Erste Prognosen zu den eidg. Volksabstimmungen vom 26. September 2021

Der Abstimmungskampf zu den eidg. Volksabstimmungen vom 26. September nimmt Fahrt auf. Nun liegen auch erste Prognosen vor.

Es ist fast schon ein kleines Ritual. Kaum ist das AbstimmungsbĂŒchlein des Bundes erschienen, macht Stellus, ein anonym arbeitender Informatiker der EPUL, seine Prognosen. Denn er wertet die Texte eben dieses BundesbĂŒchleins aus.
Nein zur 99 %-Initiative und Ja zu „Ehe fĂŒr alle“ sind seine Vorhersagen.
Ganz ĂŒberraschend ist das nicht. Doch gibt es erstmals auch eine quantitative Vorhersage. Demnach schafft es die JUSO-Initiative auf 35 Prozent Ja. Das Ehe-Gesetz kommt auf 57 Prozent Zustimmung.
Damit ist Stellus nicht mehr der Schnellste. Gemeinsam mit der Politwissenschafterin Michelle Huber habe ich ein Verfahren entwickelt, das noch frĂŒhere Prognosen liefert. Es basiert auf einem Algorithmus, der das Abstimmungsergebnis in der Volksabstimmung aus den Schlussabstimmungen im Nationalrat herleitet. Demnach kommt die 99%-Initiative auf 38 Prozent, das Gesetz zu „Ehe fĂŒr alle“ ebenfalls auf 57%. Über beides wurde auf diesem Blog bereits berichtet.

Möglichkeiten und Grenzen frĂŒher Prognosen
Beide Verfahren sind unabhĂ€ngig von einander. Sie haben sich fĂŒr qualitative Aussagen weitgehend bewĂ€hrt, sind aber nicht fehlerfrei. So prognostizierten beide fĂŒr den 13. Juni 2021 ein Ja zum CO2-Gesetz. Schließlich wurde es in der Volksabstimmung knapp abgelehnt. Entstanden ist Ablehnung aus dem spezifischen Abstimmungskampf, den beide Verfahren nur soweit berĂŒcksichtigen, als kein Sonderfall vorliegt.
Diesmal stimmt eigentlich alles ĂŒberein. Das Parlament hat seine Mehrheiten bei beiden Vorlagen recht deutlich gebildet, die Bundeskanzlei hat ein erwartbares BundesbĂŒchlein verfasst und publiziert. Bisher hat auch keine Partei eine Parole beschlossen, die man nicht aus der Fraktionsentscheidung hĂ€tte ablesen können.
Zudem entspricht das Konfliktmuster der langjÀhrigen Erfahrungsregel, wonach Behördenvorlagen meist angenommen, linke Volksinitiativen fast immer abgelehnt werden.