Mindestens 9 RĂŒcktritte machen die StĂ€nderatswahlen interessant

Neun bisherige StĂ€nderĂ€tInnen treten im Herbst nicht fĂŒr einen Wiederwahl in die Kleine Kammer an. Das macht die StĂ€nderatswahlen schon mal interessant – teilweise auch ĂŒber die jeweilige Kantonsgrenze hinaus.

Tagesschau vom 27.02.2011

Momentan konzentriert sich alles auf die Ersatzwahl fĂŒr die Bernerin Simonetta Sommaruga, letzten Herbst in den Bundesrat gewĂ€hlt. Adrian Amstutz, VizeprĂ€sident der SVP, und Ursula Wyss, Fraktionschefin von der SP, treffen im 2. Wahlgang aufeinander.

Neun Demissionen auf Ende Legislatur versprechen Spannung bei den StĂ€nderatswahlen im Herbst. DoppelrĂŒcktritte gibt es in GraubĂŒnden und Thurgau. In den Kantonen Uri, Schaffhausen, Luzern, Aargau und Solothurn kommt es zu Einervakanzen. Weitere Demissionen sind nicht ausgeschlossen.

Gefordert sind gegenwÀrtig die CVP, FDP und SVP. Sie verzeichnen je drei Demissionen. Bei der SVP erfolgt jene im Kanton Aargau nicht ganz freiwillig, denn Maximilian Reimann wÀre gerne geblieben, doch seine Partei entschied anders.

Kein Risiko dieser Art will die CVP im Kanton Schwyz eingehen, wo der Bisherige Bruno Frick privater Turbulenzen zum Trotz wieder nominiert wurde.

In verschiedenen Kantonen zeichnen sich Wahlen mit mehreren nationalen Schwergewichten ab. Das gilt beispielswesie fĂŒr St. Gallen, wo Eugen David von der CVP wieder antritt, indessen mit der Demission von Erika Forster-Vanini in den Reihen der FDP gerechnet wird. Als möglicher Ersatz gehandelt wird Fast-BundesrĂ€tin Karin Keller-Sutter von FDP. Seine Kandidatur angemeldet hat auch Paul Rechsteiner, SGB-PrĂ€sident und SP-Nationalrat. Es wird damit gerechnet, dass die SVP hier einen Stzgewinn anstrebt, allenfalls mit ParteiprĂ€sident Toni Brunner.

Auch im Kanton Aargau kommt es zu einem KrĂ€ftemessen auf höchstem Niveau. Christine Egerszegi-Obrist von der FDP will es noch einmal wissen, wĂ€hrend 4 PolitikerInnen die Nachfolge von Reimann antreten möchten: Nationalrat Ulrich Giezendanner von der SVP, Pascale Bruderer, alt-NationalratsprĂ€sidentin von der SP, Geri MĂŒller, Nationalrat der GrĂŒnen, und Kurt Schmid, PrĂ€sident des kantonalen Gewerbeverbandes, Kandidat der CVP.

Zu einer Kampfwahl kommt es möglicherweise auch in Schaffhausen. Thomas Minder, Initiant des Volksbegehrens gegen Abzockerei im Management, hat sein Interesse angemeldet, als Parteiloser Nachfolger des abtretenden FDP-StÀnderates zu werden.

In GraubĂŒnden könnte es zu einer parteipolitischen Verschiebung kommen. GefĂ€hrdet ist nach der Parteispaltung namentlich der freiwerdene SVP-Sitz. Christoffel BrĂ€ndli, der ZurĂŒcktretende, empfiehlt die Kandidaturen aus CVP und FDP zur Wahl.

Das Interesse an den StĂ€nderatswahlen 2011 hat verschiedene Ursachen: So war die Mobilisierung via Persönlichkeiten in jĂŒngster Zeit ein Erfolgsgarant fĂŒr Parteien. StĂ€nderatsbewerbungen bieten sich mit der Medienaufmerksamkeit und der Personenidentifikation gerade zu an.

Vorbei scheint, dass man als bestandenes Mitglied einer kantonalen Exekutive in der zweiten Karriere-HÀlfte als StÀnderat nach Bern darf. Gefragt sind bekannte und profilierte PolitikerInnen, die ihre Kandidatur als Teil einer nationalen Wahlkampfstrategie ihrer Parteien sehen.

Claude Longchamp