Auf nach ZĂŒrich!

Wahlforschung in Theorie und Praxis – heisst meine Lehrveranstaltung im kommenden FrĂŒhlingssemester an der UniversitĂ€t ZĂŒrich. Eine erster Einblick.

SCHWEIZ WAHLEN 2011 WAHLSTUDIO
Politikwissenschaft fĂŒr den Wahltag: 12 Stunden-Live-Einsatz im Wahlstudio des Schweizer Fernsehens – und was davon fĂŒr die Wissenschaft bleibt.

Wahlforschung ist interdisziplinĂ€r: Zuerst interessierten sich die Juristen fĂŒr das Wahlrecht, dann die Statistiker fĂŒr die Wahlergebnisse. Geografen vermassen die Resultate in den Regionen und Historiker berichteten ĂŒber ihren Wandel in der Zeit. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat die sozialwissenschaftlichen BeschĂ€ftigung mit Wahlen zugenommen: Institutionellen Fragen, das Wahlverhalten, die EinflĂŒsse aus Wirtschaft, Gesellschaft und Medien haben an Bedeutung gewonnen, und sie bedingen, Wahlen unter verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Im FrĂŒhlingssemester unterrichte ich Wahlforschung an der UniversitĂ€t ZĂŒrich. Die Vorlesung wird vom Institut fĂŒr Politikwissenschaft im Rahmen des sozialwissenschaftlichen Bachelor-Studiums angeboten. Die Besonderheit meines Kurses: Er soll in Theorie und Praxis einfĂŒhren, also nicht nur ökonomische und sozialpsychologische Verhaltensmodelle lehren, das Wirken der Parteien und Medien vorstellen und die Auswirkungen des sozialen und politischen Wandels auf die Ergebnisse diskutieren, nein, er wird auch ĂŒber Projekte der Wahlberichterstattung, LĂŒcken der Forschung und die Rolle der PolitologInnen in der Mediendemokratie berichten.

Der zentrale Gegenstand könnte aktueller nicht sein; ich werde vorwiegend Beispiele aus dem Wahljahr 2011 nehmen: Die Nationalrats- resp. StÀnderatswahlen, die Bundesratswahlen, aber auch die kantonalen Wahlen sollen zur Sprache kommen.

Detailliert habe ich die Veranstaltung noch nicht geplant. Sie entsteht gegenwĂ€rtig in „meinem Bauch“ – auch als Verarbeitung von Ergebnissen, Analysen, EindrĂŒcken aus dem auslaufenden Jahr. Viel Material hat sich in meinem BĂŒro gesammelt, das ich dieser Tage sortiert, bewertet, weggeworfen oder abgelegt habe. Jetzt muss ich GefĂŒhle, Wissen und Können nur noch in grossen Ganzes bringen. Hier schon mal die Disposition:

1. Vorlesung: EinfĂŒhrung zur Wahlforschung in Theorie und Praxis
2. Mikro-Theorie (I): Das einfache ökonomische Verhaltensmodell
3. Mikro-Theorie (II): Parteibindung, Themen- und Kandidatenorientierung
4. Makro-Theorie (I): Historische Konfliklinien und das Parteiensystem der Schweiz
4. Makro-Theorie (II): postmaterialistischer und nationalkonservativer Wertewandel als neue Konfliktlinien im Parteiensystem der Schweiz
5. Politische Mobilisierung und Wahlbeteiligung
6. Wahlen und WahlkÀmpfe in der Mediengesellschaft von heute: zwischen AufklÀrung und Propaganda
7. Wahlen und Wahlrecht in der Schweiz
8. Wahlprognosen im Vergleich
9. Modellhafte Analyse der Nationalratswahlen
10. Modellhafte Analyse der StÀnderatswahlen
11. Wahlen im Konkordanzsystem: Analyse der Bundesratswahlen 2011
12. PolitologInnen im Wahlgeschehen 2011

In Gedanken mache ich mich auf nach ZĂŒrich!

Claude Longchamp