Die treibende Kraft der nationalkonservativen Kampftruppen.

Ulrich SchlĂŒer ist seit 1970 dabei, wenn es seiner Meinung nach gilt, die Schweiz im nationalkonservativen Geist gegen die Berohungen von aussen zu schĂŒtzen. Momentan wirkt er als GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Kampagne fĂŒr die Minarett-Initiative.

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Ulrich SchlĂŒer, bei der Einreichung der Unterschriften fĂŒr die Anti-Minarett-Initiatie (Foto: Keystone)

Ulrich SchlĂŒer entstammt einer politischen Familie. Sein Grossvater stand links, sein Vater rechts. Vor zwei Generationen war man bei den SchlĂŒers noch Einwanderer, kam man, vom Kaiser verfolgt, aus Sachsen-Anhalt in die Schweiz. Jetzt gehört ihr bekanntester Vertreter als Exponent des ganz rechten Randes im Schweizer Parlament zu den heftigsten Gegnern jedweder Einwanderung von Menschen und Ideen, die unschweizerisch sein könnten.

Das PortrĂ€t von Pascal Hollenstein ĂŒber den geistigen Vater der Minarett-Initiative, den unermĂŒdlichen Unterschriftensammler ĂŒber seine Zeitung „Schweizerzeit“ und den GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Ja-Kampagne in der heutigen „NZZ am Sonntag“ macht eines klar: WĂ€hrend den 40 Jahren, die SchlĂŒers politische Karriere alt ist, haben sich die Themen in der Migrationsfrage geĂ€ndert; geblieben ist das konsequente Nein der heute 65jĂ€hrigen gegen alles, was von aussen kommt oder kommen könnte: „Er war gegen den UNO-Beitritt, gegen den EWR, gegen AuslandseinsĂ€tze der Armee. Gegen die erleichterte EinbĂŒrgerung, gegen registrierte Partnerschaften Homosexueller, gegen Harmonisierung im Schulwesen. Gegen alles, was aus Europa kommt, gegen die Bilateralen VertrĂ€ge, die PersonenfreizĂŒgigkeit, gegen deren Erweiterungen, gegen Schengen, gegen Dublin, gegen KohĂ€sionszahlungen. Gegen den Beitritt zur Weltbank und IMF. Gegen internationale Abkommen generell.“

Angefangen hat der 25jĂ€hrige Historiker Urich SchlĂŒer als SekretĂ€r von James Schwarzenbach, dem Erzkonservativen ZĂŒrcher, der den mĂ€chtigen Freisinn von damals herausforderte, als er sich gegen die Wirtschaft stellte, die die Ueberfremdung des Landes beklagte, und so als erster „Republikaner“ in den Nationalrat gewĂ€hlt wurde. Bei ihm erlernte er das Handwerk der direkten Demokratie, des Kampfes fĂŒr die Sache, der die Zustimmung durch die Bevölkerung sucht. SpĂ€ter wurde er zum Verleger mit einem Hang zum Sektiererischen, der „Schweizerzeit„, die es heute noch auf Papier und im Internet gibt, von „BĂŒrger und Christ“, einer Zeitung, die eingegangen ist, ebenso wie die „Protea Publikationen“, die von den Beziehungen der Schweiz zum weissen SĂŒdafrika lebten.

Erfolgreicher war SchlĂŒer wieder, als er in die SVP Christoph Blochers aufgenommen wurde. 1994 schaffte er die Wahl zum GemeindeprĂ€sident seines Wohnortes Flaach, dann wurde 1995 ZĂŒrcher Nationalrat. 2007 scheitert seine Wiederwahl knapp, nicht zuletzt, weil sein Engagement im Wahlkampf zur vorĂŒbergehenden Aufhebung der parlamentarischen ImmunitĂ€t fĂŒhrte. Doch rĂŒckte SchĂŒer auf der ZĂŒrcher SVP-Liste nach, als Nationalrat Ueli Maurer Bundesrat wurde. Insbesondere dem WirtschaftsflĂŒgel der Partei bleibt der KĂ€mpfer fĂŒr eine heile Schweiz suspekt, stimmt er doch wie kein anderer unter der Bundeskuppel fĂŒr eine restriktive AuslĂ€nderpolitik, fĂŒr eine starke Armee und mehr Polizei und fĂŒr weniger Steuern, doch hĂ€lt er sich bei Fragen der Liberalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft selbst fĂŒr SVP-VerhĂ€ltnisse zurĂŒck, wie sein Politprofil aufgrund von Namensabstimmungen ergibt.

Das PortrĂ€t in der NZZ am Sonntag erwĂ€hnt Freunde und Feinde von Ulrich SchlĂŒer, die ihm wegen seiner unaufgeregten Gradlinigkeit gewissen Respekt zollen, ihn aber wegen seiner hartnĂ€ckigen Sturheit aber auch meiden. Jo Lang, ebenso wie SchlĂŒer Historiker und Mitglied der Sicherheitskommission des Nationalrates, als Armeeabschaffer politisch aber bei den GrĂŒnen aktiv, meint ĂŒber SchlĂŒers Weltbild: „Die Chiffren sind austauschbar. Ob Kommunismus, Zuwanderung, EU oder Islam – immer sieht er eine Bedrohung des Volkskörpers“. Die Etiketten, die ihn hierfĂŒr gegeben werden, sind recht vielfĂ€ltig. FĂŒr seine Kritiker in der BlogosphĂ€re, ist SchlĂŒer schlicht ein „SVP-Taliban“. Die englische Wikipedia platziert ihn unter die „far rights“ in der Schwiez, und gemĂ€ss NZZ am Sonntag kennzeichnet ihn rechtsnationale und rechtskonservative Haltungen.

Claude Longchamp