Volksinitiativen noch erheblicher ausfallen kann als bei Behördenvorlagen. Das erschwert die Aufgabe.

Drittens, etabliert hat sich, bei Wahlen eine Serie von Vorwahlbefragungen auf der Basis von jeweils 2000 auskunftswilligen Wahlberechtigten zu erstellen. Bei Abstimmungen gibt es zwei Erhebungen bei je 1200 Bürger und Bürgerinnen – die eine zu Beginn der Kampagne, die andere etwa in der Mitte. Im Vergleich zu Wahlen ist beides in der Regel nur recht nahe zum Abstimmungstag möglich. Einmalige Bestandesaufnahmen genügen aus unserer Warte nicht.”

Mehr dazu im Referat an der Fachtagung hier.

Claude Longchamp

Kanton Luzern: Wahlbefragungen und Wahlbörsen im Vergleich.

Die Wahlen in Luzern sind ausgezählt – ein guter Moment, Wahlumfragen und Wahlbörsen vor der Wahl im Vergleich zu evaluieren.

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Gemäss Statistischem Amt des Kantons Luzern gewinnt die GLP (5,9%/+5,9 Prozentpunkte) bei den Parlamentswahlen am meisten, gefolgt von der SVP (22,3%/+3,2%), der BDP (1,7%/+1,7%), der GP (8,7%/+1,4%) und der SP (11,0%/+0,3%). Verliererin sind die CVP (31,3/-6,0%) und die FDP (18,9/-4,2%).

Die Wahlbefragung der Neuen Luzerner Zeitung kam der Sache beschränkt nahe. Falsch ist kein Trend. Verkannt wurde aber der Gewinn der SVP, die gemäss Umfrage wäre sie stabil geblieben. Verschätzt hat man sich auch bei der FDP, die mehr als erwartet verlor, bei der SP, die wenig gewann, und bei der GLP die mehr gewann.

Es kann gut sein, dass letzteres einen inneren Zusammenhang hat: Nachdem die GLP in Basellschaft und Zürich zulegte und zum vorrangigen Medienthema wurde, könnten potenzielle FDP- und SP-WählerInnen geschwenkt sein. Bei der SVP dürfte eine andere Ursachenanalyse zutreffen, denn bei ihr gibt es, vor allem auf dem Land einen stillschweigenden Wechsel gerade aus CVP-Kreisen, den man kaschiert.

Die mittlere Abweichung zwischen Resultate und Befragung betrug bei der zweiten Welle 1,54 Prozentpunkte je Partei. Das ist mehr als bei der ersten, wo der Vergleichswert bei 1,3 lag. Das ist unüblich. Es spricht dafür, dass sich verschiedene Probleme gemischt haben dürften.

Den Vergleich nicht scheuen muss die Wahlbörse von www.wahlfieber.at. Nimmt man hier den Tag vor der Publikation der Umfrage als Massstab (26.3.) betrug die Abweichung zum Ergebnis im Mittel 1,34 Prozentpunkte pro Partei. Die grösste Abweichung gibt es bei der FDP, für die die Wettgemeinschaft mehr Verluste erwartete, als es schliesslich der Fall war (2.2 Prozentpunkte Abweichung). Um je 2 Zähler überschätzt wurden dagegen GLP und GP. Damit war die Wahlbörse trendiger als die Wahlbefragung. Wo sich was an Veränderung abzeichnet, übertrieb man.

Bis am Schluss legte sich das noch ein wenig. Der Prognosefehler am Vortag der Wahl reduzierte sich auf weniger als 0,8 Prozentpunkte Abweichung.

Das führt mich zu folgenden Arbeitshypothesen:

1. Wahlbefragungen und Wahlbörsen interagieren. Wahlbörsen richten sich in einer frühen Phase an Wahlbefragungen aus; sie können jedoch auch zur Evaluierung der Sicherheit von Ergebnisse in Wahlbefragungen verwendet werden, insbesondere, wo man vergessene oder verschwiegene Antworten in Umfragen vermuten kann. Im aktuellen Fall betrifft das die SVP.
2. Trends in Wahlbörsen erhellen das Bild der Entwicklungen in der Zeit, während der keine Befragungen mehr gemacht werden dürfen. Im aktuellen Fall betrifft das sie Sammlung hin zur GLP.

Claude Longchamp

Warum Wahlbefragungen Sinn machen!

Sicher, es gibt Einfacheres als an der Schwelle zum Wahlkampf 2011 Wahlumfragen zu empfehlen. Ich mache es an den heutigen 3. Aarauer Demokratietagen gerade deshalb. Mit der Absicht, den Blick für Stärken und Schwächen von Tools in Wahlkämpfen zu schärfen.

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Wahlbefragung zeichnen ein Bild der politischen Schweiz – und sind damit mehr als Prognosen.

Die 10 letzten Anfrage, die ich in Sachen Wahlen 2011 von Medienschaffenden, PR-Agenturen und politischen Parteien erhalten habe, lauten zusammengefasst:

. Wie wählt der Mittelstand?
. Wann entscheiden sich die Wählenden verbindlich?
. Hat die BDP ihre WählerInnen eher von der SVP oder von FDP/CVP?
. Beteiligen sich Frauen immer noch weniger an Wahlen als Männer?
. Wie gross ist die Internetnutzung in politischen Kampagnen?
. Welche Themen kommen bei der Bürgerschaft an, welche nicht?
. Stimmen und Wählen AuslandschweizerInnen anders als InlandschweizerInnen?
. Wer wählt nicht?
. Ist Bäumle für die WählerInnen sympathisch?
. Haben Promi mehr oder weniger Wahlchancen?

Was hat sich in den letzten 20 Jahren bei Schweizer Wahlen geändert?

Zwei konnte ich nicht beamnworten: Ob es einen Unterschied zwischen Wählenden im In- und Ausland gibt, kann man nicht beantworten, weil man aus Datenschutzgründen keinen Zugang zu den Adressen der politisch eingeschriebenen AuslandschweizerInnen bekommt, und ob Bäumle im Wahlvolk ankommt oder nicht, weil wir das noch nie überprüft haben. Ob Promis mehr oder weniger Wahlchancen haben als Normalo, kann man in Umrissen auch mit anderen als Umfragedaten beantworten. Der Rest ist typisch demoskopischer Alltag.

Die Nachfrage nach teilnahme- und parteirelevanten Informationen aus BürgerInnen-Sicht an unserem kommt daher, dass die politische Statistik in der Schweiz in Vielem unterentwickelt ist. Manchmal ist es ein einfaches Interesse, das zu Anfragen beim gfs führt. Bisweilen sind es SchülerInnen und StudentInnen, die sich ein realistisches Bild der Schweizer Wählerin, des Schweizer Wählers verschaffen müssen. Oder es besteht ein professioneller Bedarf, möglichst präzisere Entscheidungsgrundlagen: Wer Kampagnen führt, will wissen, was das Potenzial seiner Aktion ist, welche Gruppen man auf der sicheren Seite hat, und wo noch verbreitete Unsicherheit besteht.

Erfahrungsgemäss gibt es drei Möglichkeiten, zu relevanten Antworten zu kommen:

. Man unterhält sich mit seinen peers, Arbeitskollegen oder im Familienkreis, und man macht sich so ein Bild, was im nahen Umfeld Sache ist.Vorteil: hohe Authentizität; Nachteil: die Antworten hängen von der eigenen gesellschaftlichen Stellung ab.
. Man liesst Zeitungen aufmerksam, um mehr über seine Umwelt zu erfahren: Vorteil: Erweiterung des Gesichtsfeldes; Nachteil: immer mehr Trendiges, immer weniger Gesichertes.
. Man macht es so wie in der Sozialforschung, greif auf Studienmaterial zurück: Vorteil: geprüfte Information; Nachteil: aktualisiert nicht immer verfügbar.

Mein Bild der Politik mache ich mir immer als Mix aus den drei Informationsquellen: Was ich den Massenmedien entnehme, nährt meine Fragen. Was ich in Studien finde, revidiert vorläufige Antowroten oder sichert sie. Was ich von letzterem in meinem Alltag wieder finde, ist für mich veranschaulicht.

Genau das zu tun empfehle ich allen, die Wahlbefragungen für sich nutzen wollen. Sie sind ein Teil der Virtualität von heute, lassen aber Bezüge zur Realität herstellen. Man nimmt sie über Medien zur Kenntnis, widersprechen lieb gewordenen Medieninterpretation jedoch häufig.

Was mich immer wieder wundert, wenn Medienschaffende uns kontaktieren und wenn wir ihre Berichte lesen: Die Neugier nach Ergebnissen in Recherchegesprächen ist häufig breit. Die Publikationen focussieren dann meist eine Frage: Sind die Prognosen richtig oder falsch? Den Rest verwendet man am liebsten ohne Quellenangaben in den eigenen Berichten.

Dies Verengung beeinflusst sogar die Fragestellungen, die man für Referate an wissenschaftlichen Tagung gestellt bekommt. So auch für meinen Beitrag in Aarau. Ich will mich dem weder entziehen, noch dabei stehen bleiben. Deshalb werde ich zu Prognosen von Wahlen reden, aber auch zum Nutzen von Umfragen in der Mediengesellschaft.

Hier die Referatsunterlagen.

Claude Longchamp

Politbarometer gleicht sich Wahlbarometer an

Mit dem heutigen Politbarometer der Sonntagszeitung werden die Stärken der Parteien demoskopisch neu bestimmt. Auffälligstes Ergebnis: Die Resultate sind fast identisch mit denen im herbstlichen Wahlbarometer der SRG. Neue Parteien haben Chancen zu gewinnen, während SVP und Grüne wenigstens gegenwärtig nicht mehr so mobilisiert sind wie 2007.

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Entwicklung der Parteienstärke gemäss Umfragen der SOZ 2007-2010

Das letzte Wahlbarometer von SRG/gfs.bern fand unmittelbar nach den Bundesratswahlen statt; das Politbarometer berücksichtigt zudem die Auswirkungen der Volksabstimmungen vom 28. November 2010. Darin liegen – politisch gesprochen – Welten. Denn im ersten Moment waren FDP und SP in Fahrt; jetzt ist es die SVP.

Dennoch sind die Unterschiede in den Parteistärken der beiden Befragungen gering – besser gesagt gering geworden. Bei der SP beträgt die Differenz zwischen beiden Messungen 1 Prozentpunkt, bei der BDP 0.9 Zähler. Je 0.6 Prozentpunkte sind es bei den Grünen und den Grünliberalen. Halb so viel resultiert bei der CVP, und bei FDP und SVP weichen die Resultate gerade um 0,1 Einheiten ab.

Die Uebereinstimmung war in den letzten 2 Jahren nicht immer so. Noch im September 2009 sah die Sonntagszeitung SVP und SP fast gleich auf. Der SVP wurden massive Verluste nachgesagt, der SP einige Gewinne. Nun hat sich das im neuesten Politbarometer ins Gegenteil verkehrt.

Das hat vor allem mit dem Score der SVP bei Isopublic zu tun, die von einer Umfrage zur anderen 3,3 Prozentpunkte zulegte. Aber auch die SP wird neu eingeschätzt, hat sie doch 1,9 Prozentpunkte weniger als noch vor drei Monaten.

Die Analyse für diese Sprünge bleibt allerdings weitgehend aus. Bei der SVP wird man den Abstimmungssieg in Sachen Ausschaffung vorbringen können. Bei der SP kann man an das Parteiprogramm erinnern. Fakten, ob das stimmt, gibt es leider nicht. Denn die Parteienprofile in Gesellschaftsgruppen werden nicht analysiert. Anders als das Wahlbarometer verzichtet das Politbarometer auch auf eine Wählerstromanalyse, genauso wie man in der Sonntagszeitung nichts über die Höhe der Teilnahmeabsichten am unterstellten Wahlgang erfährt.

Damit bleibt die Frage offen, ob man hier von Trends über Messinstrumente hinweg sprechen kann.

Formulieren wir es deshalb positiv: Die schweizerischen Wahlumfragen sehen (knapp ein Jahr vor den Wahlen) BDP und GLP als aussichtsreiche Wahlsiegerinnen. SP, FDP und CVP sind weitgehend stabil, während Grüne und SVP nicht mehr von der Mobilisierung wie 2007 profitieren können.

Was nicht ist, kann noch werden. Denn die einzig brauchbare Prognose ist die, die nicht eintrifft, weil man noch rechtzeitig gehandelt hat!

Claude Longchamp

Der Minarettsfall in Umfragen im Rückspiegel: Was war Sache, und was kann man daraus lernen?

Über Umfragen in Abstimmungskämpfen ist gerade in der Schweiz im Nachgang zur Minarett-Entscheidung viel debattiert worden. Die SRG sistierte die Publikation weiterer Umfragen vorerst und liess mehrere externe Experten die Studien begutachten. Zwischenzeitlich werden die Umfragen wieder gemacht und veröffentlicht, es wird aber zwischen einer Normal- und Spezialsituation unterschieden.

Die Gutachten

Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen kam in einer ersten, kurzen Ueberprüfung des Vorgehens zum Schluss, die Datenerhebungen und -auswertungen seien methodisch korrekt und entsprächen dem State of the Art. Die vermutete Handy-Problematik schloss er aufgrund deutscher Erfahrungen weitgehend aus. Soziale Erwünschtheit im Antwortverhalten zu kulturell tabuisierten Themen hält er im Einzelfall für eine mögliche Erklärung der Diskrepanz im Minarettsfall. Bestätigt wird diese Einschätzung auch damit, dass es bei den beiden anderen Vorlagen, die mit den gleichen Befragungen analysiert wurden, keine Daten- und Interpretationsprobleme gab.

Ein zweites, ausführliches Gutachten der Schweizer Mediensoziologen Kurt Imhof und Patrick Ettinger kritisierte den medialen Umgang mit Umfragen vor Abstimmungen. 44 Prozent aller Publikationen im Minaretts-Fall seien im Vergleich zu den Daten und Berichten überinterpretiert gewesen. Die Selbstsuggestion habe sich auf die redaktionelle Berichterstattung ausgewirkt. Den Produzenten und Erstvermittlern von Befragungen empfehlen die Experten, (noch) stärker als bisher den Charakter der Momentaufnahme zu deklarieren, von bisherigen Trends zu sprechen und die Unsicherheit des Ausgangs zu betonen. Soziale Erwünschtheit im Antwortverhalten als Folge von Meinungsdrucks schlossen auch sie nicht aus. Die Diskussion über ein Verbot der Plakate der Initiantinnen und Initianten hätte eine spezielle Situation geschaffen, die höchst kontrovers und emotional geführt worden sei. Sie raten, in vergleichbaren Situationen vermehrt auch auf andere Informationsquellen wie Online-Foren abzustellen. Auf quantifizierende Korrekturwerte für Umfragen verzichteten sie aber.

Das dritte, ebenfalls ausführliche Gutachten der Politikwissenschafter Markus Freitag, Adrian Vatter und Thomas Milic beschäftigte sich mit den unterstellten Wirkungen von Umfragen auf die Meinungsbildung. In Übereinstimmung mit den bisherigen Übersichten kommen sie zum Schluss, dass es auch im aktuellen Fall kaum empirisch gesicherte Belege für die Annahmen der Lethargie- oder Defätismus-Hypothesen gäbe. Drei Gründe bringen sie vor: Die Nutzerinnen und Nutzer publizierter Umfragen vor Abstimmungen entsprächen weitgehend dem Typ des multiplen Mediennutzers, der politisch überdurchschnittlich interessiert sei und ein weitgehend autonomes Selbstverständnis als Bürgerin respektive Bürger habe. Der aktuelle Fall weiche davon nicht ab, da es sich um eine im Alltag weitgehend bekannte Problematik handle, die thematische Prädispositionen schon vor dem Abstimmungskampf habe entstehen lassen. Statt von sozialer Erwünschtheit auszugehen, wäre es deshalb hilfreicher, von Entscheidungsambivalenz zu sprechen, wonach sich in Stimmabsichten sowohl Parteiloyalitäten als auch Alltagserfahrungen spiegeln, und zwar in einem variablen Verhältnis. Schliesslich relativierten sie Mobilisierungswirkungen von Umfragen. Sicher ausgeschlossen werden könne die Defätismus-Hypothese, weil die BefürworterInnen trotz negativer Aussichten gemäss Umfragen besonders stark mobilisiert gewesen seien. Weitgehend gilt das auch für die Lethargie-Hypothese, weil auch bei den Gegnergruppen eine im Vergleich zu allen Abstimmungen überdurchschnittliche Teilnahmehäufigkeit festgestellt werden konnte.

Diese Argumentationen der Experten überzeugten die SRG, das Instrument der Vorbefragungen weiterzuführen und die entsprechenden Studien nach einem einmaligen Unterbruch wieder zu publizieren. Angesichts der guten Erfahrungen mit rund 50 Abstimmungsvorbefragungen kann man davon ausgehen, dass sich Umfragen im Normalfall bewährt haben, im Spezialfall jedoch mit erhöhten Vorsichtsmassnahmen eingesetzt werden soll. gfs.bern hat 10 Vorsichtsmassnahmen für die eigenen Kontrollen erarbeitet.

Meine Folgerungen

Ob die im Minarettsfall ausgewiesenen Werte für die Stimmabsichten richtig oder falsch waren, konnte bis jetzt nicht eindeutig beantwortet werden. Unterstellt man soziale Erwünschtheit im Antwortverhalten, kann man von höheren Ja-Anteilen ausgehen, die aufgrund der tabuisierten Abweichung kaschiert worden seien. Folgt man dem Konzept der Entscheidungsambivalenz, können solche Annahmen täuschend sein. Nur die Relevanz der geäusserten Stimmabsichten wäre mit Blick auf den Abstimmungsentscheid stark eingeschränkt.

In der Wahlforschung ist man geneigt, solche Phänomene eher gemäss der sozialen Erwünschtheit zu interpretieren, und man kennt ansatzweise auch Korrekturfaktoren. Das heisst jedoch nicht, dass das auch bei Abstimmungen so wäre. Denn anders als bei wiederkehrenden Parteientscheidungen gibt es bei Abstimmungen angesichts der viel höheren Variabilität von Entscheidungsthemen keine eindeutigen Prädispositionen. Wenn schon leiten sie sich sowohl aus Alltagserfahrungen einerseits und parteipolitischen Bindungen anderseits ab. Strukturiert beides einen Abstimmungsentscheid in die gleiche Richtung, sollten keine Messprobleme in Umfragen entstehen. Stehen sie zueinander im Widerspruch, können Parteibindungen im Meinungsbildungsprozess in den Hintergrund treten und die Alltagserfahrungen den für den effektiven Abstimmungsentscheid determinieren.

In der Tat zeigten die verschiedenen Umfragen, die keine Mehrheit für die Minaretts-Initiative auswiesen, dass islamkritische Forderungen mehrheitsfähig waren und entsprechende Botschaften der Initiativ-Befürworter auf Zustimmung stiessen, ohne dass sie entscheidungsrelevant gewesen wären. Insbesondere bei parteipolitisch ungebundenen Bürgerinnen und Bürgern nahm deren Bedeutung für den Stimmentscheid erst mit der Zeit zu. Das lässt einen Meinungsumschwung durch plausibel erscheinen, wurde auch so kommuniziert, nach der Erstpublikation aber nicht mehr weiter vermittelt.

Unsere eigenen Erfahrungen mit Umfragen vor Abstimmungen decken sich weitgehend mit den übrigen Befunden der ExpertInnen. Es ist sogar gut möglich, dass beides drin ist: soziale Erwünschtheit und Entscheidungsambivalenz. In der Kommunikation ist das aber gar nicht das wichtigste: Das Hauptproblem ist sie mediale Stilisierung von Umfragen zu Prognosen. Die Medien suggerieren damit aber genau das Gegenteil von dem Umfragen gemäss Demoskopen sind: Momentaufnahmen. Gut gemachte Serien von Momentaufnahmen lassen gesicherte Trends erkennen, die im besten Fall auch eine Vorausschau erlauben. Punktgenaue Prognosen bleiben Abstimmungen Spekulation. Sinnvoller ist es, wenn man zuverlässig erkennt, ob eine Vorlage angenommen oder abgelehnt wird, oder ob die Entscheidung offen ist.

Claude Longchamp

Britische Befragungsinstitute trafen Wahlergebnis weitgehend

Die letzten Befragung zu den britischen Unterhauswahlen lagen mehrheitlich richtig – mit einem Abstrich bei den Liberaldemokraten.

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Selbstdarstellung ICM, dem Institut mit den genauesten Wahlbefragungen

ICM kam mit ihre Umfrage am Vortag der britischen Unterhauswahlen den effektiven Parteistärken am nächsten. Der durchschnittliche Fehler bei den drei grossen Parteien resp. den aufaddierten anderen Parteien beträgt 1,25 Prozentpunkte. Bei keiner Partei gab es eine Abweichung von mehr als 2 Prozent. Das kann als schwarz gelten!

Akkurat war auch die letzte Befragungswelle von Populus, Harris und Mori. Sie wiesen einen mittleren Fehler von 1,75 Prozentpunkte auf. Alle überschätzten sie aber die Stärke der Liberaldemokraten um einiges.

Das ist denn auch eine der interessantesten Beobachtungen, über die UKPollingReport heute zu den Wahlvorbefragung in Grossbritannien berichtet. Nachdem Labour bei frühreren Wahlen regelmässig überschätzt worden war, kam es diesmal zu einem gegenteiligen Effekt. Dafür stuften die Umfragen die Liberaldemokraten stärker ein, als sie am Ende waren.

Es mag Zufall sein, dass die genaueste Umfrage überhaupt nicht am Vortag, sondern am Vorvortag gemacht wurde. YouGove hatte am 4. April das Endresultat eigentlich fast punktgenau ermittelt. Vielleicht, könnte man auch folgern, folgt das auch einem System.

Denn am letzten Tag wissen alle Befragten, dass die Umfragen mit höchstem Prestige in der Oeffentlichkeit publiziert wird. Und vielleicht annimiert sie das, leicht verzerrende taktische Antworten zu geben.

UKPOLLINGREPORT

Am 6. Mai 2010 wählte Grossbritannien sein neues Parlament. Umfragen berichten über den Stand der Meinungsbildung. Und UKPOLLINGREPORT berichtet bis zum Wahltag über die demoskopischen Berichte. Ein Porträt der Metaberichterstattung.

Die Umfragen zu den britischen Parlamentswahlen überschlugen sich die letzten drei Tage. Mit der TV-Debatte zwischen den Spitzenkandidaten änderte sich die fast fixe Hackordnung unter den Parteien. Die Liberaldemokraten setzten sich gemäss Umfragen von BPIX und YouGov knapp an die Spitze, gefolgt von den Konservativen und den Sozialisten. Vergleiche der Vor- und Nachbefragungen zum Medienevent zeigten, dass insbesondere die unter 40jährigen, etwas weniger auch die Frauen mit ursprünglich konservativer Präferenz zur Meinungsänderung beitrugen, der schon festgeschriebene Umschwung das Wochenende aber kaum überlebte.

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Stand der Dinge bei den britischen Parlamentswahlen: Uebersicht über die einzelnen Umfragen zu den Wahlabsichten gemäss UKPR

UKPollingReport ist eine Plattform zu Umfragen vor den britischen Parlamentswahlen. Sie wird in Kooperation mit YouGov betrieben, berücksichtigt aber alle publizierten Polls. Das alleine hilft, die Uebersicht zu bewahren. Zudem erstellt UKPR einen Index der Parteistärken, der alle Resultate der letzten 20 Tage berücksichtigt. Und es findet sich eine Umrechnung der ermittelten Parteistärken auf erwartete Sitze im Unterhaus.

Beide Indikatoren sind naturgemäss stabiler als einzelne Ergebnisse. Demnach können die Konservativen unter David Cameron mit 34 Prozent der Stimmen rechnen, Labour unter Premier Gordon Brown mit 28 und die Liberaldemokraten unter Nick Clegg mit 27. Umgerechnet in Sitze könnte Labour mit 271 Vertretern stärkste Kraft bleiben, dicht gefolgt von den Conservativen mit 265 Sitzen und den Liberaldemokraten mit 82 Abgeordneten. Mit anderen Worten: gerechnet wird mit einem hung parliament, das heisst einem Unterhaus ohne Mehrheitspartei.

Selbstredend hängt das alles von den Methoden der Umrechnung und der Gewichtung von Umfragen im Index ab. UKPR weiss darum. Doch die alles entscheidende Frage ist welche. Und da gehen die Annahmen auchin Grossbritannien auseinander. Deshalb empfiehlt die Plattform die vergeschlagenen Index als gesichertere Annäherungen, die von tagesaktuellen Ausschlägen und methodischen Unterschieden zwischen den Instituten bereinigt sind.

Ein Blog macht die Plattform zusätzlich interessant. Teilweise resultieren Unmengen von Reaktionen auf Beiträge, wie etwa auf die Umfrage mit den Liberaldemokraten an der Spitze. Da meldeten sich schon mal 1000 Kommentatoren in weniger als 72 Stunden, um ihrer eigenen Analyse Ausdruck zu geben.

Am 6. Mai weiss man, welches Institut genauer resp. welcher Kommentar treffender war, als das rollende Mittel durch den Wahlkampf. Vorher ist dieses sicher zuverlässiger als die Aufgeregtheit einer einzelnen Stellungnahme zu einem einzelnen Medienbericht. Das könnte sich auch die Berichterstatter in den Schweizer Medien zu den britischen Parlamentswahlen zu Herzen nehmen.

Bundespräsidentin Doris Leuthard kommt gut an

Doris Leuthard, die aktuelle Bundespräsidentin, führt das neueste Bundesratsranking von Isopublic an. 77 Prozent der für die Sonntagszeitung resp. Le Matin Dimanche befragten 1003 Wahlberechtigten sind der Meinung, sie sollte in der Bundespolitik eine wichtige Rolle spielen. Damit verbesserte sie sich in den letzten 5 Monaten um 3 Punkte.

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Didier Burkhalter, gerade mal solange im Amt, nimmt mit 68 Prozent Zuspurch neu den zweiten Platz ein, vor Eveline Widmer-Schlumpf (65%, -7 Prozentpunkte) und Micheline Calmy-Rey (61%, +5 Prozentpunkte) und Ueli Maurer (59%, +4%).

Leuthard und Burkhalter polarisieren in der Wahlbevölkerung kaum, Widmer-Schlumpf, Calmy-Rey und Maurer beschränkt, bei positivem Saldo. Genau das ist bei den beiden Schlusslichern nicht der Fall. Denn Hans-Rudolf Merz (44%, -3 Prozentpunkte) und Moritz Leuenberger (43%, -7 Prozentpunkte) ecken bei mehr Wahlberechtigten an, als sie Unterstützung finden. Damit polarisieren sie erheblich.

Eigentliche Gewinnerin der letzten Monate ist die Genfer Sozialdemokratin Calmy-Rey; sie legte am meisten zu. Ihr Parteikollege Zürcher Leuenberger verlor dafür mit der Bündnerin Widmer-Schlumpf von der BDP am meisten. Insgesamt verlieren die BundesrätInnen leicht an Zustimmung.

Bei den Wahlabsichten der Parteien halten sich die aktuellen Veränderungen der Messung vom 4. bis 17. Februar 2010 in engen Grenzen. Eine klarere Sprache ertönt, wenn man die jüngsten Messwerte mit den Wahlergebnissen 2007 vergleicht. Demnach gewinnt Calmy-Reys SP (+1,9%) und Leuthards CVP am ehesten hinzu (+1,4%). Die FDP, neu durch Burkhalter repräsentiert, verliert weiter (-1,2%). Noch grösser wären die Einbussen der SVP (-4,8%). Davon profitieren würde vor allem dei BDP (+4,3%, 2007 aber noch gar nicht existent).

Die Trends bei den BundesrätInnen sind klarer und plausibler. Jene bei den Parteien widersprechen teilweise den kantonalen Wahlergebnisse diametral, und auch den Messwerten von Isopublic für die Gemeindewahlen in der Stadt Zürich. Diese sehen bei der SVP keine wirkliche Trendwende zum Schlechteren, und bei der SP keine gesicherter zum Besseren.