(Un)Denkbar

NatĂŒrlich ist fast nichts undenkbar. Doch ist deshalb fast alles denkbar? Gedanken ĂŒber politische Ideologien bei der LektĂŒre auf der Heimreise von St. Gallen nach Bern.

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Vorbilder der Fusionisten: Margreth Thatcher und Ronald Reagan, die – in der angelsĂ€chsischen Welt – liberalkonservativem Gedankengut in einer Partei zum Druchbruch verhalfen.

Das Semesterende an der Uni St. Gallen naht. Die Gruppenarbeiten sind gemacht, prĂ€sentiert und diskutiert. Die Noten sind geschrieben und die RĂŒckblick gehalten. Zeit also, jenseits der Betriebsamkeit in Veranstaltungen wie jener zur „Empirischen Politikforschung in der Praxis“ Ausschau zu halten, was sonst noch an der Alma mater auf dem Rosenberg so geht.

Die Zeitschrift „Denkbar„, herausgegeben von der Stiftung Forum Alpium, liegt in vielen GemeinschaftsrĂ€umlichkeiten der HSG auf. BegrĂŒndet durch Ehemalige des Lyceum in Zuoz, beschĂ€ftigt es sich mit Demokratie, Freiheit und Dialog. Man steht klar rechts, gibt sich gerne etwas elitĂ€r, und lĂ€sst Klaus Stöhlker als Mann fĂŒrs Grobe Kolumnen schreiben.

Empfohlen wird von Jasper Graf von Hardenberg ein neuer „fusionism„: Die Amerikaner seien immer entweder fortschritts- oder traditionsverbunden gewesen. Dazwischen gĂ€be es wenige Liberale; alleine seien sie aussichtslos, zur Mehrheit zu werden. Ihre Zukunft liege deshalb im Zusammengehen mit den Konservativen. Das spricht dafĂŒr, sich nicht bei den Demokraten, aber bei den Republikanern zu organisieren.

Dank Ronald Reagan haben die Fusionisten, deren Organ der National Review in New York ist, in der Tat eine Welle der intellektuelle Hegemonie begrĂŒndet. Doch ist das eine Weile her. Faktisch drĂŒckte sich der amerikanische Fusionismus darin aus, dass die verfolgten Ziel konservativ waren, die eingesetzten Mittel aber liberal.

Konkret ist Staatskritik, denn er Staat sei ein bloss ein Steuerstaat, neige zu ĂŒberbordendener BĂŒrokratie und gantiere angesichts grasierenden KriminalitĂ€t keine Sicherheiten mehr. Damit entferne er sich zusehends von den konservativen Hoffnungen und mĂŒsse er wie bei den Liberalen zurĂŒckgebunden werden. An ihnen sei zu erklĂ€ren, wie die Konservativen ihre Agenden vorantreiben sollen.

Als Stern am Himmel der neuen Fusionisten in Europa wird der NiederlĂ€nder Geert Wilders gefeiert. Entstanden sei seine Bewegung aus liberalen Ueberlegungen gegen den Staat. Verbunden habe sich diese mit den Zielen der Nationalisten gegen die EU. Und erfolgreich sei er geworden mit der Polarisierung zwischen christlich-jĂŒdischen und islamischen Werten. Nun eile man unaufhaltsam von Wahlsieg zu Wahlsieg.

„Denkbar“ empfiehlt deshalb solche Fusionen als Vorgabe fĂŒr ganz Europa. Denn „Wahlen gewinnt man mit Werten und Emotionen.“

Klar und deutlich sind die weltanschaulichen RatschlĂ€ge, die da geboten werden: Der amerikanische Republikanismus ist das Vorbild, der konservativ gewordene Nationalliberalismus in Europa das Abbild, die konservativen Potenziale das Sucbild. und die ganzen Lehren von rationalen Entscheidungen, wie sie an der HSG fĂŒr Wirtschaft und Politik hochgehalten werden, das Trugbild.

Eigentlich hielt ich eine solche Empfehlung bis vor Kurzem an einer liberalen Hochschule fĂŒr undenkbar.