Buchbesprechungen im dialogischen Zeitalter

Er schrieb ein Buch. Ich besprach es. Nun kommentiert Bastien Girod alle Rezensionen zu seinem “Green Change”. Ein Hauch von Internet-Dialog entsteht so.

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Interaktion ist Kommunikation unter Anwesenden, sagte der Soziologe Niklas Luhmann. Dank Interaktionssystemen wie Internet gibt es auch dialogische Kommunikation unter Abwesenden. Neuerdings sogar im Bereich von BĂŒchern und Buchbesprechungen.

Bastien Girod ist als Neuerer bekannt geworden. Kaum war er Nationalrat, mischte er mit seiner Offroader-Initiative vorne mit und fand er selbst bei Automobilfans interessierte GesprĂ€chspartnern. Vor kurzem kam sein erstes Buch auf dem Markt, und schwupps kĂŒndigte der erfolgreiche Umweltwissenschafter an, nach Utrecht gehen zu wollen, um dort ungestört forschen zu können. Auf die Politik in der Schweiz will er aber nicht verzichten.

FĂŒr die Sessionen als grĂŒner Nationalrat will der Teilzeitauswanderer bald schon regelmĂ€ssig pendeln. Den Abstimmungskampf zur Initiative will aber aus der Ferne fĂŒhren – genauso wie den Wahlkampf zu seiner Wiederwahl als ZĂŒrcher Volksvertreter in Bern. DafĂŒr will er seinen Auftritt im Internet ausbauen. Dialogisch kommunizieren nennt man das wohl, denn die WĂ€hlerInnen-Ansprache funktioniert via Internet gleich, ob man in der Schweiz oder in den Niederlanden ist. Denn das Internet ist ein Interaktionssystem, das dialgoeische Kommunikation unter Abwesenden erlaubt.

Konsequent dialogisch ist Girod schon mal, wenn es um seinen Erstling unter den grĂŒnen FachbĂŒchern geht. Die NZZ hat es rezensiert, der Tagi auch. P.M. und P.S. taten das gleiche, wie ich auch. Die meisten lobten das Buch, aus GrĂŒnden der AktualitĂ€t, aber auch konzeptionell. Insbesondere der Ausbruch aus dem unvollstĂ€ndigen GlĂŒck, das sich in entwickelten Gesellschaften ausbreitet und nach einer politischen Befreiungsaktion ruft, fand die Aufmerksamkeit der Rezensenten. NatĂŒrlich gab es auch Kritik, vor allem aus dem konkurrierenden SP-Lager. BemĂ€ngelt wurde der Unterschied zwischen kollektivem und individuellem GlĂŒck.

Nun, Girod wirkt auch hier als Neuerer. Denn auf seiner Webseite bespricht er gegenwĂ€rtig die Besprechungen. Und erteilt den Notengebern Noten. Das ist keck, und mediumsgerecht, denn kein anderes Mittel der Kommunikation wurde bei seiner EinfĂŒhrung so fĂŒr seinen (potenziell) dialogischen Charakter gelobt, wie das Internet. Einen Hauch davon kann man aktuell anhand des “Green Change” erleben.