Kurz- und langfristige Betrachtungen zum Gesundheitswesen der Schweiz

Seit 1996 veröffentlicht das Forschungsinstitut gfs.bern jĂ€hrlich einmal seinen Bericht ĂŒber das Gesundheitswesen der Schweiz. Gesponsert wird das Projekt von der Interpharma, ermöglich wird mit dem Gesundheitsmonitor ein Instrument, das lang- und kurzfristige Betrachtungsweisen im Verbund erlaubt.

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Das KVG in der Bilanz
Ueber das bestehende KVG wurde Ende 1994 abgestimmt. Eine knappe Mehrheit von 52 Prozent nahm das neue Gesetz an. Eine Allianz aus SP und CVP, verstĂ€rkt durch Minderheiten von FDP und SVP verhalf der Vorlage zum Durchbruch bei den StimmbĂŒrgerInnen.
In der heutigen Bilanz haben 81 Prozent der Stimmberechtigten einen sehr oder eher positiven Eindruck zum Stand des Gesundheitswesen unter dem Krankenversicherungsgesetz. Die politischen, aber auch regionalen GrĂ€ben aus den Zeiten der EinfĂŒhrung sind weitgehend verschwunden. Die 10 Prozent mit negativem Bilanz macht in keiner der untersuchten Gesellschaftsgruppen eine Mehrheit aus.

Zentrale Werte
Die zentralen Werte, welche die SchweizerInnen an ein zeitgemĂ€sses Gesundheitswesen richten, sind (Wahl)Freiheit und QualitĂ€t. Letzteres ist fĂŒr genau zwei Drittel gut oder sehr gut. Ohne das wĂŒrde eine der wesentlichen StĂŒtzen des heutigen Gesundheitssystem fallen.
Klar ist, das hochstehende und leistungsfĂ€hige Gesundheitssystem in der Schweiz hat ihren Preis. So erstaunt es nicht, dass der Licht- auch eine Schattenseite gegenĂŒber steht Knapp 4 von 10 Befragte geben an, dauerhafte oder gelegentliche Problem mit dem Begleichen der KrankenkassenprĂ€mien zu haben. Bei 34 Prozent gilt das fĂŒr Zahnarztrechnung, und 26 Prozent machen eine entsprechende Aussage zu den ĂŒbrigen Auslagen fĂŒr Gesundheit. Nur die Steuern belasten (subjektiv) das Haushaltsbudget mehr.

Einheitskrankenkasse
In genau diesem Schnittfeld zwischen QualitĂ€t und Kosten ist die anstehende Volksabstimmung zur Einheitskasse angesiedelt. WĂŒrde bereits heute entschieden, wĂ€ren 49 Prozent bestimmt oder eher dafĂŒr, 38 Prozent bestimmt oder eher dagegen. Von einer gesicherten Mehrheit kann man da nicht sprechen. VerstĂ€rkt wird der Eindruck durch den Zeitvergleich, nimmt doch die Gegnerschaft zu, und bröckelt die BefĂŒrwortung. Die Zustimmung war ursprĂŒnglich hinsichtlich der politischen Lager recht unspezifisch. In den letzten 12 Monaten ist das aber rĂŒcklĂ€ufig, denn die vorlĂ€ufigen Nein-Anteil steigen von rechts her an. Bei der SVP-WĂ€hlerschaft ist heute eine absolute Mehrheit dagegen, bei der FDP ist es eine relative. Entscheidend bis zum Abstimmungsausgang ist, wie sich die Meinungsbildung in der Mitte und bei Parteiungebundenen entwickelt.

ehk
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FĂŒr die Vorlage spricht der Scheinwettbewerb unter den Kassen, der via Werbung einiges kosten, als System aber die Kosten nicht senkt. Gegen die Vorlage eingebracht werde kann, dass eine Einheitskasse der öffentlichen Hand zu einem Serviceabbau fĂŒhren wĂŒrde. Ja- und Nein-Seite sind in diesen Themen jeweils mehrheitsfĂ€hig.
Noch nicht entschieden, wer in der Kostenfrage obsiegt, Letztlich misstraut man in diesem Bereich den bisherigen Aussagen beider Seite: den InitiantInnen, wonach die Kosten sinken, ihrer Gegnerschaft, nach deren Auffassung sie steigen.Das wirksamste Argument der Nein-Seite ist gegenwÀrtig, das sich die Grundversicherung in ihrer heutigen Form bewÀhrt hat.

Ganzheitliches Betrachtungsweisen
Genau das nimmt denn auch Bezug auf den Ausgangspunkt dieser Betrachtung zum Gesundheitswesen in der Schweiz. Es ĂŒberwiegt das Positive, begrĂŒndet durch Leistungen auf hohem Stand, getrĂŒbt durch ein negatives Momentum, den Kosten hierfĂŒr.

Claude Longchamp