Neue Wege der Kommunikation in Abstimmungskampagnen

(zoon politicon) Die SVP geht nach eigenen Angaben neue Wege in der Kommunikation wĂ€hrend Abstimmungskampagnen. Sie setzt bei der EinbĂŒrgerungsinitiative in ZĂŒrich ein Megaplakat ein. Es hat eine GrundflĂ€che von 160 Quadratmeter.

Innovative politische Kommunikation
Seit vielen Jahren ist die SVP dafĂŒr bekannt, mit plakativen Auftritten auffĂ€llige Abstimmungs- und Wahlkampagnen durchzufĂŒhren. Die jĂŒngste selects-Studie belegt den Aufwand, den die SVP bei den Wahlen dafĂŒr betrieb, aber auch die Wirkung, welche die Partei so erzielt.

Zu den Innovationen der politischen Kommunikation zĂ€hlt nach Angaben der SVP, welche in den letzten Jahren in der Schweiz eingefĂŒhrt worden sind, zĂ€hlt:

– die Abstimmungswerbung via Telefon
– die PrĂ€senz auf elektronischen WerbewĂ€nden in Bahnhöfen
– die Website mit SMS-Dienst fĂŒr News und offenem Diskussionsforum
– das Online-Game zu aktuellen politischen Themen wie „Zottel rettet die Schweiz“ sowei
– kreative Werbemittel, etwa das Trojanische Pferd auf dem Bundesplatz oder der Flyer in
Form eines Schweizer Passes bei der letzten EinbĂŒrgerungsvorlage.

Nun setzt die SVP als Teil ihrer Kampagne zur EinbĂŒrgerungsinitiative ein neues Werbemittel ein: Heute wurde das grösste Plakat, das in der Schweiz jemals fĂŒr politische Kommunikation eingesetzt wurde, prĂ€sentiert. Es befindet sich an der Aussenfassade eines Parkhauses an der Pfingstweidstrasse 1 in ZĂŒrich und misst 11,68 Meter mal 13,57 Meter!

Das neue Medium als Botschaft
Dabei verfolgt die SVP konsequent eine Linie: das Medium der Kommunikation wird zur Botschaft selber. Wir sind anders, wir sind besser, lautet das Motto. Und wenn der politische Gegner bei dieser Innovation nicht mithÀlt, ist das seine Sache.

Dieses Kommunikationsmuster hat Vorteile. Die Medien berichten darĂŒber, weil die KampagnefĂŒhrung eventartig ist und schon auf der Metaebene einen news-Wert hat. Und sie transportieren so auch immer wieder die Botschaften der SVP-Kampagnen, die sonst schnell als bekannt oder auch parteiisch hinterfragt werden.

Fehlende wissenschaftliche Evaluierung
Leider, kann man sagen, fehlt eine systematische, wissenschaftliche BeschĂ€ftigung mit einer Neuerung in der Kampagnenkommunikation, welche die SVP seit einigen Jahren betreibt. Bei Wahlen wurde das jĂŒngst ansatzweise nachgeholt; bei Abstimmungen steht es noch weitgehend aus. So bleibt die Hoffnung oder BefĂŒrchtung, dass das Ganze eine Wirkung im Sinne der Urheber hat, ohne dass das geprĂŒft wurden und rational diskutierbar wĂ€re.

Ich schreibe das bewusst nicht wegen der SVP, jedoch wegen der Sozialwissenschaft, die mit der Entwicklung auf dem Gebiet der Kampagnenkommunikation kaum mithalten kann. FĂŒr Studierende, die eine Abschlussarbeit in Politik- oder Medienwissenschaft schreiben wollen, eigentlich eine einladende Fundgrube, einen Beitrag zur Entwicklung der Wissenschaft und eine Beitrag zur demokratiepraktischen Debatte zu leisten.

Claude Longchamp

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