Der Mann im Hintergrund

SpĂ€testens seit seinem Auftritt im gestrigen “Club” auf dem Fernsehkanal von SF ist Diplomat Peter Maurer eine öffentliche Figur, die BundesrĂ€tin und Aussenministerin Micheline Calmy-Rey den RĂŒcken stĂ€rkt. Und: Seit ich ihn kenne, weiss ich: Seine Frisur wirkt umso kecker, je mehr sie dem Wind der Welt ausgesetzt ist.

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Peter Maurer, StaatssekretÀr im EDA, zwischen BundesrÀtin Micheline Clamy-Rey und Max Göldi bei der Ankunft in Kloten.

Kennen (und schÀtzen) gelernt habe ich den Thuner Peter Maurer wÀhrend meiner Studienzeit an der Uni Bern. Beide studierten wir Geschichte der Neuzeit und verfolgten wir die Seminare von Prof. Walther Hofer. Nur ein wenig weiter war der um ein Jahr Àltere Peter, sodass er schliesslich Assistent am Lehrstuhl war, als mich an den Abschluss machte.

“Vom Schwein zum Korn” hiess seine Diplomarbeit. Generell ging es ihm um die Lebensmittelversorgung der Schweiz Zweiten Weltkrieg. Konkret untersuchte er den Beitrag des Plan Wahlens hierzu. In seinem Fazit nahm er kein Blatt vor den Mund: Mit der Intensivierung der Landwirtschaft sicherte die Schweiz einen Teil ihrer Nahrungsversorgung, geriet aber wegen nötigen Zulieferungen in neue AbhĂ€ngigkeiten. Sehr gut recherchiert und bestens verfasst, lobte unser Professor den Erstling seines SchĂŒtzlings.

Danach empfahl Walther Hofer, vormals SVP-Nationalrat und selber Aussenpolitiker mit Aspirationen, Aussenminister zu werden, als Diplomat in Schweizer Diensten. Maurers Stationen fĂŒhrten ihn ĂŒber SĂŒdafrika, die USA und nach Bern, wo er zunĂ€chst Leiter der wichtigen Politischen Abteilung IV im EDA war, bevor er zum Schweizer Botschafter bei der UNO ernannt wurde. Mitte Jahr kehrte er erneut in die Zentrale in Bern zurĂŒck, um als neuer StaatssekretĂ€r die Nummer 2 in Calmy-Reys Aussendepartement zu werden.

Peter war stets ein engagiert und umsichtig handelnder Mensch. Thun hatte ihn politisiert. Er stand links, war aber, wie alle OberlĂ€nder, nie extrem. Sein Aufstieg im diplomatischen Milieu zeigte, dass er viel arbeitete und so die Schweiz einbringen konnte. Vielerorts verstand er es sich immer wieder von Neuem einzufĂŒhlen und durchzusetzen. Schon immer war eine internationaler Schweizer.

Ende letzten Jahre beschwerte sich Alfred Heer, PrĂ€sident der ZĂŒrcher SVP, ĂŒber unsern Botschafter bei der UNO. In Fernseh-Sendungen ziehe er die Schweiz mit ihren Eigenheiten ins LĂ€cherliche, war der Vorwurf. Der Bundesrat antwortete deutlich: “Botschafter Peter Maurer leistet in New York ausgezeichnete und allseits anerkannte Arbeit. So wurde er im vergangenen Jahr durch die Mitgliedstaaten der Uno in hohe Ämter gewĂ€hlt. Seine hervorragende Arbeit wurde kĂŒrzlich explizit vom Uno-GeneralsekretĂ€r verdankt.”

Seine reichhaltigen Erfahrungen als Diplomat konnte Peter Maurer dieser Tage gewinnbringend einsetzen, als das darum ging, einen Strich unter die unrĂŒhmliche AffĂ€re um die entfĂŒhrten Schweizer in Libyen zu setzen. Mit Aussenministerin Micheline Calmy-Rey reiste er am Wochenende nach Madrid, um gemeinsam mit dem spanischen Aussenminister nach Tripolis zu fliegen. Dort hatte er schon zuvor die Heimkehr von Max Göldi administrativ vorbereitet. Und wird er die viel zitierte Normalisierung der Beziehungen schön in wenigen Tagen weiter voran treiben.

Gespannt war man deshalb auf die gestrige Diskussionsendung im “Club”. Maurer machte klar, dass Göldi auf eine Art und Weise in eine Sache hineingezogen wurde, die Libyen kein gutes Zeugnis ausstellt. Nicht verschweigen wollte er aber auch die Probleme, die ihm die Schweiz selber machten. Die Publikation der Fotos von Hannibal Ghadhafi war «einer der grossen Stolpersteine fĂŒr die Lösung des Konflikts», sagte Maurer in ungewohnter Deutlichkeit. Es gebe nichts GefĂ€hrlicheres, als wenn man in der Arbeit mit «willkĂŒrlichen Systemen» deren Methoden anwende. Gemeint war damit die DemĂŒtigung durch die Tribune de GenĂšve, die zu Gegenmassnahmen auf vergleichbarer Ebene fĂŒhrte und nicht halt vor unseren BundesrĂ€tInnen machte.

Einmal mehr, sage ich mir, nimmt Peter Maurer kein Blatt vor den Bund – und stĂ€rkt und schĂŒtzt so auch seine Chefin. Was mir schon frĂŒher aufgefallen ist: Peters Frisur, leicht zum steilen BĂŒrstenschnitt neigend, wird wie immer besser, je mehr sie dem rauen Winde der Welt ausgesetzt ist.