Wider den Mythos der „Nacht der langen Messer“

Insbesondere seit der Bundesratswahlen von 1983 gibt es in der Schweizer Politik den Mythos der „Nacht der langen Messer„. Gemeint ist damit, dass am Vorabend einer Bundesratswahl mit einer aus dem Hut gezuaberte Ueberraschung noch einmal alles umgestossen werden kann. Das beschert den einschlĂ€gigen Bars in Bern viele GĂ€ste, denn „ganz Politbern“ trifft sich, um dabei zu sein, wenn es geschieht, und die Medien berichten live in den Abendsendungen vom Ort des Geschehen.

p9151142
vlnr: Claude Longchamp, Hubert Mooser, Reto Hunziker und Roman Weber, die letzten drei von der Berner Zeitung (Foto: Otmar von Matt)

Nun eröffnen die Blogs die Möglichkeiten, die Szenarie sachlich zu erweitern. Die „Berner Zeitung“ schickt zwischenzeitlich drei Blogger unterwegs. Und auch ich habe vor einem Jahr angefangen, meine Blogs (diesen hier und www.stadtwanderer.ch) hierfĂŒr einzusetzen. Das kann im small talk enden, oder in der analyse.

Das hat zwischenzeitlich auch die Printausgabe der BZ gemerkt. Denn nach den Fraktionssitzungen vom Dienstag und den ErklÀrungen, die danach zu Mehrheits- oder StimmverhÀltnissen gemacht worden sind, konnte man die Ausgangslagen, Entwicklungschancen und AusgÀnge der Bundesratswahl ganz gut abschÀtzen. So entschied ich mich, statt des vorgesehenen Stimmungsberichtes aus dem Bellevue kurzfristige das wichtigste Szenario zu platzieren. Ueberraschungen waren zwar nicht auszuschliessen, erschienen aber wenig wahrscheinlich.

Den ĂŒberraschten Bloggerkollegen der BZ, die ich unterwegs zweimal traf, erzĂ€hlte ich davon, und sie verbreiteten meine Anaylse (Version 1830, Version 2400) sofort ĂŒber ihren Kanal.

In der Tat lief der Mittwochmorgen weitgehend so ab. Nachdem sich Dick Marty empfahl, war definitiv es klar. Die FDP hatte den SchlĂŒssel selber in der Hand, zu entscheiden, wer in den Schlussgang kommt, und hatte da auch den Trumpf in der Hand. Insbesondere war auch klar, dass die von Medien verbreitete Spannungsmache, alles sei offen und die SVP oder die SP hĂ€tte es der Hand, die Wahl zu entscheiden, als Mythen entlarvt waren. Die Strategen der FDP wussten schon lange, dass dem nicht so ist, und jene der CVP hatten auch begriffen, was es geschlagen hatte.

Die BZ sieht da in ihrem heutigen Kommentar genau so. „Der Politologe hatte damit („FDP entscheidend“) ebenso recht, wie mit seiner Aussage, dass wenn Burkhalter im Schlussgang sei, dies Schwaller genau jene Stimmen kosten könne, die es ausmachten, wer Bundesrat wird.“

Danke fĂŒr die Blumen, und fĂŒr die Bekanntmachung meines Blogs, der seit dieser Nacht HöheflĂŒge bei den BenutzerInnen-Zahlen kennt …

Claude Longchamp