Standpunkte aus Stadt und Land

Mit Guy Morin und Peter Föhn debattiere ich ĂŒber Ursachen und Folgen des neuerdings viel zitierten Stadt/Land-Grabens. Vor der Kamera redete man viel ĂŒbereinander, nach Sendeschluss endlich auch miteinander.

ringier
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Auf meine kleine, aufreissende Analyse in der Einleitung reagierten die beiden Politikerinnen, der Muotataler Unternehmer Peter Föhn, Nationalrat fĂŒr die SVP Schwyz, und Guy Morin, der grĂŒne RegierungsprĂ€sident des Kantons Basel-Stadt, ablehnend: Der Stadt/Land-Graben existiere nicht wirklich!

Doch dann legten sie mit voller HÀrte los: Der StÀdter zitierte den von seinem Siedlungsraum erwirtschafteten Beitrag zur volkswirtschaftlichen Wohl, und der LandschÀftler beschwor die schweizerischen Werte, die nur in TÀlern wie dem seinen in unverfÀlschter Form zu haben seien. Oekonomie gegen Kultur, das waren die Stichworte!

Ich sass mitten drin, als die Giftpfeile am meinen beiden Ohren vorbei sausten – bis mir der Kragen passte und ich beiden Kontrahenten sagen musste, ich wĂŒrde an ihren Standpunkten das Eidgenössische vermisse: das Bewusstsein darĂŒber, dass wir verschieden seien, aber zusammengehörten, und das nur so bleibe, wenn wir den willen dazu regelmĂ€ssig aufbrĂ€chten!

Das verlagerte die Diskussion von der Polarisierung zum Dialog, befördert von den Journalisten Patrick Rohr und Urs Buess, die im Auftrag der Basler Zeitung die Sendung moderierten. Wer wissen will, wie es ausging, schaue sich die Debatte am Sonntag um 1310 oder 1825 an.

Eines wird man als Zuschauer jedoch nicht sehen. Als die Kameras aus waren und wir auf Glas Weisswein zusammen sassen, machten die beiden Politiker bald schon Duzis und tauschten Einladungen aus, um nicht nur ĂŒbereinander, sondern auch miteinander zu sprechen.

MichĂšle Rothen schreibt dazu im heutigen „Magazin“: Es bringt nichts, mit dem Auto aufs Land zu fahren oder mit dem S-Bahn in die Stadt zu reiten, um Theater zu sehen oder Bauernferien zu geniessen. Man muss auch miteinander reden, um VerstĂ€ndnis zu entwickeln, nicht Feindbilder schĂŒren.

Dem habe ich nichts mehr beizufĂŒgen!

Claude Longchamp