Kein wirkliches Wettfieber zur Ausschaffungsinitiative

Die Plattform heisst „Wahlfieber“. Denn ĂŒber sie wird gewettet. Unter anderem ĂŒber Politik, auch ĂŒber Schweizer Volksabstimmungen. Doch bei der Ausschaffungsinitiative will einfach kein Wettfieber aufkommen.

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Wahlbörsen gibt es seit den amerikanischen PrĂ€sidentschaftswahlen von 1988. Sie wurden entwickelt, um zu wissen, was bei der Wahl herauskommt. Sie basieren auf der Hypothese, wonach ein Markt die verfĂŒgbaren, aber auf viele Personen verstreuten Informationen, besser sammelt und bewertet als jedes andere Instrument.

Anders als bei Umfragen interessiert die eigene Positionen nicht. DafĂŒr will man wissen, mit welche Ausgang gerechnet wird. Die Trader in Wahlbörsen setzen eigenes Geld auf den von ihnen erwarteten Ausgang. Am Schluss erhalten sie es nur dann zurĂŒck, wenn sie auf den richtigen Ausgang der Entscheidung gesetzt haben. Aendern die HĂ€ndler ihre Ansichten, versuchen sie ihre Aktien zu verkaufen. Finden sie dafĂŒr KĂ€ufer, entsteht ein Tausch und ein neuer neuer Kurswert.

Die Erfolge der Wahlbörsen lassen sich insgesamt sehen; sie haben sich als spielerische Alternative zu Wahlumfragen etablieren können. Sie haben aber SchwĂ€chen. Wenn der Mitteleinsatz hoch ist, bleibt die Zahl der Trader geringer. Wenn er klein ist, schmerzt der Verlust nicht. Man wettet dann unter UmstĂ€nden nicht auf den erwarteten, sondern erwĂŒnschten Ausgang, was das Experiment verfĂ€lscht.

Die Wette zur Ausschaffungsinitiative auf der Plattform „Wahlfieber“ könnte darunter leiden. Gerade 22 Trader haben sich zu diesem Thema auf Wahlfieber eingeschrieben. Sie pokern seit dem 12. November, also bloss seit 2 Wochen. Transaktionen bleiben selten, und haben auf das Ergebnis grosse Wirkungen. Insgesamt ist man nahe der 50:50 Marke, mit Tagesschwankungen darĂŒber und darunter.

Konkret erwartet man heute Freitag einen minimalsten Ueberhang der Nein-Seite bei der Ausschaffungsinitaitive – ohne dass die erwarteten Ja- und Nein-Anteile zusammen 100 Prozent ergeben wĂŒrden. Ausser knapp und unklar ziehe ich nicht wirklich einen Schluss daraus!

Claude Longchamp