Identify. Empower. Ask.

Sein Auftritt war perfekt. SouverĂ€n bewegte er sich auf der BĂŒhne. Die Sildeshow im Hintergrund gefiel. Der Inhalt verdient ein Ă€hnliches PrĂ€dikat. Dennoch, am Schluss staunte nicht das Publikum, sondern der Redner John Della Volpe!

John Della Volpe hat italienisch-irische Wurzeln. Doch ist er durch und durch Amerikaner. Als Polling Director am Institut of Politics der renommierten Harvard University amtet er.

Am eben zu Ende gegangenen SwissMediaForum 2012 zu den neuen sozialen Medien hat er gestern ĂŒber amerikanische WahlkĂ€mpfe im 21. Jahrhundert berichtet.

Zum Beispiel ĂŒber die geschichtstrĂ€gtige email von John McCain, die im Jahr 2000 die politische Kommunikationsrevolution auslöste.
Oder ĂŒber die zielgruppenspezifischen Botschaften von Karl Rove, der 2004 die Wiederwahl von Goerge W. Bush sicherten.
Und ĂŒber Barack Obama, der 2008 den entscheidenden Moment der Ausmarchung innerhalb der Demokraten Hillary Clinton mit den Stimmen der Junge via Facebook fĂŒr sich gewann.

Della Volpes These zu den neuen soziale Medien leitete sich aus deren Entwicklung in den letzten 20 Jahren ab: Sie lautet, amerikanisch einfach wie auch amerikanisch einprÀgsam:

Identify, Empower. Ask.
Schaffe Identifikation, lass Selbstbestimmung zu, und frage nach.

Nicht ganz so griffig war der Ausblick auf das Wahljahr 2012. Twitter hĂ€tten sich sich die Republikaner Nach der Wahlniederlage von 2008 erschlossen, bekam man zu hören. Zum Beispiel Kandidat Newt Gingrich, der 1,4 Millionen Follower habe. Indes, der Schein trĂŒge: Zwei Drittel der Accounts seien ein Fake. Obama habe rasch viel Boden gut gemacht, wenn es um Twitter gehe. Er habe sensationalle Tageszuwachsraten. Und dennoch, John Della Volpe wollte ihn keineswegs zum Sieger fĂŒr die Wahl im November 2012 erklĂ€ren. Denn, so die professorale Kritik, seine Kampagne sei auffĂ€llig uninspirierend – ganz anders als 2008.

Das Publikum im Saal staunte. Da wurde es vom Harvard Pollster nach den eigenen Wahlabsichten befragt. Gegen 90% fĂŒr Obama, gut 10% fĂŒr Romney, war das Ergebnis der Umfrage bei der politmedialen CrĂšme der Schweiz.

Und nun staunte der BĂŒhnenstar John Della Volpe.
Twitterte aber bald schon das Resultat.

Claude Longchamp