FPOe gewinnt Landtagswahlen in Vorarlberg dank Mobilisierung gegen Establishment

Nicht zuletzt wegen der an die SVP angelehnten Wahlwerbung der FPOe schaute man hierzulande heute gespannt auf das Ergebnis der Vorarlberger Landtagswahlen. Die OeVP beh√§lt zwar die absolute Mehrheit und regiert, wie angek√ľndigt, ohne die FPOe. Doch diese ist nun zweite Partei und verdoppelte ihre W√§hlerInnen-St√§rke, vor allem dank eine sensationellen Neumobilisierung.

1252805188895
Quelle: Der Standard

Man erinnert sich: Die nationalkonservative FPOe setzte im Wahlkampf auf heimatliche Themen. Mit Plakaten rief sie zum “Schluss mit der falschen Toleranz” auf. Im Visier hatte sie t√ľrkische MigrantInnen und Minarette bei islamischen Gottesh√§usern. Damit gewann sie die Medienaufmerksamkeit f√ľr sich. Diese hielt sie Kritik am Direktor des J√ľdischen Museums Hohenems hoch, was der bisherigen Regierungspartei ihre Akeptanz bei der st√§rkeren OeVP kostete.

Gem√§ss vorl√§ufigem Wahlergebnis hat das der FPOe im Vorarlberg gen√ľtzt. Im neuen Landtag hat sie nun 9 der 36 Sitze. Ihre W√§hlerInnen-St√§rke erh√∂hte sie von 12,9 auf 25,9 Prozent.

Die W√§hlerstromanalyse des Instituts SORA benennt den Hauptgrund f√ľr den Erdrutsch im Vorarlberg: Der FPOe gelang es wie keiner anderen Partei Neuw√§hlende f√ľr sich zu gewinnen. Fast die H√§lfte der aktuellen Stimmen machte sie bei Nicht-W√§hlenden der Vorwahl. Beschr√§nkt legte die FPOe auch zu Lasten der OeVP zu. Und sie sammelten Stimmen bei bisherigen Aussenseiterlisten.

1252806162282

Die OeVP konnte den Schaden in recht engen Grenzen halten, weil sie zwar nach rechts verlor, gegen√ľber links aber gewann. Ihre Wechlerbilanzen sind sowohl gegen√ľber der SPOe wie auch den Gr√ľnen positiv. Marginal nutzte die gestiegene Wahlbeteiligung auch der OeVP. Die Gr√ľnen, die ihren W√§hlerInnen-Anteil hielt, kompensierten die Verluste an die OeVP durch Neumobilisierung. Genau das gelang der SPOe nicht, weshalb sie einbrach.

Bilanziert man den Wahlkampf der FPOe kann man vorerst festhalten: Sie setzte inhaltlich focussiert auf verdr√§ngten Themen und kombinierte das stilm√§ssig mit den Mitteln der Provokation. Das kostete ihr zwar die Reigerungsw√ľrdigkeit. Doch gelang es ihr, die angedrohte Verlagerung auf die Oppositionsb√§nke zu nutzen, um sich bei den bisherigen Nichtw√§hlerInnen massiv zu empfehlen, und der OeVP ver√§rgerte W√§hlerInnen abzunehmen. Die Partei hat damit nicht die Mehrheit bekommen, aber mehr W√§hlerInnen angesprochen als bisher, wie das die SVP in der Schweiz auch macht. Zuerst braucht es die Oberhoheit √ľber die Oeffentlichkeit, um die eigenen Themen ins Zentrum zu r√ľcken. Und dann dann setzt man voll auf Mobilisierung gegen das irritierte Establishment, womit sich das w√§hlende B√ľrgerInnenspektrum nach rechts bewegt.

Claude Longchamp