Wahlforschung in Theorie, Empirie und Praxis.

AnkĂŒndigung der Vorlesung von Claude Longchamp im Herbstsemester (18.9.-18.12) 2009 am Institut fĂŒr Politikwissenschaft der UniversitĂ€t ZĂŒrich

11-04-08-the-electoral-map_d5a2edd91226417644

Ziele und Vorgehen
Die Vorlesung will die Teilnehmenden in drei Bereiche der Wahlforschung einfĂŒhren:

. in die Theorien der Wahlforschung,
. in die Empirie der Wahlforschung und
. in die Praxis der Wahlforschung,

HauptsÀchliches Anschauungsmaterial sind schweizerische Wahlen auf nationaler Ebene. Gelegentlich werden auch Wahlen auf kantonaler Ebene miteinbezogen resp. kommen auch Wahlen im Ausland, insbesondere in den USA, zur Sprache.

AbsolventInnen der Veranstaltung sollen am Schluss einen Ueberblick ĂŒber die relevanten Themen in den genannten Bereichen und die Leistungen der Wahlforschung hierzu haben. Das soll nicht nur abstrakt, sondern auch konkret aus der gelebten Wahlforschung heraus vermittelt werden.

Inhalt und Aufbau der Vorlesung
Wahlen gelten als wichtigstes, wenn auch nicht einziges Kriterium von Demokratien, denn sie regeln periodisch die politische Machtverteilung. Die sozialwissenschaftliche Wahlforschung beschÀftigt sich dabei mit verschiedensten Fragestellungen. Von diesen greifen wir in der Vorlesung eine heraus: Wie bildet sich der WÀhlerInnen-Wille heraus, der die Wahlergebnisse bestimmt und in Mandate in Parlamenten (beschrÀnkt auch Regierungen) transformiert wird.

Wahlforschung wir bei weitem nicht nur von der Politikwissenschaft alleine betrieben. Die ganzen Sozialwissenschaften beschĂ€ftigen sich damit, namentlich die (Sozial)Psychologie, die Oekonomie, die Soziologie, die Kommunikations- und Medienwissenschaft, aber auch Geschichte, Geografie Jurisprudenz und Statistik. Wahlforschung ist deshalb in hohem Masse ein interdisziplinĂ€r betriebenes Wissenschaftsfeld, was sich in der Vorlesung spiegeln soll. Wahlforschung wird darĂŒber hinaus nicht nur von der theoretischen Seite aus betrieben; sie entsteht immer wieder von neuem aus der (sozialwissenschaftlich inspirierten) Bedarfsforschung.

Zur Sprache kommen in der Vorlesung nebst der Fachliteratur auch Projekte, welche aus universitĂ€ren resp. ausseruniversitĂ€ren Forschung entstanden sind resp. diese befruchten. Namentlich erwĂ€hnt seien Selects, fög-Medienanalysen, das SRG-Wahlbarometer, smartvote und die sotomo-Studien. Speziell behandelt wird auch das weltweit fĂŒhrende Prognoseprojekt „PollyVote“.

Damit erweitert sich die ĂŒbliche, akademische Betrachtungsweise von Wahlen hin zur praktischen. Das soll aufzeigen, zu was theoretisch-empirische Wahlforschung fĂ€hig ist, durch was diese aber auch beeinflusst wird, und wie weit sie Wahlen selber beeinflusst.

Inhaltlich hat die Vorlesung 6 etwas ungleiche Teile:

– Die EinfĂŒhrung (2 Stunden)
– Der Ueberblick ĂŒber die Themen (2 Stunden)
– Die PrĂ€sentation ausgewĂ€hlter Theorien der Wahlforschung (6 Stunden)
– Die PrĂ€sentation zentraler empirischer Vorgehensweisen in der Wahlforschung (6 Stunden)
– Die Besprechung von Forschungsprojekte der politikwissenschaftlichen der angewandten Wahlforschung (8 Stunden)
– Der Ausblick zum Stand der Wahlforschung und zu ForschungslĂŒcken (in der Schweiz) (2 Stunden)

Hinzu kommt die PrĂŒfung wĂ€hrend der letzten Sitzung.

Die Vorlesung versteht sich als Vorbereitung fĂŒr PolitikwissenschafterInnen, die in die Wahlforschung einsteigen möchten, sei dies in der universitĂ€ren Grundlagenforschung oder in der ausseruniversitĂ€ren Anwendungsforschung. Die Vorlesung ist mehr als eine EinfĂŒhrung in die politikwissenschaftliche Betrachtungsweise von Wahlen. Sie ist gleichzeitig auch weniger als ein Forschungsseminar hierzu.

Auswahlbibliografie (empfohlene LektĂŒre)
Klöti, U. et al. (Hg.): Handbuch der Schweizer Politik, ZĂŒrich 2006. (insbesondere: “Die nationalen Wahlen in der Schweiz”, p. 427-457
Rosenberger, S., Seeber, G.: WĂ€hlen. Wien 2008.
BĂŒrklin, W., Klein, M.: Wahlen und WĂ€hlerverhalten, Opladen 1998 (2. Auflage).
Roth, D.: Empirische Wahlforschung. Urpsrung, Theorie, Instrumente, Methoden, Wiesbaden 2008 (2. aktualisierte Auflage).
Falter, J., Schoen, H.: Handbuch Wahlforschung, Wiesbaden 2005.