Die neuen Erfolgsfaktoren bei StÀnderatswahlen

„VolatilitĂ€t“ ist das Zauberwort der Wahlanalyse, wenn sie das Mass der parteipolitischen VerĂ€nderungen von Wahl zu Wahl beurteilen mĂŒssen. FĂŒr die Wahl 2011 gilt: Nie in der jĂŒngeren Wahlgeschichte gab es so viele Aenderungen wie diesmal. Und zwar im National- wie auch im StĂ€nderat.

volatil
Die VolatilitÀt ist eine Masszahl, um die absolute parteipolitische VerÀnderung von Sitzen von einer Wahl zur anderen zu beurteilen.

Nun wissen wir es: Nie wurde der StĂ€nderat so umgekrempelt wie aktuell. Der VolatilitĂ€tsindex fĂŒr die parteipolitischen VerĂ€nderungen erreichte den bisherigen Höchstwert. Der StĂ€nderat rĂŒckte demnach nicht nur nach links, es verĂ€nderte sich auch seine Zusammensetzung. Besser als Bilanzen von Sitzverschiebungen, die VerĂ€nderungen in die eine mit denjenigen in die andere verrechnen, eignet sich der VolatilitĂ€tsindex die Bruottoverschiebungen zu beurteilen. Er ist damit ein Mass fĂŒr die StabilitĂ€t resp. LabilitĂ€t der parteipolitischen Zusammensetzung.

Uebertragen auf die individuelle Ebene der gewĂ€hlten spricht man eher von Fluktuation. Dies ergibt sich aus den RĂŒcktritten und Abwahlen. Sie kann analysiert werden, um die alten und neuen Erfolgsfaktoren abzuleiten, wie man StandesvertreterIn wird. Hier eine erste Uebersicht:

ZunĂ€chst trifft zu, dass das „Bisher“ eine starke Empfehlung bleibt. Unfreiwillig ausgeschieden sind Bruno Frick von der CVP Schwyz und Adrian Amstutz aus den Berner SVP-Reihen. Etwas abgeschwĂ€cht gilt sodann, dass die KandidatInnen aus der Partei des bisherigen Sitzinhabers einen Vorteil haben. Das missriet der FDP in Schaffhausen, und es gelang der SVP der (erzwungene) Personalwechsel im Aargau nicht. In St. Gallen konnte die CVP mit dem Kandidaten, der erst im zweiten Wahlgang antrat, nicht halten.

Quereinsteiger wie Thomas Minder bleiben im StÀnderat die Ausnahme. Erfolgversprechend ist es, das Mandat als Höhepunkt einer politischen Karriere anzustreben. Praxiserfahrung einerseits, Bekanntheit anderseits zÀhlen. Dazu zÀhlen, dass man bereits politische Aemter inne haben mussten; förderlich ist auch eine regelmÀssige, anhaltende MedienprÀsenz.

Aus dem Profil der NeugewĂ€hlten kann man schliesslich folgern, dass ehemalige und bestehende RegierungsrĂ€tInnen (Eberle/TG, Keller-Sutter/SG) gute Chancen haben, diese Aussage selbst auf StadtprĂ€sidenten (Stöckli/BE) ausgeweitet werden kann. Es gibt auch einen Trend gibt, dass PolitikerInnen, die sich als RatsprĂ€sidentInnen (Bruderer/AG) einen Namen gemacht haben (2003 Egerszegi, 2011 Bruderer), den Sprung ins Stöckli schaffen. Hingegen ist die Qualifikation „Nationalrat/NationalrĂ€tin“ nicht hinreichend, um in den StĂ€nderat gewĂ€hlt zu werden. Das hat auch damit zu tun, dass zahlreiche von ihnen die Doppelkandidatur anstrebten, nicht zuletzt um den Sitz in der grossen Kammer zu sichern; das StĂ€nderatsergebnis war ihnen sekundĂ€r.

Die Erfolgskriterien im ersten und zweiten Wahlgang sind unterschiedlich: In der ersten Runde spielt die StĂ€rke der eigenen Partei als Hausmacht eine wachsende Rolle, im zweiten ist die FĂ€higkeit der Kandidatur massgeblich, ĂŒber Parteigrenzen hinweg Positiv- oder Negativ-Allianzen eingehen zu können. Letzteres gelingt der SP immer besser, derweil die SVP gerade hier ein Problem hat. Die bisher wichtige Unterscheidung zwischen Erfolgsfaktoren in der Romandie und in der Deuschschweiz ist eher geringer geworden; dafĂŒr gibt es zunehmend divergente Entwicklungen in urbanen und ruralen Kantonen. So sind in ZĂŒrich zwei Standesvertreter aus mittelgrossen Parteien erfolgreich gewesen, die breite Ausstrahlung als (mediatisierte) Personen hatten, wĂ€hrend der Kanton Schwyz neu gleich zwei SVP-Standesherren nach Bern schickt.

Claude Longchamp