StÀnderatswahlen: Börsianer erwarten Links-Rutsch

Erst in zwei Wochen wird der StĂ€nderat komplett sein. Jetzt schon zeichnen sich auf Wahlbörse die Favoriten fĂŒr die im ersten Wahlgang offen geblieben Sitze ab. Das spricht fĂŒr einen Linksrutsch im StĂ€nderat.

MARTI
Wir der StĂ€nderat neu von einer Mehrheit von CVP und SP gefĂŒhrt? – Das wenigstens suggeriert eine Uebersicht ĂŒber die Wahlbörsen in den Kantonen mit anstehenden zweiten WahlgĂ€ngen.

Ginge es nur das der Wahlbörse, verteilten sich die noch offenen 11 Sitze fĂŒr den StĂ€nderat wie folgt.

Noch 2 Sitze zu vergeben:

BE: LuginbĂŒhl (BDP, bisher), Stöckli (SP, neu)
TI: Lombardi (CVP, bisher), Cavalli (SP, neu)
ZH: Diener (GLP, bisher), Gutzwiller (FDP, bisher)

Noch 1 Sitz zu vergeben:

AG: Egerszegi (FDP, bisher)
SO: Bischof (CVP, neu)
SG: Rechsteiner (SP, neu)
SZ: Frick (CVP, bisher)
UR: Stadler (GLP, bisher)

Damit wĂŒrde die SP noch drei Sitz (BE, TI, SG) machen gewinnen, wĂ€hrend die FDP (TI, SO) zwei, die SVP (AG) einen verlieren wĂŒrde.

Die CVP kÀme in der Endabrechnung auf 14 Sitze (-1), die SP auf 12 (+3), die FDP auf 10 (-2), wÀhrend die SVP bei 4 (-2) stehen bliebe, vor GPS und GLP mit je 2 und BDP resp. (vorlÀufig) Parteilose mit je 1 Mandat (je 1 plus). Eigentliche Wahlsiegerin wÀre die SP, die neu mit der CVP zusammen im Stöckli eine Mehrheit bilden könnte, ohne auf Stimmen der kleinen Parteien angewiesen zu sein.

Sicher, einige der Tipps sind ĂŒberraschend, so der zum Kanton St. Gallen, wonach der PrĂ€sident des Gewerkschaftsbundes, Paul Rechtsteiner, den Chef der SVP Schweiz, Toni Brunner, bezwingen wĂŒrde. Recht kanpp sind die VerhĂ€ltnisse insbesondere in den Kantonen Tessin, wohl aber auch Bern. In beiden FĂ€llen könnte der prognostizierte Sitz von links nach rechts wandern.

Nimmt man die jetzige Vorhersage zum vorlĂ€ufigen Massstab, hĂ€tte das Ergebnis der StĂ€nderatswahlen Konsequenzen: Denn die SVP kame neu auf 58 Sitze, genau gleich viele wie die SP. An dritter Stelle lĂ€ge die CVP/EVP, gefolgt von der FDP. Wegen den Gewinnen der SP und der Abspaltung der GLP von der Zentrumsfraktion wĂŒrden diese die PlĂ€tze tauschen, ja, die SP wĂ€re gleich auf mit der SVP. Selbst wenn sich die BDP der CVP/EVP-Fraktion anschliessen wĂŒrde, kam man in der Mitte auf 54 Sitze und wĂŒrde man auf dem dritten Rang bleiben, allerdings sehr klar vor den FDP.Liberalen. Das wĂ€re mit Blick auf die anstehende Bundesratswahl nicht ohne!

Wie gesagt: Das sind die Ergebnisse, welche die Wahlbörse gegenwĂ€rtig suggeriert. Ganz sicher sind sich selbst die Börsianer nicht. Stellt man nĂ€mlich nicht auf ihre kantonalen Wetten ab, sondern auf die nationale zu allen StĂ€nderatswahlen 2011, resultiert ein leicht differenter Ausgang. Die Verluste fĂŒr die FDP wĂ€ren noch etwas grösser, jene fĂŒr die SVP etwa kleiner und die SP wĂŒrde weniger gewinnen. Allerdings halte ich das eher fĂŒr eine SchwĂ€che der Wahlbörsen, denn die direkte SchĂ€tzung des Ausgangs der StĂ€nderatswahlen ist selber fĂŒr ExpertInnen ausgesprochen schwieriger. Etwas zuverlĂ€ssiger sind das die Annahmen pro Kanton.

Claude Longchamp