GLP, SP und GrĂŒne als mögliche Wahlgewinnerinnen im Kanton Luzern

1006 reprĂ€sentativ ausgewĂ€hlte wahlberechtigte Personen im Kanton Luzern hat das Umfrageinstitut Demoscope zwischen dem 14. und 16. MĂ€rz 2011 befragt. Wahlsiegerin wĂ€re die GrĂŒnliberale Partei gewesen, die erstmals antritt, gefolgt von der SP und den GrĂŒnen. Verloren hĂ€tte vor allem die CVP.

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Anders als bei der Wahlbefragung im Kanton ZĂŒrich fand die Erhebung im Kanton Luzern vollumfĂ€nglich in Kenntnis des Unfalls im Atommeiler von Fukushima statt. Damit können Effekte auf Wahlen, die theoretisch durchaus erwartet werden können, besser abgeschĂ€tzt werden.

Wie fast ĂŒberall kann der Neuling unter den Parteien, die GLP, ausserhalb jeden Zweifels zulegen. Demoscope rechnet mit einem Anteil von gut 3 Prozent. Zwei Prozentpunkte Gewinne könnte es auch fĂŒr die SP geben, 1 Prozentpunkt mehr fĂŒr die GrĂŒnen. Doch legen alle Parteien in der zweiten Umfrage nur unmerklich zu; beschrĂ€nkte Gewinne zeichneten sich schon in der ersten Erhebung im Januar 2011 ab. GeĂ€ndert hat sich seither, dass SVP, FDP und BDP etwas zurĂŒckgehen und sich die CVP etwas erholt.

Das wĂŒrde fĂŒr eine leichte Verschiebung von rechts in die Mitte und nach links wĂ€hrend des Wahlkampfes sprechen, ohne dass daraus ein starker Japan-Effekt abgeleitet werden könnte. Vielmehr hĂ€tte sich der Schub der nationalkonservativen Rechten nach der Ausschaffungsinitiative abgeschwĂ€cht.

Dasselbe Bild ergibt sich auch bei den Regierungsratswahlen. Am wahrscheinlichsten ist die parteipolitische Konstanz bei personellen Aenderungen. Vorne in der Umfrage liegen der parteilose Bisherige, gefolgt von den amtierenden VertreterInnen von SP und CVP. Unter den Neuen haben der Kandidat der FDP und zwei KandidatInnen der CVP valable Chancen zur Wahl. Der Kandidat der GrĂŒnen hat zwar innert zweier Monate zugelegt, liegt aber wie sein Mitbewerber aus den Reihen SVP deutlich zurĂŒck.

Iwan Rickenbacher, erfahrener Politanalyst aus der Innerschweiz, sieht im Spitzenergebnis des Parteilosen bei den Regierungsratswahlen ein weiteres Indiz fĂŒr die wachsende Bedeutung von Personenidentifikationen in der Politik. Derweil erodieren Parteibindungen im Zentrum, was den Traditionsparteien im Kanton Luzern am meisten zu schaffen macht. Die Konkurrenz innerhalb der CVP ist noch nicht entschieden. Aufgeholt hat der Bewerber, der den aktivsten Wahlkampf in den neuen Medien wie der Pendlerzeitung fĂŒhrt.

Die grösste Unsicherheit mit den Umfrageergebnisse ergibt sich ansgesichts 15 Prozent UnschlĂŒssiger unter den Teilnahmewilligen. Das eröffnet Potenziale fĂŒr Verschiebungen bis am Schluss. Sie sind nicht zu unterschĂ€tzen, vor allem wenn es um die Ansprache parteiferner Potenziale geht. Das sind die Personen nochmals massgeblich.

Keine Angaben zur voraussichtlichen Wahlbeteiligung gibt es, wie meist bei Demoscope, keine.

Claude Longchamp