Die Zentren der Seilschaften im Schweizer Journalismus

Wer kennt sie nicht, die Klagen ĂŒber den Mangel an QualitĂ€t im Journalismus. Niemand! Genau deshalb ist es gut, wenn man alle BemĂŒhungen bekannt machen ann, die diese im System der Massenmedien zu heben beabsichten. Hierzu ein Blick auf die soeben veröffentlichten Ehrungen des Branchenblattes “Schweizer Journalist“.


Schweizer Journalist eher Schweizer Journalistin des Jahres 2008

In kĂŒrzester Zeit hat sich das Ranking des “Schweizer Journalist” zu relevanten Referenz fĂŒr das Schaffen im schweizerischen Mediensystem entwickelt. Wer hier ausgezeichnet wird, darf stolz sein, wenigstens unter KollegInnen.

Dieses Jahr lautet das Urteil zur besten Redaktion in der Schweiz wie folgt:

1. Schweizer Fernsehen (Vorjahr 2.)
2. Das Magazin (neu)
3. Tages-Anzeiger (1.)
4. Sonntagszeitung (neu)
5. NZZ am Sonntag (4.)
6. Weltwoche (6.)
7. Sonntag (5.)
8. Bund (7.)
9. SĂŒdostschweiz (7.)
10. Neue ZĂŒrcher Zeitung (10.)

Die Top Ehrungen in den verschiedenen Rubriken erhielten:

Top Chefredaktion: Patrick MĂŒller, Sonntag
Top Politik: Daniel Binswanger, Magazin
Top Wirtschaft: Beat Kappeler, frei/NZZ am Sonntag
Top Kultur: Michael Meier, Tages.Anzeiger
Top Sport: Rainer Maria Salzgeber, Schweizer Fernsehen
Top Kolumne: Andrea MasĂŒger, SĂŒdostschweiz
Top Reporter: Bruno Ziauddin, frei/Weltwoche
Top Lokales: Peter Knechtli, onlinereports.ch
Top Newcomer: Thomas Zaugg, Magazin
Top Wissenschaft: Beat Glogger, frei/Magazin
Top Recherche: K. Wild, C. Boss, M. Stoll, Sonntagszeitung
Top Westschweiz: Myret Zaki, Le Temps
Top Tessin: Luca Fasani, Simona Soldini, Alessandra Felicioni, Wissenschaftsredaktion RSI

Zur Top JournalistIn des Jahres wurde die China-Korrespondentin des Schweizer Fernsehens, Barbara LĂŒthi gewĂ€hlt. Sie hat engagiert ĂŒber die Olympischen Spiele, ihre Vorbereitungen und ihr Missbrauch in China berichtet.

Ohne Zweifel ist gerade diese Ehrung verdient. Bei anderen Frage man sich aber, wie sie Zustande kommen konnte. Auf der Hand liegt, dass die Zusammensetzung der 28köpfigen Jury aus ehemaligen ChefredaktorInnen, aus Verlegern, Medienberatern und JournalistInnen im einen oder andern Fall mitgeholfen haben dĂŒrfte.

Schwierig zu verstehen sind einige Entscheidungen, die gegen jede Form der QualitĂ€tssicherung verstossen: zum Beispiel, dass Kurt W. Zimmermann auf Platz 2 der Kolumnisten erscheint, selber aber Mitglied der Jury war. Da wĂ€re eine saubere Arbeitsteilung angebracht. StiefmĂŒtterlich wirkt fĂŒr eine Ehrung des Schweizer Journalismus, dass sich die Medienschaffenden der italienisch- und französischsprachigen Schweiz in je einer Kategorie insgesamt um die Anerkennung der MinderheitenvertreterInnen balgen dĂŒrfen.

Schliesslich wĂŒrde man sich ein eigentliches Leitbild wĂŒnschen, was guter Schweizer Journalismus sein soll, das den JurorInnen vorliegt, wenn sie ihre Entscheidungen treffen. Ganz im Sinne der Nachvollziehbarkeit in der Sache, statt der Transparenz von Seilschaften im Schweizer Journalismus.

Claude Longchamp

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