Steinmeier gewann Fernsehduell fĂŒr sich, nicht aber fĂŒr die SPD

Als Teilmodul der grossangelegten German Longitudinal Election Study untersuchen vier Politik- und KommunikationswissenschafterInnen das Fernsehduell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (SPD). In ihrer ersten Publikation weniger als eine Woche danach vermitteln sie einen Punktevorsprung fĂŒr Steinmeier, der sich in seiner Bewertung messen liess, bisher aber kaum auf die SPD abfĂ€rbte.

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Fieberkurve des Fernseh-Duells zwischen Merkel und Steinmeier

Torsten Faas veröffentlicht auf seinem lesenwerten Blog zum Wahlkampf erste Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung, die mittels Instant-Bewertungen eines Querschnitts von WÀhlerInnen in Echtzeit erfolgten.

Den besten Moment hatte Steinmeier gemĂ€ss Fieberkurve zur Sendung in der 24. Minute als er sagte, „Wir mĂŒssen diese Lohnspirale nach unten aus mehreren GrĂŒnden aufhalten: weil hier auch der Aspekt von WĂŒrde von Arbeit bedroht ist. Wer den ganzen Tag arbeiten geht, muss von seinem Einkommen aus Arbeit auch leben können. Wirklich leben können.“ Stark war er auch in seiner Schlussrede, als er in Abrenzung zur bĂŒrgerliche Koalition nochmals zur Einkommensfrage sprach: „Schwarz-Gelb wird bedeuten, dass eine RĂŒckkehr zur Atomkraft stattfindet. Das ist nicht mein Weg. Das ist kein sozialdemokratischer Weg, ich steh dafĂŒr, dass jeder, der arbeitet, aus seinem Einkommen auch leben kann.“

Merkel triumphierte vor allem am Anfang. Nach 11. Minuten erhielt sie die Bestnote fĂŒr das Statement zur globalen Finanzmarktaufsicht: „Und jetzt sage ich: wir brauchen Regeln fĂŒr die internationalen FinanzmĂ€rkte und wir brauchen auch einen Export der Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft, davon bin ich zutiefst ĂŒberzeugt.“

In der Bilanz spricht Faas von relativen Vorteilen fĂŒr Herausforderer Steinmeier. Im gelang es seine Kanzler-Eignung von von 23 auf 29 Prozent zu steigern. Dabei legt er nicht zulasten von Kanzlerin Merkel zu, die bei 57 blieb. Es gelang ihm aber, bei UnschlĂŒssigen einen Bewegung mit positiven Saldo zu seinen Gunsten auszulösen.

Weiter Auswertungen, vor allem aufgrund von Befragungen werden folgen. Unmittelbar kann man das vorlÀufige Ergebnis an den Trendumfragen zur Wahlabsicht verifizieren. Hier trifft zu, dass sich die CDU/CSU hÀlt, wÀhrend die SPD bisher nur minimal zunimmt. Der unmittelbare Effekt auf die Partei ist geringer als auf die Person.

Claude Longchamp