Warum Daniel Binswanger gegen die Minarett-Initiative ist

Eine interessante EinschĂ€tzung der Minarett-Initiative liefert heute Daniel Binswanger im Magazin. “Da es sie nun gibt, mĂŒssen sowohl die Initiative als auch das Plakat dem demokratischen Prozess zugemutet werden. Die KollateralschĂ€den, welche die einsame Schweizer Verbotsdebatte erzeugt, sollten jedoch nicht unterschĂ€tzt werden.”

binswanger
FĂŒr Daniel Binswanger, Star-Kolumnist der Schweiz, verhindert die Minarett-Initiative eine Islam-Strategie der Schweiz, die fördernd und fordernd wĂ€re.

GeschĂ€digt sieht Binswanger erstens die direkte Demokratie. Stossend sei, dass man mit der Initiative und ihrer Vermarktung die Unlauterkeit als solche zum volksdemokratischen GĂŒtesiegel erhebt. Je argumentationsfreier, desto demokratischer. Es ist beelendend Schauspiel, wenn professionelle Meinungsmacher wie Roger Köppel die Â«Ăœberpointiertheit» der Minarett-Plakate als QualitĂ€tsmerkmal bejubeln, ĂŒbt er sich gleich auch in der Medienkritik.

GeschĂ€digt wird, so Binswanger, zweitens der KlĂ€rungsprozess, mit dem unser Land das VerhĂ€ltnis zu seiner muslimischen Minderheit festlegen muss. GeschĂ€digt werde eine Politik, die dem Islam tabulos und fordernd gegenĂŒbertritt, die Integrationsprobleme weder verleugnet noch verniedlichtl und die nur den Islam toleriere, der selber tolerant ist und im Rahmen unseres Rechtsstaates praktiziert werden kann.

Der Schaukampf ums Minarett wird diese nötigen Auseinandersetzungen keinen Millimeter voranbringen. Im Gegenteil: Der Krieg der Symbole ist nichts als ein billiges Ausweichmanöver.

Empfohlen werden Islam-politische Strategien wie in Frankreich und Deutschland: fördernd und fordernd.

Claude Longchamp