Polikwissenschaftliche Institute in der Schweiz im Publikationsvergleich

Erstmals wurde eine Studie ĂŒber die publizistische ProduktivitĂ€t der 52 politikwissenschaftlichen ProfessorInnen in der Schweiz erstellt. Sie macht KarriereverlĂ€ufe anhand von transparenter und lĂ€sst Profile der Institute erkennen, in denen sie heute arbeiten.

Thomas Bernauer, einer der beiden Studienleiter, verschwieg die Ursache der Studie nicht: Immer hĂ€ufiger werde bei der Vergabe finanzieller Mittel an Personen und Institute auf Instrumente wie Publikationen in Journals oder auf dem Web abgestellt. Um eine solche Bewertung von aussen zu vermeiden, habe sich die Schweizerische Vereinigung fĂŒr Politische Wissenschaften entschieden, selber eine Bibliometrie der Schweizer Politikwissenschaft zu erstellen.

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„Institutsvergleiche“ in der Schweizer Politikwissenschaft hinsichtlich Publikationen und Zitierungen in Fachzeitschriften, Boxplot, sortiert nach Medianwerten. Ein(e) ProfessorIn in der Schweiz hat demnach im Schnitt 6 international registrierte Publikationen und 55 Zitierungen auf Google Scholar.

Wissenschaftlich gesehen interessierte die Frage, wann ein Professor oder eine Professorin hinsichtlich Publikationen den Karrierehöhepunkt erreicht. „15 bis 20 Jahre nach der Doktorarbeit“ lautet die Antwort. Wer es innert 5 bis 10 Jahre zu einer Professur bringe, brauche noch eine Etablierungsphase, um mittels Veröffentlichungen in Journals und mit BĂŒchern selber breit genug prĂ€sent zu sein und von KollegInnen hinreichend verwendet und empfohlen zu werden. InternetprĂ€senz ist neuerdings davon nicht unabhĂ€ngig, entwickelt sich vielmehr parallel dazu.

Bei der PrĂ€sentation im Rahmen des Jahreskongresses interessierte vor allem der Vergleich der Institute untereinander. FĂŒhrend sind (in alphabethischer Reiehenfolge) die Institute der UniversitĂ€ten Bern, Luzern und ZĂŒrich gemeinsam mit der ETH in ZĂŒrich. Es folgen Genf (Uni und IHEID) und St. Gallen, wĂ€hrend die Politikwissenschaft in Lausanne (Uni und IDHEAP) am wenigsten prĂ€sent ist. Zum Teil lĂ€sst sich das mit einer stĂ€rkeren Ausrichtung auf Lehre und angewandte Forschung begrĂŒnden.

Die Diskussion der neuartigen Studie am Jahreskongress der PolitologInnen-Vereinigung konzentrierte sich zuerst auf methodische Eigenheiten. BemĂ€ngelt wurde, dass Selbstzitierungen und Co-Autorenschaften gleich wie Fremdzitierungen von EinzelbeitrĂ€ge gezĂ€hlt wurden; eine anerkannte Lösungen des Problems zeichnete sich nach Fabrizio Gilardi, dem zweiten Autor, nicht ab. Eine PrĂ€zisierung war hart: Da die Publikationsbiografien von Individuen untersucht wurden, sind die Vergleiche keine Aussage ĂŒber den Output politikwissenschaftlicher Institutionen, sondern der in ihnen tĂ€tigen WissenschafterInnen, – egal, wann sie ihren Publikationspeak hatten.

Sichtbar werden dank der Studie Unterschiede in der Nachwuchsförderung: Die HĂ€lfte der 28 qualifizierten, universitĂ€ren ForscherInnen ohne Professur sind in ZĂŒrich an der Uni oder an der ETH tĂ€tig. Die Konzentration wirkt sich offensichtlich auf die ProduktivitĂ€t aus, denn diese ist auf dem Platz ZĂŒrich doppelt so hoch wie in der ĂŒbrigen Schweiz.

Da bibliometrische Platzierungen in den kommenden Generationen ĂŒblicher sein werden, ist damit zu rechnen, dass die kommenden Professoren schwergewichtig aus ZĂŒrich kommen werden, und sich die Scheu, verglichen zu werden, damit auch abnehmen wird.

Quelle: Th. Bernauer, F. Gilardi: Publication Output of Swiss Political Science Departments, SVPW (noch unveröffentlicht)