In vier Kantonen finden Regierungswahlen statt. Teils mit offenem Ausgang

Heute stimmt die Schweiz nicht nur ab. Sie wĂ€hlt auch in 4 Kantonen. Im Wallis und Solothurn werden die Regierung und das Parlament erneuert. In Genf und Glarus finden Ersatzwahlen in die Regierung statt. Das Augenmerk richtet sich auf die neue Partei „DieMitte“, hervorgegangen aus CVP und BDP. Sie muss gleich drei Sitze verteidigen. Drei denkbare Gewinnchancen hat die SVP.

Die jetzige Zusammensetzung der Kantonsregierungen und -parlamente aus nationaler Sicht

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Alle vier kantonalen Wahlen finden nach dem Mehrheitswahlrecht statt. Bisherige, die unbescholten sind, haben einen Vorteil. Neu-Kandidierenden, die erfolgreich sein wollen, brauchen sowohl als Person eine starke Basis als auch politisch eine breite UnterstĂŒtzung.

Wallis
Im Kanton Wallis mĂŒssen die CVP und die SP je eine(n) Bisherige(n) ersetzen. Herausgefordert werden beide Parteien von der SVP und den GrĂŒnen, letztere gleich mit einer Doppelkandidatur.
Bei der CVP geht es um die Wahrung der absoluten Mehrheit in der Regierung. Bei der SP um Besitzstandswahrung des einzigen Sitzes.
Die drei Bisherigen sind trotz „SkandĂ€lchen“ in letzter Minute weitgehend unbestritten; sie dĂŒrften die Wiederwahl schaffen. SP und SVP treten mit je einem Nationalrat an. Die SP muss dabei eine Frau durch einen Mann ersetzen.
Eine Umfrage von sotomo legt nahe, dass die SP den Sitz halten kann. Doch könnte die SVP der CVP einen Sitz abnehmen. Damit wĂŒrde die Walliser Regierung pluralistisch zusammengesetzt. Sie hĂ€tte keine Frau mehr in ihren Reihen.
Die Kantonsregierung könnte leicht nach rechts rĂŒcken. Gebrochen wĂŒrde dabei die letzte absolute Vorherrschaft der regional fĂŒhrenden Partei in einer Kantonsregierung.

Solothurn
Im Kanton Solothurn treten gleich die beidem ehemaligen CVP-RegierungsrĂ€te zurĂŒck. Die Partei beansprucht, beide Sitze wieder selber zu besetzen. Das machen ihr FDP und SVP strittig. Der Ausgang der Verteilung ist recht offen.
Die lokalen Auguren rechnen mit einem zweiten Wahlgang, dannzumal ohne absolutes Mehr.
Denkbar ist, dass die CVP am Ende einen Sitz an die FDP oder SVP verliert. Je nach Ausgang der Wahl erhöht sich der Frauenanteil um eine Person. Die Regierung wĂŒrde allenfalls leicht nach rechts rĂŒcken.

Genf
Speziell sind die VerhĂ€ltnisse im Kanton Genf. Die Ersatzwahl wird wegen des RĂŒcktritts von Staatsrat Pierre Maudet nötig. Allerdings tritt der ehemalige FDP-Staatsrat auf einer eigenen, unabhĂ€ngigen Liste wieder an. Die Wahlchancen sind minim.
Wer den Sitz von Maudet erben könnte ist offen. Es sind gleich vier KandidatInnen in einer guten Position. Sie vertreten die FDP, die SVP, die GLP und die GrĂŒnen. Zwei von ihnen sind amtierende NationalrĂ€te. Eine eine Frau.
Angesichts des grossem Feldes an Bewerbungen gilt ein zweiter Wahlgang als sicher.
Politisch gesprochen sind der Status Quo, aber auch VerÀnderungen nach rechts, nach links und in der Mitte kommen. Zudem könnte eine Frau mehr in der Regierung sitzen.

Glarus
Auch im Kanton Glarus kommt es zu einer Ersatzwahl. Ein CVP-Regierungsrat wechselt in die Kantonalbank. Es duellieren sich zwei Neue, je eine Bewerber von der Mitte (vormals CVP/BDP) resp. von der SP. Der Kandidat der Mitte wird von der Lokalpresse leicht favorisiert.
Politisch ist der Status Quo am wahrscheinlichsten. An der Geschlechterzusammensetzung Àndert sich nicht.

Augenmerk auf die CVP/Mitte
Die CVP, in den meisten Kantonen neu als Mitte auftretend, steht an diesem Wochenende vor der grössten Herausforderung. Sie muss gleich drei Sitze verteidigen. Dabei kann sie auch verlieren, nicht aber gewinnen.
Siegerin des Tages könnte die SVP werden. Sie kann nichts verlieren, hat aber drei Aussichten auf Sitzgewinne.
Halten dĂŒrfte sich die SP, allenfalls gehört auch sie zu den Gewinnerinnen.
Die FDP könnte einen Sitz einbĂŒssen. In Genf sind die Aussichten auf Sitzerhalt jedoch gegeben. Im besten Fall gewinnt sie einen Sitz in Solothurn dazu.
Nicht ganz ausgeschlossen sind auch Sitzgewinne fĂŒr die GrĂŒnen und die GLP.

Fazit
Regierungsratswahlen bleiben zunĂ€chst Personenwahlen. Doch spiegeln sie auch die Bereitschaft der Parteien und WĂ€hlenden, fĂŒr politische StabilitĂ€t resp. VerĂ€nderung zu sorgen. Erster Grund hierfĂŒr sie RĂŒcktritte. Zweiter ist ein unruhiges Umfeld. Deshalb sind die Wahlen auch ein Hinweis, wie weit Corona die politische Landschaft verĂ€ndert hat.

PS: Es kommt zu zweiten WahlgĂ€ngen in allen vier Kantonen. Nur in Solothurn wurden die drei Bisherigen wiedergewĂ€hlt. Alle andern mĂŒssen wieder antreten.