„Die Schuldigen sitzen in der UBS“

Partick MĂŒller, jĂŒngst zum besten Chefredkator der Schweiz gekĂŒrt, greift in der heutiger Ausgabe seines „Sonntags“ zum ZweihĂ€nder: „Die Schuldigen sitzen in der UBS. Mit ihrem Verhalten haben sie die Bank an den Abgrund gefĂŒhrt, dem Finanzplatz massiv geschadet und den Anfang vom Ende des Schweizer Bankgeheimnisses eingeleutet.“

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Titelseite des heutigen „Sonntag“, der voll auf die UBS-Spitze zielt.

Die Zeitung gibt an, den Wortlaut des Vergleichs zwischen den USA und der UBS zu kennen. „Wahr“, das heisst von der UBS nicht bestritten, ist demnach:

Erstens, die UBS unterschrieb die amerikanische GeschÀftsvereinbarung zur Vermeidung von Steuerflucht, die 2001 in Kraft trat. Danach durften die Schweizer Banker Kunden in den USA weder besuchen, noch mit ihnen kommunizieren. Trotzdem betrieb die Bank bis 2007 durch ihre Private-Banker ein System, mit dem sie Kunden half, Steuern zu umgehen. Die GeschÀfte wurden bis 2007 ausgebaut, obwohl man wusste, dass die illegal waren.

Zweitens, man wusste bis in die obern Etagen seit 2001, dass man im Visier der amerikanischen Steuerbehörde war. Dennoch reagierte man nicht. 2004 wurde der Anreiz fĂŒr Kundeberater sogar noch erhöht, illegale GeschĂ€fte zu tĂ€tigen. 3800 verbotene Sitzung sind bekannt und werden auch nicht bestritten. Erst 2006 wurde man etwas vorsichtig, weil ein Wistleblower Hinweise liefert. Die interne Untersuchung verlief aber im Sand.

Drittens, gemĂ€ss „Sonntag“ machte die UBS mit diesem GeschĂ€ft 120 Million Gewinn im Jahr. DafĂŒr arbeiteten 0,3 Prozent der Kundenberater. Es betraf ein Prozent der Kunden. Es handelt sich damit nicht um ein Kerngeschaft. Eher um eine risikoreiche NebentĂ€tigkeit.

Der Kommentator MĂŒller ist ĂŒberzeugt, dass die Chefs der Bank vom Komplott gegen die USA-Steuerbehörden wussten, und dem Treiben jahrelang zugeschaut haben. „Was braucht es eigentlich noch, bis sie gehen mĂŒssen?“, schliesst er seinen unmissverstĂ€ndlich abgefassten Leitartikel.

Die UBS hat ĂŒbrigens postwendend dementiert. Weder VerwaltungsratsprĂ€sident Peter Kurer, noch CEO Marcel Rohner seien informiert gewesen.

Claude Longchamp