Neue Mandatsverteilung der Kantone im Nationalrat: Vorteile fĂŒr SVP und CVP, Nachteile fĂŒr GPS und FDP

HÀtte die Sitzverteilung im Nationalrat, die 2015 zur Anwendung kommt, schon 2011 gegolten, hÀtten die SVP und CVP je eine Vertretung mehr in der grossen Kammer gehabt, und es wÀren FDP und GPS entsprechend geschwÀcht worden.

Der Bundesrat hat die Sitzzahl der Kantone im Nationalrat der Bevölkerungszahl der Gliedstaaten angepasst. Da die einzelnen Kantone ungleich stark wachsen, kann das zu Verschiebungen der Gewichte unter Kantonen fĂŒhren, mit Folgen fĂŒr die Parteien.

Eine Simulation der Sitzverteilung fĂŒr 2011 nach den Regeln fĂŒr 2015 lĂ€sst erahnen, was in zwei Jahren geschieht:

. In ZĂŒrich hĂ€tte die SVP einen Sitz gewonnen, im Aargau und im Wallis wĂ€re je ein Mandat an die CVP gegangen.
. In Bern hĂ€tte dafĂŒr die GPS einen Sitz verloren, das gleiche wĂ€re der CVP in Solothurn passiert und der FDP in Neuenburg.

Bilanziert man die Auswirkungen de neuen Mandatsverteilung unter den Kantonen wÀren zwei eher konservative Parteien etwas gestÀrkt worden, und es wÀren zwei eher progressive Parteien ein wenig schwÀcher in der grossen Kammer vertreten gewesen.

Personell hĂ€tte es 2011 bei den GrĂŒnen die Bernerin Regula Rytz getroffen, die heutige ParteiprĂ€sidentin, bei der CVP den Solothurner Stefan MĂŒller-Altermatt, und bei der FDP wĂ€re der Neuenburger Alain Ribeau nicht nach Bern gereist.

NatĂŒrlich haftet der Aussage auch etwas Spekulatives an: Denn die Simulation unterstellt, dass alle gleich gewĂ€hlt hĂ€tten. Das muss nicht sein, denn in kleineren Kantonen hĂ€ngt die Wahl einer Partei auch von der Wahrscheinlichkeit ab, dass sie einen Sitz macht. Und das ist davon abhĂ€ngig, wie viele Sitze verteilt werden können. So ist denkbar, dass kleine Parteien in Neuenburg und Solothurn geschwĂ€cht worden wĂ€ren, zum Vorteil grösserer.

Immerhin, die vorgenommene Simulation ist die beste Möglichkeit, um zu sehen, was passiert wĂ€re. Und das hilft zu verstehen, was dereinst passieren könnte. Sie ist auf jeden Fall besser als der Verweis auf die Restmandate 2011. Denn deren Bestimmung hĂ€ngt ebenfalls von der Sitzzahl eines Kantons ab, sodass deren Aenderungen auch zu einer Verschiebung der Restmandatverteilung fĂŒhren kann.

Deshalb gilt: Die neue Mandatsverteilung des Nationalratssitze auf die Kantone stellt die Schweizer Politik nicht auf den Kopf; sie modifiziert aber die Gewichte von moderneren zu konservativeren Parteien.

Claude Longchamp